| 00.00 Uhr

Wesel
Wiedersehen nach sechs Jahrzehnten

Wesel: Wiedersehen nach sechs Jahrzehnten
Am Klassentreffen des Entlassjahrgangs 1956 beteiligten sich (v.l.): Paul Martens, Hubert Grote-Schepers, Christa Ridder (-Brüggemann), Heinz Underberg, Werner Triptrap, Burgis Berg (-Baumeister), Ludger Baumeister und Maria Krampe (-Ribbekamp). Es fehlten Franzis Aldenhoff (-Averkamp), Regina Ufermann (-Rittmann) und Heinz Uellenberg. FOTO: RP-Foto Scheffler
Wesel/Schermbeck. Über eine Zeit, in der Schüler mit Heiligenbildchen belohnt und Klassenräume mit Kohlen geheizt wurden. Von Helmut Scheffler

Elf Jungen und Mädchen sind im Jahre 1956 aus der Uefter Volksschule entlassen worden - acht von diesen elfen haben jetzt nach sechs Jahrzehnten erstmals in der Gaststätte Triptrap ein fröhliches Wiedersehen gefeiert, zu dem Ludger Baumeister und Heinz Underberg eingeladen hatten.

In geselliger Runde wurden Bilder aus der gemeinsamen Schulzeit gezeigt, die zu munteren Gesprächen über längst vergangene Zeiten anregten. Die ersten Schulhefte und die Tafel wurden beispielsweise noch in Reichsmark bezahlt, als die Kinder Ostern 1948 eingeschult wurden. Die Währungsreform mit der Umstellung auf die Deutsche Mark fand erst im Juni statt.

Die Uefter Schulkinder wurden in zwei Klassenräumen unterrichtet. Die Jahrgänge eins bis vier saßen in einem gemeinsamen Klassenraum, ebenso die Jahrgänge fünf bis acht. Im ersten Schuljahr wurden die Schüler von Lehrerin Maria Sundermann unterrichtet.

Einmal wöchentlich begann der schulische Alltag mit einem Gottesdienst in der Ludgeruskirche. Einen Schulbus, der die Kinder nach Uefte brachte, gab es nicht. Wer kein Fahrrad hatte, musste zu Fuß gehen. Auch der tägliche Schulweg wurde zu Fuß zurückgelegt. Vor dem Schulgebäude stellten sich die Kinder in Zweierreihen auf. Dann war es höchste Zeit für Ludger Baumeister, der auf der anderen Seite der Schule wohnte, den Anschluss nicht zu verlieren. Im Klassenraum begann der Unterricht mit einem Gebet. Im Winter mussten morgens zwei Jungen Kohlen aus dem Keller holen und in den Kanonenofen im Klassenzimmer schütten. Große Ausflüge hat es für die Volksschüler nicht gegeben. Die Ehemaligen konnten sich aber an das Sammeln von Bucheckern mit der Lehrerin Sundermann ebenso erinnern wie an die Vogelstimmen-Exkursion mit Lehrer Posur in den Dämmerwald und an den Bau von Schneemännern mit Lehrer Günther Fahle in der Heide. Unvergessen blieben auch die Fußballspiele mit dem Lehrer Fahle. "Am liebsten spielten wir in der Mannschaft gegen ihn, weil wir ihn dann leichter umlegen konnten", freute sich Ludger Baumeister in der Rückschau.

Für gutes Lernen wurden die Kinder von ihren Lehrern regelmäßig mit Fleißkärtchen belohnt. Wer zehn Fleißkärtchen gesammelt hatte, konnte diese gegen - als Anreiz für weiteren Fleiß - ein Heiligenbild eintauschen. Im Unterricht herrschte ansonsten Strenge. Wer antwortete, musste aufstehen. Schlimm aus heutiger Sicht: Wer nicht artig war, musste Schläge hinnehmen. Mit Stockschlägen auf die Fingerkuppen wurden fehlende Hausaufgaben quittiert. "Es war doch einfacher, die Finger hinzuhalten als eine Stunde Hausaufgaben zu machen", berichtete Paul Martens von seiner freien Entscheidung.

Die Entlassschüler des Jahres 1956 haben auch noch die Schulspeisung miterlebt. Frau Große-Homann kochte einmal wöchentlich für die Schulkinder. Kaufmann Albert Schmeing lieferte täglich Kakao und Milch.

Im Verlauf des Klassentreffens besuchten die ehemaligen Volksschüler das Museum in der Steintorstraße, wo ihnen Hans Zelle während einer Führung zahlreiche Gegenstände aus dem Alltagsleben früherer Jahrzehnte zeigen konnte.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wesel: Wiedersehen nach sechs Jahrzehnten


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.