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Niederrhein
Wildgehege Reichswalde steht vor dem Aus

Niederrhein: Wildgehege Reichswalde steht vor dem Aus
Wolfgang Hähn (76) gibt sein Amt als Vereinsvorsitzender ab. FOTO: Evers, Gottfried (eve)
Niederrhein. Die Existenz des Vereins ist in Gefahr. Gesucht werden Vorsitzender und Stellvertreter. Doch keiner will die Ämter übernehmen. Ohne den Verein muss das beliebte, traditionsreiche Ausflugsziel wohl schließen. Von Julia Lörcks

Um es mit einem Satz zu sagen: Er kann einfach nicht mehr. Die Rede ist von Wolfgang Hähn (76) aus Reichswalde unweit von Kleve. Der Bauingenieur hat seit zwölf Jahren den Vorsitz des Vereins Wildgehege Reichswalde inne. Am Donnerstag stellt er diesen Posten zur Wahl. "Am 23. März werde ich 77 Jahre alt, die Kraft lässt nach, das ist nicht mehr zu verantworten", so begründet Hähn seine Entscheidung. Das Fatale daran: Wenn sich niemand findet, der den Vorsitz und den Posten des Stellvertreters übernimmt, steht der Verein und damit auch das Wildgehege vor dem Aus. Erneut.

Denn es nicht das erste Mal, dass das Gehege ins Gerede kommt. Zuletzt war es im Sommer 2013 von einer Schließung bedroht. Damals fehlten dem Verein 1500 Euro für notwendige Arbeiten am Außenzaun und die Sicherung des alten Baumbestandes. Nach einem Aufruf in der Rheinischen Post fand sich schnell ein Spender - das Wildgehege war gerettet. "Durch einen Sponsor, Spenden und Mitgliedsbeiträge haben wir unsere Finanzen mittlerweile auf eine solide Basis gestellt. Wenn beispielsweise ein Zaun kaputt ist, können wir zwar keinen Unternehmer bestellen, haben aber das nötige Kleingeld, um Material zu besorgen und die Reparaturarbeiten in Eigenleistung zu stemmen", sagt Hähn.

Elf Stück Rotwild leben noch im dem Wildgehege im Klever Reichswald. Wer vorsichtig genug ist, kann die scheuen Tiere beobachten. FOTO: Gottfried Evers

Doch genau darin liegt auch das Problem des Vereins, der immerhin gut 150 Mitglieder zählt. Denn die aktiven Männer und Frauen, die das gut vier Hektar große bewaldete Gelände pflegen und hegen sowie die darin lebenden Wildtiere täglich füttern, werden immer weniger. Hähn beschreibt es so: "Die Basis wird immer schmaler." Nicht ohne Grund hat er den Tierbestand bereits reduziert. "Früher hatten wir zwei Wildschweine und acht Mufflons, jetzt sind es nur noch elf Stück Rotwild. Der Hirsch ist ebenfalls weg, somit gibt es keinen Nachwuchs mehr." Hähn blickt betrübt drein und erklärt: "Ich glaube nicht, dass das Wildgehege noch zu retten ist. Seit mehr als einem Jahr suche ich einen Nachfolger, nichts ist seitdem passiert."

Joachim Böhmer von der Forstverwaltung in Kleve sieht das ähnlich: "Ich persönlich finde es zwar sehr schade, dass der Verein auf der Kippe steht. Gleichzeitig haben wir als Forstverwaltung aber auch kein Interesse daran, den Betrieb fortzuführen. Aus finanziellen Gründen. Zudem ist es nicht Aufgabe einer Forstverwaltung, ein Wildgehege zu pflegen. Dafür gibt es den Klever Tierpark."

Zum Hintergrund: Die Geschichte des Wildgeheges reicht viele Jahre zurück. Das Gelände gehört dem Forstamt, 1978 übernahm die Stadt vom Kreis Kleve die Trägerschaft. "Im Jahr 2003, nach 25 Jahren, musste dann auch die Stadt aus Kostengründen eine Kündigung der Nutzungsverträge mit dem Forstamt und die Aufgabe des Wildgeheges beschließen", berichtet Pressesprecher Jörg Boltersdorf. Daraufhin gründete sich der Verein Wildgehege Reichswalde, der sich seitdem um das Areal kümmert.

Und die Zukunft? Seitens der Stadt Kleve gibt es keine Überlegungen, das Wildgehege zu übernehmen oder auch nur vorübergehend zu pflegen, wie Boltersdorf auf Nachfrage erklärt. Auch der Verein Klever Tiergarten winkt ab. "Das ist mal nicht in fünf Minuten getan", sagt Leiter Dietmar Cornelißen und ergänzt: "Es sei denn, der Verein wünscht sich eine Übernahme, aber dann bräuchten wir auch Personal dafür."

Info Die Jahreshauptversammlung des Vereins Wildgehege Reichswalde findet am Donnerstag, 3. März, ab 20 Uhr im Schützenhaus Reichswalde statt.

Quelle: RP
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