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Wesel
Windräder ohne Höhengrenze

Wesel. Alternative Energien: Büdericher erleben verärgert, dass Politik Höhenwachstum bei Windmühlen nicht stoppen will – aus juristischen Gründen. Wesels erstes Solarfeld in Lackhausen ist gewünscht. Es soll noch 2010 entstehen. Von Thomas Hesse

Der Umgang mit sanfter Energieerzeugung in Wesel ist zweigeteilt. Einmütig beschloss gestern der Stadtentwicklungsausschuss, den Weg frei zu machen für Wesels erste Photovoltaik-Anlage auf freiem Feld. Es handelt sich um eine Initiative der Lackhausener Landwirts-Familie Rohler. Sie stellte das Projekt neben der Lackfabrik auf zwei Hektar Ackerfläche (siehe Info) gestern präzise und nachvollziehbar vor. Noch im dritten Quartal 2010 soll der Bau von 4000 Solarmodulen starten. Denn die Regierung debattiert, Förderung für Freianlagen auf Ackern zu beenden, was nicht für dann vorhandene Objekte gelten gelten würde.

Rohlers Vorhaben wurde von allen Fraktionen begrüßt. Das war gestern erwartungsgemäß in Sachen linksrheinische Windräder nicht der Fall. Die sind zwar von der großen Politik gewollt und ergiebiger als Solarkraft, aber vor Ort nicht selten umstritten. Die Forderung nach Höhenbegrenzung der Windmühlen auf 100 Meter wurden gegen CDU und Linke – die ebenfalls ablehnende UWW war nicht stimmberechtigt – abgelehnt.

"Ignoranz in Büderich"

Windrad-Kritiker aus Büderich, Ginderich und Gest, die im Ausschuss zu Gast waren, erlebten eine diffuse Debatte. In der holte mal wieder Wortführer Ludger Hovest von der SPD die Kohlen aus dem Feuer für eine Verwaltung, die mit halben und unklaren Informationen Raum für Kritiker ließ. Der SPD-Chef hielt Kurs: "Die SPD will die Windräder in Büderich. Es geht den Büderichern nicht um Höhenbegrenzung, sie wollen gar keine." Thomas Lemken (Grüne) bescheinigte den Polderdörflern "Ignoranz gegenüber erneuerbarer Energie".

Erst der Liberale und Jurist Thomas Bückmann brachte das Sachthema auf den Punkt, als er nach effizienten, kleineren 100-Meter-Anlagen und möglichen Schadenersatzansprüchen des Investors fragte. Antwort der Rechtsabteilung des Rathauses: Es gebe "keine städtebauliche Gründe" für Höhenbegrenzung, die Baugenehmigung gelte sowieso schon für 133,70 Meter hohe Windräder – der Investor hat im Rat bereits 150 Meter hohe angekündigt –, Schadenersatz wäre möglich. Merkwürdig nur: Die Meinung ihres Windkraft-Fachanwalts hatte die Verwaltung nicht eingeholt. Dabei gibt es juristisch belegte Fälle, dass Höhengrenze ohne Regress möglich ist.

Franz Bothen (CDU)drehte mächtig auf: "In Wesel will man die Windräder nicht, bei uns werden sie hingesetzt. Nun tut man so, als ob man die Höhenbegrenzung ernsthaft untersucht hätte." Hovest erinnerte daran, dass man mit der 1998 beschlossenen Windkraftzone extra keine Begrenzung gemacht hätte, um dem "technischen Fortschritt nicht im Wege zu stehen".

Quelle: RP
 
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