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Wesel
Wirbel um Zelt in Naturschutzzone

Wesel: Wirbel um Zelt in Naturschutzzone
Ausgerechnet am einst eigens für Höhlenbrüter angelegten Steilufer schlug der unbekannte Frevler sein Lager auf, samt Boot mit Außenbordmotor und Angelausrüstung. Einst waren hier Uferschwalben heimisch (kleines Bild). FOTO: OB/HG
Wesel. Am Auesee sind Zelte aufgestellt worden, wo eigentlich Höhlenbrüter wie die Uferschwalbe eine Heimat finden sollen. Von Fritz Schubert

Am Auesee stoßen gerade in der sommerlichen Hochsaison täglich die Interessen von Badegästen und Naturschützern aufeinander. Im Grunde ist dafür auf dem Papier alles geregelt. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Es kommt immer wieder vor, dass Frevler sich über Bestimmungen hinwegsetzen und den gesamten Baggersee samt seiner inzwischen hochwertigen Uferzonen als frei zu nutzendes Gelände ansehen. Jüngstes Beispiel ist wildes Campen in Verbindung mit Fischwilderei in einem sensiblen Abschnitt. Weseler Wassersportler haben den Fall per Foto am vergangenen Freitagabend bei einer ihrer regulären Trainingsfahrten dokumentiert und den Naturschutzbund (Nabu) informiert. Peter Malzbender, Vorsitzender der Kreisgruppe Wesel des Nabu, sieht darin einen weiteren Beweis dafür, dass am Auesee eine professionelle Aufsicht nötig ist und die Straftaten auch entsprechend verfolgt werden.

Im aktuellen Fall geht es um einen Abschnitt im nordöstlichen Bereich in der Nähe des Windrades. Dort hatte ein Unbekannter ein Zelt aufgeschlagen und auch ein Schlauchboot platziert. Es war klar erkennbar mit einen kleinen Außenbordmotor ausgestattet. Ein Kescher im Bug des Bootes lässt auf einen Angler schließen. Allerdings handelt es sich hier weder um einen Teil des regulären Badestrandes noch um ein Areal des ansässigen Angelvereins. Vielmehr ist es jene Stelle, an der vor Jahren eigens eine Steilwand ins Gelände modelliert worden war, um Uferschwalben ein Brutangebot zu machen.

Wie Peter Malzbender im Gespräch mit unserer Redaktion sagt, hatten die erwünschten Höhlenbrüter die Nistmöglichkeit auch dankend angenommen. In Spitzenzeiten seien gut 50 Höhlen belegt gewesen. Bis vor vier bis fünf Jahren Nacktbader und wilde Angler das abgelegene Plätzchen für sich entdeckten. Der Betrieb hielt die Elterntiere vom Anflug auf ihre Höhlen ab, so dass die Jungen nicht mehr mit Nahrung versorgt werden konnten, schildert der Nabu-Vorsitzende die Folgen. Der Nachwuchs ging ein, die Uferschwalben blieben fort. Der Betrieb ASG hat Reste dorniger Hecken als Barrieren eingebaut, doch diese halten Täter offenbar nicht auf.

Unweigerlich kommt Malzbender auf weitere Freveltaten in Bereichen des Auesees zu sprechen, die für den Menschen tabu sind. Oft gingen diese einher mit einem absolut uneinsichtigen und rüpelhaften Verhalten der Verursacher bei Ansprache.

Der Nabu-Chef hat nichts gegen Aktivitäten im ausgewiesenen Badebereich. Auch weiß er klar zu unterscheiden zwischen Tätern "von weither" und ansässigen Wassersportlern und Anglern. Von Letzteren wünscht er sich allerdings auch Unterstützung, ginge es doch um ihren Ruf, der durch Fremde geschädigt werde. "Auch sie sollten ihre Stimme erheben und nach Verfolgung der Straftaten rufen. Was da passiert, ist Wilderei", sagt er.

Personal und Finanzen dürften die Hindernisse sein. Bekanntlich fordert der Nabu seit Jahren den Einsatz von Rangern in empfindlichen Gebieten. Dabei kommt immer wieder die Untere Landschaftsbehörde beim Kreis Wesel als Adressat ins Spiel. Beim Thema Ordnung am Auesee ist auch die Stadt Wesel gefordert. Das Gewässer ist zugegebenermaßen groß. Auch machen Rabauken nicht zeitgleich mit Aufsichtskräften Feierabend.

Um Fehlentwicklungen am Diersfordter Waldsee zu stoppen, wo unerlaubtes Baden wieder um sich greift, hat die SPD unlängst nach verstärkter Präsenz der Stadtwacht gerufen (RP berichtete). Immerhin, so Malzbender, gebe es gelegentlich auch wirksame Hilfe der Kreispolizei und bei Verstößen am Rheinufer der Wasserschutzpolizei.

Quelle: RP
 
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