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Niederrhein
Wo Naturwissenschaften für Jugendliche erlebbar werden

Niederrhein: Wo Naturwissenschaften für Jugendliche erlebbar werden
Wer auf dem Roboterarm Platz nimmt, wird durchgeschüttelt. Auch die Reaktion von Autofahrern kann so getestet werden. FOTO: Amela Radetinac
Niederrhein. Mit der Sommeruni gibt die Uni Duisburg-Essen Jugendlichen die Möglichkeit, Studiengänge kennenzulernen. Von Amela Radetinac

Ihren Anfang nahm die Sommeruni der Universität Duisburg-Essen (UDE) bereits vor 20 Jahren, "es war ein Leuchtturmprojekt für die Frauenförderung", erläutert Projektkoordinatorin und Studienberaterin Silke Gramsch. Damals noch einzigartig in der Bundesrepublik.

2013 eröffnete die UDE auch den Jungen die Möglichkeit, in die Bereiche der Natur- und Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Informatik reinzuschnuppern: "Die Mädchen fanden es nur fair, es aber gleichzeitig auch schön in den Gruppen unter sich zu sein", so Gramsch. Also bildet die UDE seither geschlechtsspezifische Gruppen, in denen die Jugendlichen ab 15 Jahren fünf Tage lang mit oder ohne bevorzugten Schwerpunkt einen Einblick in die MINT-Fächer gewinnen können. So fanden sich 25 der 59 teilnehmenden Mädchen - neben 62 Jungen - beispielsweise in dem Hörsaal von Master of Science Florian Simroth ein, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mechanik und Robotik. Mit seinem Vortrag "Von Newton zu Newmark" führte er sie binnen 45 Minuten von Newtons Grundgesetzen der Mechanik bis zur "Newmark-beta-method", mit der Differentialgleichungen am Computer gelöst werden können: "Ein wichtiger Fortschritt, um uns umfangreiche Berechnungen sehr viel leichter zu machen." Simroth zeigte den Mädchen die großen Bereiche auf, mit denen sie innerhalb dieses Lehrstuhls als Studentinnen in Kontakt kämen: Sie reichen von Bio-, Elasto- und Fluidmechanik über Mehrkörper- und Bewegungssimulation bis hin zu Virtual Reality. "Wie sie in Filmen wie Avatar angewandt wird", so sein anwendungsbezogener Hinweis. "Moderne Herausforderungen sind spannend und praxisnah", sagt er.

Wie praxisnah, demonstrierte Simroth den Mädchen in der Versuchshalle. Dort konnten sie mit Einverständnis der Eltern und nach einer Sicherheitseinweisung auf einem Roboterarm Platz nehmen und eine simulierte Achterbahnfahrt erleben - samt der wirkenden Kräfte. Für diesen Roboter haben die Wissenschaftler unterschiedlichste Einsatzmöglichkeiten in der Forschung: Von der turbulenten aber ruckelfreien Achterbahnfahrt bis zur Reaktion eines Autofahrers, der von seinem Spurhalteassistenten beim Verlassen der Fahrspur gewarnt wird.

Florian Simroth zeigt den Mädchen auf, wie groß die Bandbreite der beruflichen Möglichkeiten eines Maschinenbauers ist: Neben Konstruktion und Berechnung könnten sie zum Beispiel auch im Vertrieb arbeiten, in der Projektleitung, der Unternehmensberatung und in der Medizintechnik. Dieser letzte Bereich interessiert beispielsweise die Neuntklässlerin Lynn sehr. Sie möchte auf jeden Fall studieren und in der Sommeruni einen Einblick in den Bereich gewinnen. Ebenso wie Henriette, ebenfalls in Klasse neun: "Die Sommeruni soll für mich eine Entscheidungshilfe sein, ich möchte Fachbereiche für mich ausschließen." Und damit ihre Entscheidung nicht auf das Studium begrenzt bleibt, baut die UDE auch ein sogenanntes Kontaktikum ein, einen Tag, an dem die Jugendlichen Unternehmen besuchen und die Arbeit von Absolventen in der Praxis erleben und Fragen stellen können.

Das wichtigste für den Anfang aber sei der Spaß am Tüfteln, an Technik und das Interesse daran, die Welt ein Stück weit mehr verstehen zu wollen, so Simroth. "Es sind hochmotivierte Teilnehmer", sagt Silke Gramsch, "vereinzelt können wir sogar feststellen, dass manche Jugendliche mehrmals mitmachen, hier auch studieren und - wie eine meiner Kolleginnen - hier später als wissenschaftliche Hilfskraft anfangen."

Quelle: RP
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