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Wesel
Wohnungen für Flüchtlingsfamilien

Wesel: Wohnungen für Flüchtlingsfamilien
Im Weseler Asylbewerberheim lebt die vierköpfige Familie von Ibrahim Faliov (Mitte) auf 16 Quadratmeter. Er selbst wohnt bislang noch in Ringenberg. FOTO: Malz
Wesel. Im Sozialausschuss gibt die Verwaltung einen Überblick über die Situation der rund 400 Asylbewerber in der Stadt. Viele von ihnen leben nicht mehr im Heim, sondern in Mietwohnungen. Neue Seiteneinsteigerklasse in Blumenkamp. Von Klaus Nikolei

Ibrahim Facliov sehnt den Tag herbei, an dem er und eine Familie wieder vereint sind. Endlich, in dieser Woche soll es so weit sein. Dann ziehen der 40-jährige Mazedonier, seine Frau und die drei Kinder (vier, 13 und 15 Jahre alt) in eine Wohnung mit drei Zimmern, Küche und Bad an der Kompturstraße in der Weseler Innenstadt. Seit Ende Februar hat er allein im Ringenberger Asylbewerberheim gewohnt, Frau und Kinder auf 16 Quadratmetern im Weseler Asylbewerberheim an der Fluthgrafstraße. "Die Wohnung ist schön, nur die Möbel sind nicht mehr zu gebrauchen", sagt er in gebrochenem Deutsch und hofft auf die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe, die nach Kräften mit gespendetem Mobiliar dafür sorgen wollen, dass die Asylbewerberfamilie in ihrem vorläufigen neuen Zuhause wenigsten das Nötigste vorfindet.

Die Facilovs gehören zu den neun Familien, die aktuell noch im Flüchtlingswohnheim leben und auf dem Sprung in eine von der Stadt finanzierten Mietwohnung sind. Vor ihnen ist das bereits 85 Familien mit insgesamt 311 Personen gelungen.

Dass die zur Zeit mehr als 400 Flüchtlinge in der Kreisstadt möglichst schnell das Asylbewerberheim verlassen, ist ganz im Sinne der Verwaltung, die gleich zwei Ziele damit verfolgt, wie Sozialdezernent Daniel Kunstleben im RP-Gespräch erklärt. "Es geht zum einen um die Wahrung des sozialen Friedens. Die Vorfälle aus anderen Städten bestätigen uns in unserem Tun. Und zum anderen wissen wir nicht, wie viele Asylbewerber uns noch zugewiesen werden. Deshalb müssen wir versuchen, möglichst viele der knapp 70 Plätze im Asylbewerberheim frei zu halten."

Im Sozialausschuss, der morgen um 16.30 Uhr im Ratssaal tagt, wird Kunstleben im Detail zur aktuellen Situation der Flüchtling berichten. Und darüber, dass durch die Zunahme der Antragsteller (Ende 2013: 200; aktuell 410) auch die Kosten steigen. Auf die von der Politik in Berlin und Düsseldorf angekündigte spürbare finanzielle Unterstützung wartet er bislang vergeblich.

Im Ausschuss wird sicherlich auch auf die Situation der Flüchtlingskinder eingegangen. Die sind bisweilen traumatisiert und verstehen in aller Regel bei ihrer Ankunft kein Wort Deutsch. Eine Herausforderung gerade für die Mitarbeiter in Kindergärten und vor allem in den Schulen. In sogenannten Seiteneinsteigerklassen werden diese Kinder und Jugendlichen derzeit in der Innenstadt-Grundschule an der Böhlstraße (29 Kinder), der Realschule-Mitte (15 Mädchen und Jungen; fünf Plätze sind noch frei) und der Hauptschule Martini (23) speziell gefördert.

Um die Innenstadt-Grundschule zu entlasten, wird demnächst auch in der Blumenkamper Grundschule eine Seiteneinsteigerklasse gegründet. Die dafür nötigen Räume sind da, Schulleiterin Heike Romanski gerne bereit, den Kindern zu helfen. Mit einem Kleinbus sollen voraussichtlich ab Mai maximal 20 Kinder aus Flüren, der Feldmark und der Innenstadt nach Blumenkamp transportiert werden.

Quelle: RP
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