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Wesel
Womit Apotheken vor Ort punkten

Wesel: Womit Apotheken vor Ort punkten
Die Zahl der Verbraucher, die Pillen und Salben im Internet bestellen, steigt - echte Sorgen macht sich Michael Jilek, Apothekersprecher, aber dennoch nicht. Apotheker vor Ort können individuell beraten und wenn nötig auch das richtige Produkt herstellen. FOTO: Malz Ekkehart
Wesel. Michael Jilek, Sprecher der Weseler Apotheker, hat keine echte Sorge vor der Konkurrenz aus dem Netz. Immer häufiger müssen er und seine Kollegen Medikamente vor Ort herstellen, die die Industrie nicht liefern kann. Von Klaus Nikolei

Vor allem ältere Menschen, die mit dem Internet wenig oder gar nichts anfangen können, machen sich vermehrt Gedanken, ob ihre "Apotheke um die Ecke" dem wachsenden Konkurrenzkampf gewachsen sind und dauerhaft erhalten bleiben. Denn die Zahl der - jüngeren - Verbraucher, die Pillen, Salben und Säfte in vermeintlich billigen Online-Apotheken bestellen, steigt.

Der Büdericher Michael Jilek, Sprecher der Weseler Apotheker, weiß natürlich, dass der Wettbewerb immer härter wird. Gleichwohl bleibt der 65-Jährige, der seit genau 40 Jahren die Apotheke an der Pastor-Bergmann-Straße betreibt, gelassen. Denn: "Immer öfter wird unsere Apothekerkunst gefragt, weil Ärzte spezielle Medikamente verordnen, die die Industrie nicht liefern kann und die nur wir herstellen können."

Doch was sind das für Arzneimittel, die in seiner Apotheke individuell zusammengemixt werden. "Beispielsweise", erklärt Michael Jilek, "Mundspülungen für Krebspatienten. Deren Schleimhäute sind durch die Chemotherapie oft stark gereizt. Die Wirkstoffe, die der Arzt verschreibt, haben eine betäubende Wirkung und dienen der Wundbehandlung."

Wer glaubt, dass Jilek und seine Mitarbeiterinnen einfach das Rezept zur Hand nehmen und die vom Arzt aufgeschriebenen Substanzen nur kurz vermischen müssen, der irrt. "Wir müssen im Rahmen der Plausibilitätsprüfung schauen, ob sich die Wirkstoffe, die wir im Großhandel bestellen, miteinander vertragen. Alles muss dann in unserem Labor geprüft werden." Und zwar immer von zwei Fachkräften gleichzeitig. "Es gilt das Vier-Augen-Prinzip. Außerdem muss alles protokolliert werden", sagt Jilek. Dass die Herstellung eines gestimmten Präparates schon mal bis zu eineinhalb Stunden dauert, wundert einen da nicht. Verwunderlich ist hingegen die Vergütung. Die liegt in aller Regel bei fünf Euro. Fast unglaublich. "Tja", sagt Jilek und lacht. "Das gehört nun mal zu den staatlich festgelegten Aufgaben der Apotheker. Aber natürlich ist das finanziell ein Desaster." Um erfolgreich wirtschaften zu können, ist also eine vernünftige Mischkalkulation notwendig.

Auf die Frage, warum denn die Zahl der Rezepte, die individuell gefertigt werden müssen, seit Jahren steigen, sagt Jilek: "Die Diagnosen der Ärzte werden immer besser und genauer. Auch erhalten wir immer mehr Aufträge von Krankenhäusern, die Krebspatienten behandeln."

Für Michael Jilek, der in Wesel als Sprachrohr von gut 20 Kollegen fungiert, steht fest, dass es auch in Zeiten des boomenden Internethandels ohne die Apotheken vor Ort auch künftig nicht gehen wird. "Denn die hohe Investition an Zeit und Geld in die Fortbildung ist das wichtige Plus für die Kunden."

Er selbst denkt übrigens noch lange nicht ans Aufhören, auch wenn die meisten seiner Alterkollegen längst im Ruhestand sind. "Das Feuer brennt noch", sagt er lachend. Und Freude am Beruf hält bekanntlich jung.

Quelle: RP
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