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Wesel
Wut am Grab: Blumenschale gestohlen

Wesel: Wut am Grab: Blumenschale gestohlen
Die Schale in Birkenoptik war mit Herbstblumen gepflanzt. FOTO: Nikolei
Wesel. Diebe machen vor nichts mehr Halt: Ursula und Günter Berckmann aus Wesel beklagen fehlende Kontrollen auf dem Friedhof Am Langen Reck in Obrighoven. Eine liebevoll bepflanzte Schale vom Grab der Tochter wurde entwendet. Von Klaus Nikolei

Ursula und Günter Berckmann geht es derzeit nicht besonders gut. Traurig sind die Eheleute aus Wesel, entsetzt und wütend zugleich. Denn bislang unbekannte Täter haben eine von ihnen liebevoll bepflanzte Schale vom Grab ihrer vor mehr als 20 Jahren verstorbenen Tochter auf dem Friedhof Am Langen Reck gestohlen. Es ist nicht in erster Linie der materielle Schaden, den das Ehepaar schmerzt, sondern das Gefühl der Machtlosigkeit.

"Wir können diese Tat nicht begreifen. Wer tut so etwas? Was ist nur los mit diesen Leuten?" Günter Berckmann ringt nach Fassung. Neben ihm steht seine Frau an dem gepflegten Familiengrab mit den vier Stelen. Vor gut vier Wochen hatten sie hier eine Schale in Birkenholzoptik abgestellt und sind danach drei Wochen lang in Urlaub gefahren. Kurz nach ihrer Heimkehr entdeckten sie dann den Diebstahl. Bei der Polizei hat sich das Ehepaar bislang noch nicht gemeldet.

Ursula und Günter Berckmann sind fassungslos: Während ihres Urlaubs in Frankreich haben Unbekannte vom Grab ihrer Tochter die Pflanzschale gestohlen. Beide fragen sich: "Was sind das für Menschen? Wer tut so etwas?" FOTO: Nikolei

"Das sollte man aber unbedingt tun", sagt Friedhofsmeister Thorsten Lacks. Der Mitarbeiter des städtischen Betriebs ASG kann die Enttäuschung der beiden Senioren sehr gut nachvollziehen. "Es ist der Verlust der ideellen Werte, der so schmerzt", sagt er. Immer wieder komme es vor, dass Blumenvasen und Grablichter gestohlen würden und die Angehörigen sich bei der Friedhofsverwaltung melden. "Das Diebesgut ist meist aus Bronze und wird dann verkauft", weiß er aus langjähriger Erfahrung. Blumenschalen als Beute seien bislang eher die Ausnahme.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass die Eheleute Berckmann Opfer von Diebstahl und Vandalismus geworden sind. Kurz nach der Beisetzung ihrer Tochter hatte Ursula Berckmann eine Vase getöpfert, die wenige Tage später von Unbekannten zerstört worden war. Gestecke abends vor einem Feiertag auf das Grab zu legen, kommt für die beiden nicht mehr in Frage. "Es ist kaum zu fassen: Da werden Gestecke gestohlen und einfach auf die Gräber von eigenen Angehörigen gelegt", sagt Günter Berckmann.

Friedhofsmeister Thorsten Lacks kann den Ärger der Angehörigen verstehen. FOTO: Klaus Nikolei

Für Thorsten Lacks und seine Mitarbeiter ist es praktisch unmöglich, Täter auf frischer Tat zu ertappen. Denn: "Woher soll man wissen, ob jemand ein Angehöriger oder ein Dieb ist? Nur in begründeten Verdachtsmomenten sprechen wir die Leute an." Dass die Zahl der Diebstähle sinken würde, wenn der Friedhof nachts abgeschlossen wäre, glaubt er nicht. "Wer so viel kriminelle Energie hat, der steigt auch über Zäune. Außerdem darf sich nach 21 Uhr beziehungsweise nach Einbruch der Dunkelheit niemand mehr auf dem Friedhof aufhalten", sagt Lacks. Wobei ihm klar ist, dass sich natürlich nicht jeder an diese Vorschrift hält. Auch einige Hundebesitzer halten sich nicht an Regeln, wenn sie ihre Tiere ohne oder an einer viel zu langen Leine laufen lassen. Die Folge: Die Vierbeiner erledigen ihr Geschäft auch auf Gräbern. Mit Konsequenzen müssen diese rücksichtslosen Zeitgenossen kaum rechnen. Dafür fehlt das Personal. "Die Sache mit dem Hundekot ist ekelhaft. Aber leider macht niemand etwas dagegen", sagt Ursula Berckmann. Weil sie und ihr Mann insgeheim hoffen, dass am Ende die Stadtwacht oder auch die Polizei vielleicht mehr Präsenz zeigen auf dem Friedhofsgelände, werden sie Anzeige erstatten.

Quelle: RP
 
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