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Thomas Holtkamp
"Zug endet diesmal am Berliner Tor"

Thomas Holtkamp: "Zug endet diesmal am Berliner Tor"
Die Jecken hoffen auf gutes Wetter an Rosenmontag. Vor allem auch am Ende, denn der Abschluss findet diesmal nicht in der warmen Niederrheinhalle statt, sondern am Berliner Tor. Ob dort ein Zelt aufgebaut wird, ist fraglich. FOTO: Malz
Wesel. Der Präsident des Carnevals-Ausschusses Wesel spricht im RP-Interview unter anderem über das Problem, die Weseler für die Sitzungen der Karnevalsvereine zu begeistern und beklagt, dass erneut ein NRW-Minister den Eselorden erhält.

WESEL Mit dem ausverkauften Prinzentreffen auf der MS Riverdream ist dem Carnevals-Ausschuss Wesel (CAW) um Präsident Thomas Holtkamp ein guter Start ins neue Jahr und in die vergleichsweise kurze Session geglückt. Die erfährt ihren Höhepunkt mit dem Rosenmontagszug am 8. Februar. Über Neuerungen im Zusammenhang mit dem Zug, über Probleme, genügend Gäste zu den Sitzungen zu locken und echte Zugpferde für die Eselordenverleihung zu bekommen, sprach die RP mit dem CAW-Chef.

FOTO: Malz, Ekkehart (ema)

Glückwunsch, Herr Holtkamp, zum gelungenen Prinzentreffen. Aber ist es nicht seltsam, dass vergleichsweise wenige Weseler Karnevalisten mit an Bord waren?

Holtkamp Wir hätten uns auch mehr Teilnehmer aus unseren Vereinen gewünscht. Aber viele Weseler Karnevalisten konzentrieren sich eher auf ihre eigenen Veranstaltungen.

Nicht sonderlich groß ist seit Jahren offenbar auch das Interesse vieler Weseler an den Sitzungen der Vereine. Viel zu oft sind Plätze in den Sälen frei.

Holtkamp Es ist tatsächlich so, dass Vereine, die sich auf Gäste aus dem näheren Umfeld beschränken, Probleme bekommen. Ob es an den Konzepten oder der Öffentlichkeitsarbeit liegt, dazu kann ich wenig sagen. In Wesel scheint es schwieriger zu sein, das Publikum zu motivieren.

Woran liegt das?

Holtkamp Ich habe den Eindruck, dass in Wesel der Gast von Veranstaltungen sagt: "So, jetzt unterhaltet mich mal." Und dann vergleicht er die lokale Sitzung mit dem, was er aus dem Fernsehen kennt, vornehmlich aus Köln. Dabei muss man wissen, dass die TV-Sitzungen geschnitten sind und dort nur das Top-Personal auftritt.

Bei einigen Schützenvereinen gibt es Überlegungen, zu fusionieren beziehungsweise Schützenfeste gemeinsam zu feiern. Wäre das auch für Karnevalsvereine denkbar?

Holtkamp Überlegungen sind tatsächlich da. Aber die Vereine sind vom Charakter und den Veranstaltungen her sehr unterschiedlich. Anders als vielleicht bei den Schützen, die ja zunächst einmal die gleiche Grundstruktur haben. Aber selbst bei den Schützen sind Zusammenschlüsse nicht ganz unproblematisch. Man muss heute einfach mehr tun als an der Kasse zu sitzen und zu warten, dass die Gäste kommen. Kolping beispielsweise haben sich auf die neuen Zeiten eingestellt. Sie haben das Konzept der Veranstaltung geändert und machen einen Werbezug durch die Stadt. Vor zehn oder 15 Jahren war die Sache noch einfacher. Da hat der Pfarrer am Sonntag in der Kirche gesagt: "Wenn ihr nicht zu Kolping geht, dann kommt ihr in die Hölle." Da sind dann alle hingegangen (lacht).

Ebenfalls Probleme hat die Eselordenverleihung. Vor allem dann, wenn kein echter Prominenter auf dem Grautier Platz nimmt, sondern mal wieder ein SPD-Minister.

Holtkamp Das ist noch die am besten besuchte Sitzung in Wesel. Es kämen sicher weniger Leute, wenn der Eintritt nicht frei wäre. Die Vereine beklagen sich schon, dass das närrische Parlament ihnen die Zuschauer wegnehme. Eines ist klar: Das Programm ist gut, vor allem, wenn Künstler von außerhalb mitgebracht werden. So wie einst WDR-Moderator Manfred Breuckmann, der Uwe Lyko alias Herbert Knebel im Schlepptau hatte. Aber es ist natürlich richtig, dass ein Politiker, der einem praktisch nichts sagt, mich auch weniger reizen würde, zur Eselordenverleihung zu kommen. Das alles soll nicht heißen, dass die Weseler nicht an Karneval interessiert sind. Viel wird im privaten Bereich gefeiert. Warum nicht mal mit der Clique zu einer der vielen unterschiedlichen Veranstaltungen gehen, dort mit Freunden ausgelassen feiern und den Abend genießen?

Sessions-Höhepunkt ist der Rosenmontagszug. Gibt es Neuerungen? Und wie sieht's mit den Anmeldungen aus?

Holtkamp Die kommen langsam rein, an den ersten Wagen wird gebaut. Ich denke, wir können das Niveau der vergangenen Jahre halten.

Nochmals die Frage nach Neuerungen.

Holtkamp Anders als zuletzt wird der Zug nicht an der Niederrheinhalle enden, sondern am Berliner Tor, wo eine größere Party steigt. So ähnlich wie früher bei Getränke Weber an der Alten Roßmühlenstraße.

Und die Bekanntgabe der besten Gruppen und Wagen? Wo findet die statt?

Holtkamp Auch am Berliner Tor. Der Abschluss an der Niederrheinhalle war nie als richtig große Feier gedacht. Die war von den Pächtern der Halle dankenswerterweise geöffnet worden, um einen ordentlichen Abschluss des Zuges zu gewährleisten. Das war für manche ein Provisorium und für viele zu weit weg von der Innenstadt.

Und wie lange geht's nach dem Zug am Berliner Tor weiter?

Holtkamp Bisher musste die Party um 16 Uhr beendet sein. Jetzt kann bis 19 oder 20 Uhr bei guter Musik und gepflegter Gastronomie gefeiert werden.

Und wenn es regnen oder schneien sollte an Rosenmontag? Gibt es dann am Berliner Tor vielleicht ein Zelt?

Holtkamp Es gibt Überlegungen, ein Zelt zu organisieren. Aber unter anderem aus Kostengründen hat das bisher nicht funktioniert. Wir gehen mal davon aus, dass an Rosenmontag das Wetter einfach richtig gut ist.

KLAUS NIKOLEI FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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