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Hamminkeln
Zusammen ist man weniger allein

Hamminkeln. In dem Mehrgenerationenhaus des Vereins In Gemeinschaft leben und wohnen in Hamminkeln, wächst eine Gemeinschaft heran. Die Mieter sind miteinander verbunden - und teilen ihr Leben. Von Klaus Nikolei

Ute Meyers Reich ist 48 Quadratmeter groß: ein gemütlich eingerichtetes Wohn-Esszimmer mit offener Küche und Balkon, ein Schlafzimmer, ein schickes Bad mit ebenerdiger Dusche. "Ich fühle mich hier so richtig wohl", sagt die 58 Jahre alte Frührentnerin, die vor einigen Monaten aus Mülheim an der Ruhr nach Hamminkeln in das InGe-Vorzeigeobjekt am Friedhofsweg gezogen ist. Hinter InGe verbirgt sich der Verein In Gemeinschaft leben und wohnen am Niederrhein. Dem ist es nach mehrjähriger Planungszeit endlich gelungen, für gut 2,5 Millionen Euro ein barrierefreies Mehrparteienhaus errichten zu lassen, in dem mehrere Generationen gemeinsam unter einem Dach leben.

Es ist nicht allein der Schnitt der Wohnung, der schöne Blick in Richtung Evangelischer Kirche, die Nähe zum Ortszentrum und der Aufzug, der Ute Meyer begeistert. Es ist für sie in erster Linie das Gefühl der Gemeinschaft, der sie aufblühen lässt. Die Gewissheit, dass hier alle Mieter miteinander verbunden sind und ihr Leben in einer gewissen Art und Weise miteinander teilen. "Ich brauche diese Form der Gemeinschaft, den Austausch. Und genau das finde ich hier."

Nach dem Tod ihres Mannes hat die ehemalige Krankenschwester lange Zeit mit ihren Schwiegereltern zusammen in Mülheim unter einem Dach gelebt. Als diese jetzt pflegebedürftig wurden und in die Nähe der Tochter gezogen sind, hat Ute Meyer bundesweit nach einem Wohnprojekt Ausschau gehalten und von einer Freundin aus Wesel von InGe gehört. Von den 16 Wohnungen, von denen die ersten im September bezogen wurden, ist nur noch eine frei. Eine weitere, die von allen Mietern genutzt werden kann, ist noch nicht fertig eingerichtet. Sie verfügt über einen großen Gemeinschaftsraum, in dem sich die Bewohner - unter anderem eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, mehrere Singles mit unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten und vier Paaren der Generation 60 minus beziehungsweise 60 plus - gelegentlich treffen, feiern, spielen. Und es gibt auch ein Zimmer für Übernachtungsgäste.

Alle Bewohner sind natürlich Vereinsmitglieder. Praktisch von der ersten Stunde an dabei ist Dagmar Brützel (76). Die pensionierte Lehrerin hat zweifelsohne eine der schönsten Wohnung bezogen. Dritte Etage, große Fenster, großer Balkon, Blick auf den Kirchturm. Elf Euro pro Quadratmeter zahlt sie warm.

Auf den ersten Blick nicht gerade billig. "Aber es handelt sich hier fast um ein Passivhaus. Da kommen nicht mehr viele Nebenkosten dazu", sagt Dagmar Brützel, die ihr Haus verkauft und ihre neue Mietwohnung mit alten und neuen Möbeln geschmackvoll eingerichtet hat. Hier fühlt sie sich wohl. "Auch wenn die Gemeinschaft noch wachsen muss", wie sie sagt.

Dass das passieren wird, daran hat die jüngst neu gewählte Vereinsvorsitzende Hanne Eckhardt aus Wesel keinen Zweifel. "Wir unternehmen auch viel mit den Vereinsmitgliedern, machen Touren und haben im Vorfeld ähnliche Projekte in der Region besucht. Und am 11. März wird es eine Eröffnungsfeier geben."

Eckhardt hofft inständig, in den nächsten Jahren ein ähnliches Projekt auch in Wesel realisieren zu können. Grob ins Auge hat der Verein ein Grundstück in unmittelbarer Nähe der Innenstadt gefasst. Und zwar das, auf dem aktuell noch die leere Ellen-Key-Schule steht. Völlig unklar ist allerdings, ob das Schulgebäude wirklich abgerissen wird und man einen Investor findet, der einen Neubau nach Wünsche von InGe im Bereich Lipperheystraße/Brüner-Tor-Platz errichtet. Doch das ist Zukunftsmusik.

Wer sich aber für ein Leben in Gemeinschaft interessiert, der sollte nach Überzeugung von Dagmar Brützel vor allem eine Eigenschaft mitbringen: "Offen sein für Neues. Auch wenn es nicht immer leicht ist, loszulassen."

Quelle: RP
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