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Wesel
Zuschauer (18) verprügelt Trainer: Gericht verhängt vier Wochen Arrest

Wesel. Das Amtsgericht hat einen Weseler verurteilt. Der junge Mann hatte einem Jugendtrainer der Viktoria nach einem Spiel beim PSV das Nasenbein gebrochen. Von Fiona Kalberg und Annika Fabek

Es ist ein Fall mit einer Vorgeschichte - und für einen 18-jährigen Weseler mit gravierenden Folgen: Nach Ende des Fußballspiels PSV Wesel II gegen Viktoria Wesel in der der A-Junioren-Kreisklasse kam es Mitte Oktober 2017 zu einem unliebsamen Zwischenfall: Unmittelbar nach dem Abpfiff stürmte ein 18-jähriger Zuschauer auf den Co-Trainer der Viktoria zu, verpasste diesem einen Faustschlag ins Gesicht und verletzte den 29-Jährigen so schwer, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert und operiert werden musste. Der 18-Jährige hatte ihm das Nasenbein gebrochen.

Jetzt musste sich der einschlägig vorbestrafte Weseler vor dem Amtsgericht verantworten und wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Dauerarrest von vier Wochen verurteilt. Wenngleich bereits volljährig, wurde bei ihm Jugendstrafrecht angewendet. "Bei dem Angeklagten liegt eine offensichtliche Reifeverzögerung vor", erklärte die Richterin vor der Urteilsverkündung.

Scheinbar völlig unvorbereitet traf die Attacke den 29-jährigen Trainer im Herbst vergangenen Jahres. "Ich habe den Angeklagten auf dem Platz zum ersten Mal in meinem Leben gesehen", berichtete er im Zeugenstand. Im Verlauf der Verhandlung wurde deutlich, dass es zu der Tat eine Vorgeschichte gibt. Wenige Wochen zuvor, auf der Kirmes des PPP-Stadtfestes, war es zu einer Prügelei zwischen dem jüngeren Bruder des Trainers und dem 18-jährigen Schüler gekommen. Eifersucht sei der Grund gewesen, gab der Angeklagte auf Rückfrage der Richterin zu Protokoll. Die Polizei wurde allerdings nicht auf den Kirmesplatz am Rhein gerufen.

Die Geschichte, die der Angeklagten anschließend erzählte, sorgte bei der Richterin und der Vertreterin der Staatsanwaltschaft für große Verwunderung. Noch am Abend er Kirmes wurde der Angeklagte von einem Freund angerufen. Dieser erzählte ihm, dass der 29-jährige Trainer mit zehn weiteren "Jungs" auf der Suche nach ihm sei, um seinen jüngeren Bruder zu rächen. "Die wollten uns schlagen", vermutete der 18-Jährige. Da er mit seinen Freunden in der Unterzahl war, beschloss er, der Schlägerei an diesem Tag aus dem Weg zu gehen.

Erst Mitte Oktober fuhr er dann mit vier Kumpanen zur PSV-Anlage am Molkereiweg. "Ich habe gewusst, dass er dort ist. Die hätten mich irgendwann sowieso gefunden, deshalb wollte ich ihn dort zur Rede stellen", versuchte der Angeklagte die Beweggründe seiner Tat in Worte zu fassen. Weder die Richterin, noch der Jugendgerichtshelfer konnten fassen, dass sich der 18-Jährige in seiner Angst, womöglich verprügelt zu werden, nicht an die Polizei gewandt hatte. "Das ist ja wie im Wilden Westen", beschrieb der Jugendgerichtshelfer die Situation.

Nach Abpfiff der Partie folgten der 18-Jährige und seine Freunde dem Co-Trainer in Richtung Kabine. Es kam zu einem kurzen Wortwechsel, dann schlug der Täter unvermittelt auf den 29-Jährigen ein. Sein Team reagierte entsetzt. Als jemand nach der Polizei rief, floh die fünfköpfige Gruppe. Das Opfer wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Auch mehr als ein halbes Jahr nach der Tat zeigte der Täter keine Reue. "Was soll ich denn noch sagen?", fragte er. Er habe doch schon alles gesagt. "Eine Entschuldigung wäre angebracht gewesen", sagte die Richterin und betonte: "Selbstjustiz ist keine Option." Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft redete dem Angeklagten ins Gewissen: "Wenn Sie so weitermachen, wandern Sie für mehrere Monate in den Knast." Der Jugendgerichtshelfer meinte vor der Urteilsverkündung: "Man kann jetzt nur hoffen, dass er begreift, dass man Konflikte nicht mit Gewalt regeln kann." Wortlos verließ der 18-Jährige nach der Urteilsverkündung den Saal des Amtsgerichts.

Quelle: RP