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Wesel/Hamminkeln
Zwei Clowninnen wie im Stummfilm

Wesel/Hamminkeln. Das Duo "Buschbohne" lieferte im Weseler Scala das witzige bis hintergründige Stück "Ja, Nein, Vielleicht". Von Thomas Hesse

Zwei Jahre dauerte es von der ersten Projektskizze bis zum Tag, an dem das Duo "Buschbohne" mit ihrem einmaligen Experiment, Clownerie und Bühnenkino nach Stummfilm-Art zu verbinden, auf die Bühne brachte. Noch ein paar Stunden vor der ersten Urauführung, die die Weseler Kulturspielstätte Scala je erlebt hat, hatte es an der Technik gehakt, und die Nervosität stieg. Doch die beherzte Truppe der Helfer und die beiden Clowninen Katja Gierke aus Brünen sowie ihrer Duopartnerin Bettina Fröhlich-Burkamp überwanden alle Schwierigkeiten und servierten einen runden, unterhaltsamen und erfolgreichen Abend. "Ja, Nein, Vielleicht" hieß das Stück, das als "humoreskes Bühnenkino" an passender Stelle, nämlich im alten Kino an der Wilhelmstraße, die Herzen der Zuschauer eroberte.

In ihrem zweiten Leben ist die Brüner Apothekerin staatlich geprüfte Clownin. In Hannover hat sie an einer entsprechenden Schule gelernt, durchs Clownsleben zu stapfen. Dort hat sie auch ihre Duopartnerin Bettina Fröhlich-Burkamp kennengelernt, beide frönen dem übertriebenen bis deftigen Auftritt, dem Obsiegen und Scheitern mit sehr großer Gestik in munteren Abenteuern. Im Scala schwammen sie durchs Publikum auf die Bühne, wo ein durch ein Tau bildlich umgrenztes Floß auf waghalsige Fahrt ging. Bevor das über Lautsprecher plätschernde Wasser davon zog, saßen die beiden Clowninnen auf dem Bühnenboden und blickten aus der Perspektive des Publikums auf eine weiße Leinwand, die nach dem Wechsel zum Bühnenspiel das Segel besagten Floßes hergab.

Als Stummfilm der Schwarz-Weiß-Ära flimmerte die Geschichte von Edgar, der Agnes hinterherschmachtete, und der Angebeteten, die ihm entgegenschmachtete und der er Antrag samt Ehering in einer "Beziehungskiste" zukommen lassen wollte, über die Scala-Leinwand. Die beiden Clowninnen rupfen den Aushang für den Transportauftrag von der pittoresken Schlosswand und schippern los.

Der flüssige Wechsel von Film - professionell gedreht von Kamerafrau Sabine Mayer, sonst für die Rosenheim-Cops im Einsatz - zur Bühnenhandlung war die eigentliche Herausforderung, die in der Inszenierung unmerklich bewältigt wurde.

Die Clowninnen setzten den Stummfilm in einer Dick & Doof-Adaption live fort. Gespickt mit humorvollen Ideen und mit Hilfe der Wind ins Segel pustenden Zuschauer, aber gebremst von der Neugier, die Beziehungskiste verbotenerweise zu öffnen, erreichte das Floß das Schloss. Ende gut, alles gut, auch für Katja Gierke und Bettina Fröhlich-Burkamp. Beide harmonierten erstklassig, waren ausdrucksstark und überspielten in dynamischer Manier auch kleinere Brüche in der Handlung.

Quelle: RP
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