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Wesel/Kamp-Lintfort
Zwei Kreispolitiker diskutieren über den Wähler

Wesel/Kamp-Lintfort. Ein Text des SPD-Abgeordneten Schneider wurde zum viralen Hit bei Facebook, gestern konterte die CDU-Abgeordnete Sabine Weiss. Von Sebastian Peters

Die Wahl in NRW ist gelaufen - die Debatten hören nicht auf, aber sie werden kultivierter. Mit einem besonderen Text in seinem privaten Politikerblog hat der SPD-Landtagsabgeordnete René Schneider aus Kamp-Lintfort in dieser Woche für Aufsehen gesorgt. "Ein Wahlkampf, der mich verändert hat", hat Schneider das Stück überschrieben. Sein Text war ein viraler Hit: Vielfach wurde er bei Facebook geteilt. Sabine Weiss, CDU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Wesel I, hat sich jetzt Gedanken über die Worte Schneiders gemacht - und gestern eine Replik als Offenen Brief veröffentlicht. Darin versucht sie Schneider in seiner Kernthese zu widerlegen.

"Wir verstehen uns nicht mehr", hatte Schneider, der seinen Wahlkreis trotz der SPD-Schlappe erneut direkt geholt hat, geschrieben und berichtet, dass sich ein Gefühl in ihm breitgemacht habe, als gebe es eine "unsichtbare Schranke zwischen mir und den Menschen, denen ich auf Märkten und Plätzen begegnet bin". Es sei ein grundsätzliches Unverständnis. "Weil wir Politiker in unseren Filterblasen nicht mehr spüren, worum es dem anderen tatsächlich geht", erklärt er. Schneider setzt sich in diesem Text mit der Beziehung von Politiker und Wähler auseinander und endet mit der Feststellung, dass sich beide voneinander entfernt hätten und es mehr direkten Bürgerkontakt benötige. "Ich will raus aus meiner eigenen Filterblase und möglichst viele andere zum Platzen bringen."

Sabine Weiss antwortete gestern, dass sie Schneiders These, dass sich Wähler und Politiker nicht verstehen, für falsch halte. Sie glaubt, dass der SPD-Politiker seinen Text aus einem Frust über die für die SPD desaströs verlaufene Wahl geschrieben habe: "Die Bürger verstehen uns sehr gut. Und sie haben bei dieser Landtagswahl und bei den Wahlen davor immer richtig entschieden, auch wenn uns das vielleicht nicht immer passt. Die Bürger, die ich treffe und spreche, sind mündig, kontaktfreudig, gut informiert. Und sie gehen auf uns zu. Sie sind offen für Gespräche mit Politikern und der Politik gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen - auch wenn man zwangsläufig nicht immer der gleichen Meinung ist", schreibt Weiss. Ihre These: Schneider hat sich den Frust von der Seele geschrieben, dass die Wählerinnen und Wähler nicht genau verstanden haben, was SPD und Grüne im Wahlkampf an Themen geäußert haben. An Schneider gerichtet schreibt sie: "Es ist wohlfeil, im gleichen Atemzug die gesamte Politik mit in den Generalverdacht zu nehmen, und zu behaupten, dass wir alle nicht mehr wissen, was die Menschen denken. Das weise ich auch im Namen der vielen hundert Ehrenamtlichen zurück. Politiker sind nicht ,die da oben', sondern ganz viele engagierte Menschen, die in den Kommunen das Beste für ihre Stadt oder Gemeinde suchen. Ihnen allen gleich mit zu unterstellen, dass ,die Politik' den Kontakt verloren hätte und es eine "unsichtbare Schranke" gibt, ist falsch."

Weiss endet mit dem Satz: "Die Wähler wollen Politiker, die Mut-Texte schreiben - und keine Wut-Texte." Die nächste Antwort Schneiders steht aus.

Quelle: RP
 
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