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Stadt Willich
Ärger ums Altenheim in Neersen

Stadt Willich. Das Rote Kreuz, das längst den Zuschlag für die Einrichtung bekommen hat, möchte das Modul "Seniorenwohnungen" nun doch nicht realisieren. Die Politik ist empört. Womöglich steht nun sogar das ganze Projekt auf der Kippe. Von Marc Schütz

Die Mitglieder des Willicher Sozialausschusses hatten am Dienstagabend Mühe, ihren Ärger im Zaum zu halten. Erst kurz vor der Sitzung hatten die meisten von ihnen das Schreiben des DRK-Landesverbandes Nordrhein zum geplanten Seniorenheim in Neersen zur Kenntnis genommen. Darin teilt das Rote Kreuz mit, dass es das Modul "Seniorenwohnen" nicht realisieren will. Steht jetzt womöglich das gesamte Seniorenheim auf der Kippe?

Die Ausschreibung des Projektes, auf die sich das DRK beworben hatte und für das es von der Politik im vergangenen Jahr den Zuschlag erhielt, beinhaltete neben 44 stationären Dauerpflegeplätzen, einer Tagespflege mit zwölf Plätzen sowie elf Kurzzeitpflegeplätzen auch öffentlich gefördertes Wohnen für Senioren. Wenn das DRK das Projekt nun ohne das Modul "Seniorenwohnen" umsetzen will, muss die Politik zustimmen. Doch das wollten die Mitglieder des Sozialausschusses dem Rat nicht einfach so empfehlen - es besteht noch erheblicher Beratungsbedarf.

Das Dilemma: Stimmt die Politik dem Wunsch des DRK nicht zu, beginnt die Suche nach einem Betreiber des Seniorenheims womöglich ganz von vorn. Und bereits bei der letzten Ausschreibung standen die Interessenten nicht gerade Schlange - das Rote Kreuz war der letzte Betreiber, der noch übrig war. Die Diskussion über eine Senioreneinrichtung in Willichs kleinstem Stadtteil zieht sich bereits seit Jahrzehnten hin.

Dem Ausschussvorsitzenden Dietmar Winkels (SPD) war seine schlechte Laune wegen des Schreibens schon vor der Sitzung anzumerken, und auch Dieter Lambertz (CDU) hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Ihn ärgerte die Behauptung von Ramin Feriduni, Referatsleiter Alten- und Behindertenhilfe beim DRK Nordrhein, er habe die Mitglieder des Sozialausschusses bereits in der Sitzung am 27. April über die "einstweilige Zurückstellung des Seniorenwohnens" informiert. "Daran kann ich mich nicht erinnern", sagte Lambertz. Erst danach habe das DRK angedeutet, dass es das Gebäude für das Seniorenwohnen erst zu einem späteren Zeitpunkt bauen wolle. Davon, dass dieses Modul gar nicht realisiert werden soll, habe er erst vor der Sitzung am Dienstag erfahren, so Lambertz.

In der Tat hatte im April noch alles sehr positiv geklungen: Feriduni hatte seine Zuversicht geäußert, dass der Baubeginn des Seniorenheims Anfang bis Mitte 2017 sein werde. Und er hatte verkündet, dass die seinerzeit bei der Präsentation des Projektes geäußerten Wünsche der Politik aufgenommen wurden. So werde die Tagespflege nun statt in der ersten Etage im Erdgeschoss untergebracht, es werde eine Cafeteria geben, die auch für Außenstehende zugänglich ist, sodass Neersen einen weiteren Treffpunkt hat, und im Außengelände solle es einen Sinnesgarten vor allem für Bewohner mit Demenz geben.

Zu den Gründen, wieso das Seniorenwohnen allerdings nicht realisiert werden soll, teilt das DRK in seinem Schreiben vom 6. Juni nichts mit. Auch auf Nachfrage der RP wollte Ramin Feriduni dazu nichts sagen. Das sei Sache des Vorstands, der sich in den kommenden Tagen äußern wolle.

"Das ist alles andere als erbaulich", sagte auch Dr. Sarah Bünstorf (SPD). "Das Wohnen war Gegenstand der Ausschreibung, auf die sich das DRK beworben hat. Wir müssen jetzt erst mal schlucken und den neuen Sachstand verdauen. Das DRK hat offensichtlich eine andere Sicht der Dinge: "Das Modul hatten wir im Rahmen der Ausschreibung als fakultatives Angebot angesehen."

Deutlicher wurde Merlin Praetor (Grüne): "War das ein abgekartetes Spiel, oder spielt man die Unschuld vom Lande?" Jedenfalls werde seitens des DRK offensichtlich gezockt. Als sich die Ausschussmitglieder in Rage geredet hatten, stellte Mirjam Hufschmidt (SPD) den Antrag, lieber unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiter zu diskutieren. Nach einer Dreiviertelstunde weiterer Beratung hinter verschlossenen Türen wurde dann beschlossen, zunächst in den Fraktionen zu beraten und dann in der Ratssitzung am 7. Juli zu entscheiden.

Quelle: RP
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