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Stadt Willich
Alina Kamps macht Abi mit Traumnote 1,0

Alina Kamps macht Abitur mit Traumnote 1,0
Alina Kamps ist auch sportlich: Vor einiger Zeit hat sie bei den U-16-Juniorinnen von Borussia Mönchengladbach gespielt. FOTO: Achim Hüskes
Stadt Willich. Die 18-Jährige erhielt jetzt am Schiefbahner St.-Bernhard-Gymnasium ihr Abitur-Zeugnis. Nun möchte sie Medizin oder Psychologie studieren. Auf welches Fach die Wahl schließlich fallen wird, entscheidet womöglich eine Münze. Von Willi Schöfer

"Einige haben mich früher für eine Art Barbie-Puppe gehalten und mir nichts zugetraut", sagt Alina Kamps und lacht. Die zierliche Blondine hat schon so manche überrascht. Zuletzt war die 18-Jährige bei der Ausgabe der Abiturzeugnisse im Schiefbahner St.-Bernhard-Gymnasium aufgefallen. Denn sie schaffte unter den insgesamt 145 Abiturienten die Traumnote 1,0 - wie Alexander Bonkowski bei den jungen Männern.

"Ich wollte unbedingt gut abschneiden, hatte mit einer 1,3 gerechnet", plaudert sie munter drauflos. Aber auch die schriftlichen Abschlussarbeiten seien gut gelaufen. Seit der Grundschule träume sie davon, Ärztin zu werden. Erst war es Tierärztin, dann ein Allgemeinmediziner oder eine Kinderärztin - und jetzt: "Jetzt müsste es eigentlich ein Bergdoktor sein, weil der noch genügend Zeit für die Patienten hat."

Und da es bei der Medizin einen strengen Numerus Clausus gibt, hat Alina Kamps, die von der Astrid-Lindgren-Grundschule zum St.- Bernhard-Gymnasium kam, in der Schule immer gut zugehört und mitgearbeitet. In ihrem Abitur-Zeugnis hatte es sogar in den Fächern Latein, Deutsch und Sozialwissenschaften jeweils die Höchstpunktzahl 15 gegeben, was der Note "1+" entspricht.

Außerdem bekam sie 15 Punkte in Psychologie. Die Lehre von der Seele, dem Erleben und Verhalten der Menschen fasziniert sie seit Langem - im Gegensatz zur Physik oder Chemie. "Ich lerne am besten, wenn ich dies alles anhand von praktischen Beispielen auch verstehe", erzählt sie. Dazu fällt ihr aus ihrem Lieblingsfach spontan die "Systemische Therapie" ein. Und sie nennt sofort ein konkretes Beispiel aus dieser Familientherapie: Eltern stehen kurz vor der Trennung und Scheidung, das Kind wird daraufhin stark verhaltensauffällig, die Eltern bleiben dem Kind zuliebe zusammen. Alina weiter: "Nach außen hin funktioniert das System jetzt wieder, aber nutzt dies wirklich den Betroffenen?" Jedenfalls hat sie die Psychologie so in den Bann gezogen, dass sie derzeit nicht weiß, ob sie ab dem kommenden Wintersemester Medizin oder Psychologie studieren soll. "Vielleicht schmeiße ich eine Münze", meint sie schmunzelnd.

Was noch auffällt: Alina Kamps geht sofort offen auf die Menschen zu und macht nicht den Anschein einer Streberin. Tagsüber verkauft sie derzeit im Dorf zur Aufbesserung ihres Taschengeldes Erdbeeren bei einem Schiefbahner Landwirt. Außerdem ist sie sportlich und gesellig, hat kürzlich beim Schiefbahner Schützenfest ebenso mitgemacht wie noch bis zum vergangenen Jahr in einigen Tanzgruppen der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) Schiefbahn. Und Fußball spielen kann sie auch, hat sogar einige Zeit bei den U-16-Juniorinnen von Borussia Mönchengladbach gespielt. Wie die ganze Familie ist Alina, die keinen Spieltag der Fußball-Bundesliga auslässt, ein Borussen-Fan.

Zur Familie gehören in erster Linie Vater und Agrar-Ingenieur Peter Kamps sowie ihre Mutter Angela. Sie sagt: "Früher wollte ich auch einmal Ärztin werden, aber damals habe ich die Verantwortung gescheut." Die Mutter wurde Krankenschwester, arbeitet seit Langem für einen ambulanten Kinder-Kranken-Pflegedienst. Außerdem gibt es den 20-jährigen Bruder Julian, der gerade an der RWTH Aachen Elektronik studiert und sein Abi mit 1,3 gemacht hatte, sowie die jüngere Schwester Jana (15), die jetzt bald an St. Bernhard in die Stufe zehn kommt. "Jana ist ein Sprachgenie, spricht Französisch, Spanisch und Englisch, will später mal Auslandskorrespondentin oder Schauspielerin werden", sagt die ältere Schwester.

Sollte sie sich für die Medizin entscheiden, will sie auf keinen Fall nur eine streng limitierte Zeit für die Patienten haben. Und ihnen auch erklären, worunter sie leiden und was wirklich mit ihnen geschieht. Sie hat noch einen Krankenhaus-Besuch ihres Opas in Erinnerung, der bei den Visiten die vielen Fachausdrücke der Mediziner überhaupt nicht verstanden hatte. "Auf jeden Fall möchte ich später was mit Kindern machen", meint sie zum Abschluss des Gesprächs.

Quelle: RP
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