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Tönisvorst
Alte Drahtesel erhalten neuen Glanz
Tönisvorst: Alte Drahtesel erhalten neuen Glanz
Hannes (l.) und Florian, Messdiener an St. Cornelius in Tönisvorst, möbeln bei der 72-Stunden-Aktion ein altes Fahrrad wieder auf. FOTO: Achim Hüskes
Tönisvorst. Lackieren, flicken, auseinander schrauben, entrosten – die Ministranten der Pfarre St. Cornelius in St. Tönis haben alle Hände voll zu tun. Bei der bundesweiten 72-Stunden-Aktion der katholischen Jugend möbeln sie alte Fahrräder auf. Von Natascha Becker

"Das ist schon das zweite Loch, das ich gefunden habe", bemerkt Hannes (11), der einen Fahrradschlauch in einem Planschbecken unter Wasser taucht und voller Konzentration beobachtet, wo es sprudelt. "Merk dir die Stellen gut", meint Jonas Diener (16), der gerade einen weiteren Schlauch in das Becken hält. Hinter den beiden ist Geklapper zu hören. Michael (10) und Florian (11) schrauben unter einem Pavillon ein altes Jugendfahrrad auseinander, und der Fahrradständer ist gerade abgefallen. "Was hier noch gut ist, benutzen wir als Ersatzteile", sagt Florian.

Der Garten hinter dem St. Töniser Pfarrhaus hat sich in eine Fahrradwerkstatt verwandelt. Neben zwei Pavillons stehen die Räder dicht an dicht. "Dass wir so viele Fahrräder bekommen würden, hätten wir nicht gedacht. Allein gestern wurden uns 23 Räder gebracht und gerade sind ein paar von uns mit dem Anhänger unterwegs, um weitere Räder abzuholen", erzählt Alina Pasch (16), eine der hauptverantwortlichen Mitorganisatoren.

Bei der 72-Stunden-Aktion sind die Messdiener von St. Cornelius unter die Zweiradmechaniker gegangen. 30 Messdiener im Alter von zehn bis 21 Jahren reparieren und lackieren alte Fahrräder, die sie geschenkt bekommen haben, und verwandeln sie so wieder in funktionstüchtige, schicke Räder. "Wir machen zum ersten Mal bei der Aktion mit. Als wir im Organisationsteam überlegten, was wir machen könnten, hatte einer auf einmal die Idee dieser Fahrradaktion", erinnert sich Jonas, der Vorsitzender der St. Töniser Messdiener.

Und nun ist es so weit. Überall im Pfarrgarten wird an den Rädern gewerkelt, wobei jedes Rad unter seinem Ständer einen Zettel kleben hat, auf dem vermerkt ist, was gemacht werden muss. Ordentlich Bekanntschaft mit dem Schmieröl einer Fahrradkette hat Laurence schon gemacht. Schmutzstreifen zieren nicht nur Gesicht und Hände, sondern auch die Jeans. Den Elfjährigen stört das wenig. Er ist mit Begeisterung bei der Arbeit, die darin besteht, ein Rad auszubauen. Ivonne Thome (21) öffnet derweil die erste Farbdose. "Wir haben die ersten Räder angeschliffen und wollen sie jetzt umlackieren", sagt sie, taucht den Pinsel in die Farbe und verwandelt ein buntes Kinderfahrrad in ein himmelblaues. "Alle Räder werden himmelblau, denn die Aktion heißt ja, uns schickt der Himmel und der ist bekanntlich blau", meint Hannah (11), die gerade ein repariertes Fahrrad putzt.

Während die einen reparieren, streichen und putzen, ist eine nächste Gruppe mit den vorbereiteten Handzetteln unterwegs, die auf die Fahrradversteigerung am Sonntag hinweisen. Dafür, dass die Aktivität bekannt wird, sorgen auch die beiden 14-jährigen Mädchen Juliana und Kristina. Sie bemalen nämlich Bettlaken mit den Aktionsaktivitäten. "Wir wollen sie am Kirchturm aufhängen und hoffen, dass es klappt. Wenn nicht, kommen sie übers Kirchenportal, damit viele sie lesen und zur Versteigerung kommen", sagt Juliana.

Aber bis dahin ist noch viel zu tun. Etliche Räder warten auf ihre Reparatur und Verschönerung, wobei das St. Töniser Fahrradgeschäft Nettelbeck schon zugesagt hat, mit benötigten Ersatzteilen auszuhelfen und die Räder zum Schluss auch auf ihre Funktionstüchtigkeit zu überprüfen. Hilfe gibt es aber auch von vielen weiteren Einzelhändlern, die sich mit Sach- und Geldspenden eingebracht haben. Angefangen von den Brötchen fürs Frühstück bis hin zur Pizza am Abend.

Quelle: RP
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