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Stadt Willich
Altmeisterlich und zeitgenössisch

Stadt Willich: Altmeisterlich und zeitgenössisch
Der Künstler Jan van den Bongard, 1956 in Tegelen in den Niederlanden geboren, hat ein Faible für die Darstellung von Marmor und anderen Steinen. Galerist Dr. Karl Josef Brockmanns (Foto) widmet ihm jetzt eine Einzelausstellung. FOTO: GALERIE
Stadt Willich. Der Niederländer Jan van den Bongard stellt in der Galerie Schageshof aus. Seine Bilder sind geprägt von genauer Beobachtung, Nachdenklichkeit und ein wenig Schwermut. Von Angela Wilms-Adrians

Jan van den Bongard ist hiesigen Kunstinteressierten vertraut - nicht zu zuletzt durch seine wiederholte Zusammenarbeit mit dem Anrather Maler Reinhardt Heinen. Nun zeigt der Niederländer bis zum 1. Juni in der Galerie Schageshof einen Einblick in recht unterschiedliche Facetten seines Schaffens und damit auch bisher unbekannte Seiten.

Dazu zählen die farbintensiven, offensichtlich spontan entstandenen abstrakten Acrylbilder, teilweise ergänzt mit Spachtelmasse. Die temperamentvolle Handschrift kontrastiert mit der Exaktheit der meisten anderen Arbeiten. Zugleich sind auch diese Kompositionen ausgewogen. "Die Leute sind erstaunt über seine handwerklichen Möglichkeiten und fasziniert, dass er so gekonnt mit dem Licht in seinen verschiedensten Facetten umgehen kann", sagt Galerist Dr. Karl-Josef Brockmanns nach den Gesprächen bei der Vernissage in Anrath.

Frontal zum Toreingang sind drei Bilder mit Hausansichten gehängt, in der Detailtreue vordergründig realistisch angelegt und in beinahe drückende Graunuancen getaucht. Feine Lichtqualitäten zelebrieren dennoch im Bild von "Kassel" das Stimmungshafte. Das kleinformatigere Nachbarbild strahlt über den wärmenden Schein eines Fensters Anzeichen von Hoffnung aus.

Für die gegenständliche Gestaltung bevorzugt van den Bongard die Ölmalerei. Auffällig oft hat er sich eine Zeit lang der Darstellung von Marmor gewidmet. Die gehäufte Motivwahl von Grabdenkmälern und Torsi könnte Spiegel einer bedrückenden Lebensphase sein. Perfekt hat der Künstler in dieser Serie die Farbgebung des Steins, die sich darauf entfaltenden Lichter eingefangen und eine sehr plastisch wirkende Ausstrahlung erreicht. In einem dieser Bilder deutet er die Hoffnung begleitend zur Inszenierung des Lichts durch ein Vogelmotiv an. Das Bild "Perspektive", zu sehen in einer der ehemaligen Pferdeboxen, demonstriert, wie auf eine offenbar belastende Zeit ein Wandel zu befreiender Leichtigkeit folgt. Um den tief liegenden Horizont hellt sich die Farbgebung auf. Zitierte Marmormotive scheinen schwerelos zu schweben.

Das Gemälde der "Leserin" gehört zu dem van den Bongard, wie er in der Region vorrangig bekannt ist. Hier schält der Künstler das Licht um das Gesicht und den Oberkörper einer Frauenfigur kontrastierend heraus. Ein aufgeschlagenes Buch wird für die Leserin zur Lichtquelle. Die Szene ist charakteristisch für eine häufig zu beobachtende Symbolik. Beeindruckend gelingt die sinnbildliche Darstellung über das Licht beim Bild "Geist", in dem der Künstler minimalistisch erhellende Akzente setzt - zu sehen auf der oberen Etage. Hier überrascht van den Bongard mit recht unterschiedlichen Wegen: Da sind abstrakte Gemälde, die eine Art Raster bergen. Das Bild der "Hirtin" zum Beispiel reflektiert Elemente der Romantik und zugleich Übergänge von Gegenständlichkeit und Abstraktion. Die Vorbereitungen zur Ausstellung haben dem Künstler offensichtlich gefallen. Denn parallel dazu entstand das jüngste Bild "chilling", das in Motiv und Komposition entspannte Lebensfreude ausstrahlt.

Quelle: RP
 
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