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Stadt Willich
Angsträume per Handy melden

Stadt Willich: Angsträume per Handy melden
Wer Plätze als besonders bedrohlich empfindet (im Bild der Busbahnhof in Viersen), soll diese künftig per Handy-App melden können. Die CDU möchte, dass die Stadt Willich an einem Pilotprojekt teilnimmt. FOTO: Busch
Stadt Willich. Die CDU-Fraktion möchte, dass die Stadt Willich an einem Pilotprojekt teilnimmt. Per Handy-App könnten dann Bürger melden, wenn sie in eine angstauslösende Situation geraten. Die Daten werden anonym erfasst und gesammelt. Von Marc Schütz

Eine App fürs Handy soll nach dem Wunsch der CDU in Willich auf lange Sicht für mehr Sicherheit sorgen: Wer die App installiert hat, kann, wenn er sich in einer Situation befindet, die als angstauslösend empfunden wird, auf den entsprechenden Button drücken - Ort und Zeit werden dann anonym erfasst. Wenn sich viele Bürger beteiligen, deckt die App auf, wo und zu welchen Zeiten es Angsträume gibt. In einem Pilotprojekt wird in der Region demnächst dieser sogenannte Gefahrenmelder getestet. Die CDU-Fraktion im Stadtrat fordert, dass die Stadt Willich als Pilotkommune an dem Projekt teilnimmt. Das wird voraussichtlich 400 bis 600 Euro monatlich kosten.

In einem Brief an Bürgermeister Josef Heyes und die zuständige Beigeordnete Brigitte Schwerdtfeger bittet der Fraktionsvorsitzende Johannes Bäumges, die Teilnahme zu prüfen. "Der Gefahrendetektor sammelt Orte und Situationen, an denen sich Menschen unwohl fühlen. Diese Daten können die Polizei und der Kommunale Ordnungsdienst nutzen, um zukünftig gezielt Präsenz zu zeigen", sagt Stephan Adams, Sachkundiger Bürger.

Die Gefahrenmelder-App hat ein ehemaliger Bundespolizist gemeinsam mit Studenten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf entwickelt, wie der Städte- und Gemeindebund informiert. Zur Erprobung der Anwendung werden derzeit Pilotkommunen gesucht. "Willich ist eine sichere Stadt. Wir möchten, dass das so bleibt und sich die Bürger auch sicher fühlen", sagt Bäumges. Deswegen sei es wichtig zu wissen, wo nachgebessert werden kann. "Gerade im Herbst und Winter wirken dunkle Straßenabschnitte bedrohlich. Da kann es manchmal reichen, die Beleuchtung zu verbessern, damit unsere Bürgerinnen und Bürger keine Angst haben. Diese Informationen können wir durch den Gefahrenmelder sammeln."

Die CDU-Fraktion hat bereits gefordert, dass der Kommunale Ordnungsdienst ausgeweitet wird, um die Präsenz von Sicherheitskräften zu stärken. Die Streifen der Mitarbeiter des Ordnungsamtes sollen dabei nicht nur auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden, sondern sie sollen vor allem zeitlich den Wegfall der zukünftig nicht mehr besetzten Polizeiwache an der Grabenstraße kompensieren. In der Wache werden nämlich künftig ab 22 Uhr und am Wochenende keine Beamten mehr anwesend sein.

Auf Skepsis stößt der Vorstoß, den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) massiv zu stärken, jedoch bei den drei anderen Fraktionen im Stadtrat. Sie haben zwar zugestimmt, von der Verwaltung ergebnisoffen prüfen zu lassen, wie ein solches Konzept aussehen könnte, weisen aber darauf hin, dass ein KOD nicht die Befugnisse der Polizei hat und nicht gegen Kriminelle wie Einbrecherbanden vorgehen könnte. Zudem weisen sie auf den Bericht der Kreispolizeibehörde Viersen hin, wonach die Kriminalitätshäufigkeitszahl, die sich aus der Zahl der Delikte pro 100.000 Einwohner errechnet, in Willich bei 4712 liegt - im gesamten Kreis Viersen bei 6266, landesweit gar über 8000. Auch Willichs Kämmerer Willy Kerbusch hat in seinem Haushaltsentwurf für das Jahr 2017 keinen ausgeweiteten KOD vorgesehen, auch Bürgermeister Josef Heyes hält von der CDU-Idee wenig, wie er jüngst in einem Pressegespräch zum Haushalt durchblicken ließ. Man könne zwar den bestehenden KOD sicherlich anpassen, eine Ausweitung sei jedoch sehr teuer und bringe am Ende vermutlich wenig.

"Der Kommunale Ordnungsdienst und schon gar keine Smartphone-App können Polizeibeamte vor Ort ersetzen. Aber wir können selbst etwas dafür tun, dass Willich sicher bleibt", sagt Dieter Lambertz, stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender und langjähriger Gewerkschafts- und Personalratsvorsitzender der Polizei im Kreis Viersen. Er kritisiert in dem Zusammenhang, dass die Landesregierung die Polizei im Kreis Viersen perspektivisch mit weniger Personal ausstattet.

Quelle: RP
 
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