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Stadt Willich
Anrath und der Regen

Stadt Willich. Hohe Kosten kommen auf viele Hausbesitzer in Anrath zu: Die Schmutzwasserkanäle sollen saniert werden, um Überflutungen wie im Jahr 2010 weitgehend zu vermeiden. In der Politik gibt es noch Beratungsbedarf. Von Marc Schütz

Etwas konkreter hätten die Politiker des Willicher Planungsausschusses es schon gern gehabt - aber Diplom-Ingenieur Ralf Ostermann konnte nur mitteilen, dass fast alle Hausbesitzer Anraths, außer einigen im Norden, betroffen sein könnten. Sie werden wohl ihre Schmutzwasser-Kanäle auf Dichtheit prüfen und gegebenenfalls sanieren lassen müssen. Etwa 2000 Häuser sind betroffen, im Mittel kommen auf die Eigentümer Kosten von knapp 10.000 Euro zu. So soll weitgehend verhindert werden, dass wie im Sommer 2010 zwei aufeinander folgende "Starkregenereignisse" für überflutete Straßen und vollgelaufene Keller sorgen.

Genauer zu ermitteln, welche Grundstücke betroffen sind, sei extrem aufwendig und am Ende teurer als die ganze Sanierung, erklärte Ostermann offen. Und auf die Frage von Christian Winterbach (Grüne), ob durch die Sanierungen Überflutungen künftig völlig ausgeschlossen seien, antwortete er ebenso direkt: "Nein!" Für manche Regenereignisse könne man einfach nicht das entsprechende Kanalnetz vorhalten.

Seit Monaten beschäftigt sich die Politik schon mit diesem unpopulären Thema, doch man werde wohl "nicht drumherum kommen", betonte Ostermann erneut, der für das Ingenieur-Büro Franz Fischer arbeitet, das ein Sanierungskonzept erstellt hat. Im Planungsausschuss erläuterte er nun die weitere Vorgehensweise - und er hatte auch eine gute Nachricht im Gepäck: Es gibt für die Sanierung privater Kanäle eine Förderung des Landes von bis zu 30 Prozent. Voraussetzung dafür ist aber die Aufstellung einer entsprechenden Sanierungssatzung durch die Politik. Die SPD hätte denn gern auch schon Nägel mit Köpfen gemacht: "Die Bürger wollen wissen, wie es weitergeht und wie sie eine Förderung bekommen können", sagte Ausschussmitglied Ulrich Bünstorf. Karl-Heinz Koch (FDP) betonte, dass zunächst einmal die Stadt ihre Kanäle in Ordnung bringen müsse, bevor der Bürger belastet werde. Doch Ostermann entgegnete, dass das öffentliche Netz gerade mal ein Drittel des Gesamtnetzes ausmache und erfahrungsgemäß in einem besseren Zustand sei als die privaten Kanäle. Die Technische Beigeordnete der Stadt Willich, Martina Stall, betonte, dass die Stadt durchaus ihrer Verpflichtung nachkommen werde, zumal nur ein komplett dichtes Kanalsystem den maximalen Effekt bringe. Dieter Lambertz (CDU) sagte "Anrath absaufen lassen können wir nicht", bat aber noch einmal um eine Vertagung bis zur November-Sitzung, da es in seiner Fraktion nach wie vor Beratungsbedarf gebe. So kam es denn auch.

Zuvor hatte Ostermann die technischen Details der Sanierung (siehe nebenstehenden Text) ausgeführt, die Landesförderung erläutert und einen groben Zeitplan vorgestellt. Anfang des Jahres soll die Satzung aufgestellt werden, wenn dies die Politik beschließen sollte. Danach vergehen viele Monate, in denen die Bürger informiert werden und Förderanträge stellen können, die dann wiederum bearbeitet werden müssen. Ein Beginn der Sanierungsarbeiten vor 2020 scheint wenig realistisch.

Zur Förderung: Diese gibt es bei Baukosten ab 1700 Euro, mindestens gibt es dann 500 Euro vom Land, höchstens aber 200 Euro pro Meter Leitung. Unternehmen bekommen maximal 200.000 Euro in drei Jahren. Zu den Details werde es aber Bürgerinformations-Veranstaltungen geben müssen, sagte Ostermann, der zugleich betonte, dass das ganze Projekt sehr betreuungsintensiv sei. Mindestens eine Arbeitskraft müsse die Stadt dafür abstellen. Denn das Prozedere der Förderung ist recht kompliziert: Die Hauseigentümer reichen die Kostenkalkulation bei der Stadt ein, diese erteilt eine Zu- oder Absage, der Bürger lässt dann seinen Kanal sanieren und reicht die Rechnung bei der Stadt ein. Diese prüft die ordnungsgemäße Durchführung der Sanierung und Richtigkeit der Rechnung und zahlt das Landesgeld an die Eigentümer aus - und haftet, falls sich bei einer anschließenden Rechnungsprüfung etwas als fehlerhaft herausstellt.

Quelle: RP
 
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