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Stadt Willich
Aus Mini-Krankenhaus wird wohl nichts

Stadt Willich: Aus Mini-Krankenhaus wird wohl nichts
An dieser Stelle im Stahlwerk Becker soll das Facharztzentrum gebaut werden. Allerdings, so ist zu hören, ist die Nachfrage von Ärzten nach neuen Räumen nicht sonderlich hoch. Das Projekt droht zu scheitern. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Der Traum, im Stahlwerk Becker ein "Ambulatorium" als Ersatz für das Katharinen-Hospital zu schaffen, ist wohl geplatzt. In der kommenden Woche soll sich entscheiden, was von den hochfliegenden Plänen noch übrig ist. Eine Analyse. Von Marc Schütz

Wenn alles optimal gelaufen wäre, hätte Willich bereits seit einem Jahr im Stahlwerk Becker ein "Ambulatorium", also einen medizinischen Anlaufpunkt mit Facharztpraxen, Sanitätshaus und Notarzt. Wäre, hätte, wenn - nach anfänglicher Euphorie ist es sehr still geworden um das Projekt, das wenigstens einen kleinen Ausgleich hätte schaffen sollen für den Verlust des Krankenhauses im Jahr 2014. Aber: "Die Verhandlungen ziehen sich wie nasses Holz", hatte Willy Kerbusch als Geschäftsführer der städtischen Grundstückgesellschaft GSG Mitte 2016 zugegeben. Im September wurden dann die Kaufverträge für das Grundstück an der Anrather Straße unterschrieben, auf denen Investor Christian Paschertz das "Ambulatorium" realisieren will. Und dann tat sich wieder nichts. In der kommenden Woche will Willy Kerbusch eine endgültige Entscheidung: "Dann muss klar sein, ob das Projekt zügig umgesetzt werden kann oder nicht." Allzu optimistisch ist der GSG-Geschäftsführer allerdings nicht mehr. Und wenn aus dem Projekt nichts wird, geht das Grundstück zurück an die GSG, denn die hatte es ausschließlich zu diesem Zweck verkauft.

Naturgemäß optimistischer gibt sich Investor Paschertz: "Wir haben einen Bauantrag bei der Stadt Willich eingereicht. Geplant sind an der Anrather Straße Räume für ein Sanitätshaus, die Notarztpraxis der Stadt Willich, eine Unfallchirurgie-Praxis sowie eine Physiotherapie- und eine Zahnarztpraxis sowie eventuell Wohnungen." Der weitere zeitliche Verlauf sei noch nicht absehbar, und es könne noch zu Veränderungen kommen. Wirklich konkret klingt das noch nicht. Das Problem, so ist zu hören, ist die Tatsache, dass ein Facharzt, der als Ankermieter vorgesehen war, abgesprungen ist. Daraufhin sollen viele andere Willicher Ärzte angesprochen worden sein, ob sie sich im neuen Ärztehaus ansiedeln wollen, doch die regierten eher zurückhaltend. Denn viele haben etablierte Praxen in Immobilien, die ihnen selbst gehören, hinzu kommt die Ungewissheit, ob die Patienten ihnen zum neuen Standort folgen. Auch die Investitionen in neue Praxisräume sind nicht unerheblich. Ärzte von außerhalb kommen nicht infrage, denn weitere Praxissitze, die die Kassenärztliche Vereinigung vergibt, gibt es in Willich nicht.

Fraglich ist auch, ob die hochfliegenden Pläne, mit dem "Ambulatorium" ein Mini-Krankenhaus zu schaffen, umgesetzt werden können. Denn seit der Schließung des Katharinen-Hospital ist auch die Zahl der genehmigten Krankenhausbetten weg. "Eine stationäre Patientenversorgung kann es dort nicht geben", stellt Kim-Holger Kreft, Geschäftsführer des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Viersen, klar. Das AKH stellt in Willich im Auftrag der Stadt den Notarzt. Der sitzt derzeit in der Feuerwache an der St. Töniser Straße, soll aber ins "Ambulatorium" ziehen, wenn es denn mal gebaut wird. Ob er dort sitze oder da, sei im Prinzip egal, sagt Kreft. Allerdings könne er sich nach wie vor vorstellen, dass der Notarzt in den Zeiten, in denen er nicht im Notfall-Einsatz ist, die im Haus ansässigen Fachärzte bei der Versorgung der Patienten unterstützt.

Ein wenig naiv wirkt da eine Pressemitteilung der kürzlich aus der SPD-Fraktion ausgetretenen Ratsmitglieder Theresa Stoll und Martin Dorgarthen: Für Dorgarthen ist es eine Zumutung gerade für Eltern mit Kindern, aber auch ältere Menschen, die freitagnachmittags oder an Sonn- und Feiertagen erkranken, dass sie jedes Mal zur Notdienstpraxis nach Viersen fahren und dort mitunter stundenlang auf ärztliche Hilfe warten müssen. Stoll und Dorgarthen wünschen sich daher eine Anlaufstelle in Willich mit ärztlicher Besetzung auch an Wochenenden sowie Sonn- und Feiertagen. Er habe den Eindruck, so Dorgarthen weiter, "dass diese wirklich gute Idee zurzeit nicht weiter verfolgt wird", und wünscht sich von allen Parteien, dass in dieser Sache die Umsetzung wieder aufgenommen wird, um die ärztliche Versorgung außerhalb der normalen Praxiszeiten nach der Schließung des Krankenhauses in Willich sicherzustellen und zu verbessern.

Der Haken: So einfach ist es nicht, mal eben einen ärztlichen Notdienst an den Wochenenden in Willich einzuführen. Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) hatte beschlossen, die Notdienstbezirke zu ändern. Vorgabe: Für etwa 350.000 Einwohner sollte nur noch eine Notdiensteinrichtung geben. Auf Kreisebene mussten die niedergelassenen Ärzte handeln und entschieden sich 2015 für die Notdienstpraxis in Viersen am AKH. Dass einzelne Ärzte in ihren Praxen Notdienst machen können, ist seither passé.

Spannend ist jetzt, was das Gespräch zwischen Kerbusch und Paschertz in der kommenden Woche ergibt. Auch mit AKH-Geschäftsführer Kreft wolle er noch sprechen, so Kerbusch. Nicht unrealistisch scheint allerdings das Szenario, dass aus dem "Ambulatorium" lediglich ein besseres Ärztehaus wird.

Quelle: RP
 
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