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Gemeinde Grefrath
Ausflüge mit der Harfe in die Pop-Musik

Gemeinde Grefrath: Ausflüge mit der Harfe in die Pop-Musik
Wieder einmal ausverkauft bei Karl Gross: Als Tribut an den Adventssonntag spielte Ulla van Daelen mit "Leise rieselt der Schnee" auch ein vorweihnachtliches Lied, auch wenn die Temperaturen draußen dazu nicht passten. FOTO: ACHIM HÜSKES
Gemeinde Grefrath. Die Kölner Harfenistin Ulla van Daelen begeisterte in der Grefrather Buchhandlung erneut das Publikum. Vor kurzem war ihre neue Solo-CD "Harp goes POP" mit ihren Lieblingssongs der 70er und 80er Jahre erschienen. Von Angela Wilms-Adrians

Gerade der Harfenmusik wird gerne etwas Himmlisches angedichtet. Das und noch viel mehr bot Ulla van Daelens Konzert in der Grefrather Buchhandlung an der Hohe Straße auch. Doch ehe es soweit war, fanden sich Künstlerin und Zuhörer erst einmal in der harten Realität wieder. Der Musikerin war in der Nacht zuvor das Auto aufgebrochen worden, das Gros der aktuellen CDs sowie die Musikanlage waren gestohlen worden. Daher kam sie ein wenig verspätet, musste improvisieren, noch rasch stimmen - und verzauberte dann mit einem Programm, das in der Mischung heitere, vergnügliche, versonnene und berührende Momente bot. So fanden sich die Zuhörer an diesem Sonntagmorgen schließlich doch noch in einer Welt wieder, die den Nieselregen samt dem grauen Himmel vor der Tür und unerfreuliche Alltäglichkeiten außen vorließ.

Im vergangenen Jahr war van Daelen ebenfalls in der Grefrather Buchhandlung aufgetreten, und so wirkten Buchhändler Karl Groß und die Harfenistin in spontanen Randbemerkungen als eingespieltes Team.

Ulla van Daelen ist in vielen Genres zuhause, von denen sie verschiedene vorstellte. Unter dem Thema "Harp goes Pop" widmete sie sich der populären Musik. Dem Advent geschuldet, waren Variationen über weihnachtliche Lieder. Beides war gleichermaßen feinsinnig und facettenreich gestaltet. Karl Groß ergänzte mit Texten und bescherte der Matinee mit einer fein dosierten Prise boshafter Untertöne eine weitere Zutat. Er las unter anderem aus Marko Tschirpkes "Frühling, Sommer, Herbst und Günther" sowie Hans-Jürgen Hofmanns "Der Ladenhüter". Im selbstironischen Bezug auf das zur Matinee ausverkaufte Haus, stellte er einen Vierzeiler über das Staubwischen mit der finalen Wendung vor "... schiebe ich hin und her das Tuch. Und weshalb? - Es kommt Besuch". Um zu beweisen, dass er nicht nur das Bösartige liebe, las er Mascha Kalékos Gedicht "Sozusagen grundlos vergnügt". Das endet mit den Worten: "Ich freu mich, dass ich mich freu".

So dürften sich auch die Besucher gefühlt haben. Sie goutierten die Texte und unterlegten den kräftigen Applaus für die Harfenmusik mit den ergriffenen Worten "wunderschön" und "unglaublich".

Ulla van Daelen hatte den musikalischen Part mit einer fröhlichen, leicht anmutenden Weise eröffnet. Anmutig ließ sie dabei die leisen Töne wie aus weiter Ferne erklingen und gestaltete kräftige Steigerungen entschieden erdverbunden. Eine irisch angehauchte Eigenkomposition berührte im feinen Ausdruck der geheimnisvollen Mixtur von Freude, tänzerischer Anmut und Besonnenheit. Im besonnenen wie auch heiteren Ausdruck gab die Kölner Harfenistin den Weihnachtsliedern eine filigran bezaubernde Gestalt.

Pop-Songs von Abba oder zum Beispiel "Riders on the Storm" von den Doors erklangen in ihren Versionen unverkennbar und doch neu, während sparsam eingestreute Glissandi und filigrane Arpeggios darin ein Funkeln himmlischer Schwerelosigkeit entfachten.

Quelle: RP
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