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Serie Entspannungstechniken In Tönisvorst
Ausstiegsangebot aus der Tretmühle

Willich. Karin Stemmer-Wisser ist in St. Tönis Dozentin für Autogenes Training und Entspannungstechniken. Von Heribert Brinkmann

ST. TÖNIS/Forstwald Autogenes Training ist eine Entspannungstechnik, die auf Autosuggestion beruht. Selbstbeeinflussung durch Formeln, die man laut oder auch still vor sich hin sagt? Jeder hat schon mal von den Formeln "Mein Arm wird ganz schwer", "mein Arm wird ganz warm" gehört. Wenn mehr Blut durch die Adern fließt, wird der Arm tatsächlich schwerer. Der Berliner Psychiater Johannes Heinrich Schultz hat 1932 darüber ein Buch veröffentlicht. Beim Krevital-Programm bietet Karin Stemmer-Wisser Autogenes Training und angrenzende Entspannungstechniken an. Dabei lernt man sechs Formeln für Schwere, Wärme, Bauch, ruhiger Puls, Atmung und Frische der Stirn.

Eigentlich hat sie Biologie und Erziehungswissenschaften studiert. In der Endphase ihres Studiums in Münster lernte sie Autogenes Training als ein Angebot des AStA kennen. Sofort war sie fasziniert, wie schnell durch Autosuggestion Veränderungen im Körper geschehen. Innerhalb kürzester Zeit kann man ruhiger, gelassener werden.

Nach dem Studium war sie erst einmal 22 Jahre Lehrerin an einem Moerser Gymnasium. Dann begleitete sie ihren Mann für vier Jahre nach Australien. Für sie als Biologin war es fantastisch, diesen Kontinent zu entdecken. Ihr "Aussteigen auf Zeit" veränderte alles. Sie war Mutter geworden, kündigte ihre beamtete Stelle und machte sich vor 16 Jahren selbstständig als psychologische Beraterin und Entspannungspädagogin. Sie machte eine Ausbildung zum Berater und erlernte Autogenes Training professionell. In Forstwald bietet sie im "Forum Leben" Klangschalen-Massagen an. Sie besucht Firmen wie die Techniker Krankenkasse, um Entspannung und Stressmanagement nach Prof. Kaluza in Marburg zu vermitteln. Wenn sie im St. Töniser Antoniuszentrum Autogenes Training anbietet, geht es nicht nur um das Einüben von Formeln. Die Teilnehmer sollen herausfinden, was ihnen Stress macht, sie sollen ihre persönlichen Stressfaktoren kennenlernen und damit umgehen können. Ist Autogenes Training für jedermann geeignet? Sicher ist es keine Frage des Alters oder des Geschlechtes. Ihre Kurse besuchen Teilnehmer von Mitte 20 bis 81. Für alle gilt, eine gewisse Selbstreflexion ist durchaus von Vorteil. Man lernt auf jeden Fall, seine Körperfunktionen wahrzunehmen. Die Selbstwirksamkeit ist auch mit Achtsamkeit für sich selbst verbunden. Und man lernt, mit einer freundlichen Stimme zu sich selbst zu sprechen. Manche merken, wie ruppig ihre innere Stimme mit ihnen umgeht. Hier kann man lernen, die Formeln im Rhythmus zu sprechen, die Tonlage innerlich anzugleichen, die Abstände wohltuend zu wählen. Die Wiederholungen sind ganz wichtig, auch die Freundlichkeit zu einem selbst.

Bei ihren Kursen baut die Dozentin immer auch Fantasiereisen mit ein. Zwischendurch bietet sie progressive Muskelentspannung an. Viele haben das eigene Gefühl für Entspannung verloren. Und ganz wichtig ist auch, neu zu lernen, auf den eigenen Atem zu achten.

Meistens wird Autogenes Training im Liegen geübt, aber es geht auch im Sitzen. Autogenes Training kann man auch an der Bushaltestelle oder in der Schlange vor der Supermarktkasse praktizieren. Bei Krevital werden neun Sitzungen zu 90 Minuten angeboten. Natürlich wäre es optimal, wenn die Teilnehmer täglich 25-30 Minuten üben könnten. Aber die Dozentin weiß, dass dann die meisten schnell abspringen würden. So muss man eben versuchen, die Übungen mal so eben in seinen Alltag zu integrieren. Für Geübte dienen allein bestimmte Ruhewörter wie "Welle", "Sonne", "Strand" bereits der Entspannung. Es funktioniert auch mit Ruhebildern wie etwa einer grünen Wiese. Sie selber hat auch in der Meditation Ruhe gefunden. Vor 15 Jahren entstand ein enger Kontakt nach Nepal, als sie mit Mann und Tochter dort hin reiste.

Quelle: RP
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