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Stadt Willich
Awo sieht Flüchtlingsarbeit in Gefahr

Stadt Willich: Awo sieht Flüchtlingsarbeit in Gefahr
Henning Ehlers (4. von rechts), Abteilungsleiter des Awo-Kreisverband, lobt die Arbeit von Jutta van Amern (3. von rechts) und Robert Muellers (rechts). FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt sorgt sich um die Flüchtlingsbetreuung in Willich. Denn die Stadt will eine halbe Stelle kürzen. Grund hierfür sind die zurückgehenden Flüchtlingszahlen. Von Bianca Treffer

Wenn die Verantwortlichen des Kreisverbandes Viersen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) auf die in Willich geleistete Flüchtlingsarbeit blicken, sind sie äußerst zufrieden. Jutta van Amern und ihr Kollege Robert Muellers arbeiten auf jeweils einer halben Stelle Hand in Hand für die Menschen. Die beiden Fachkräfte haben maßgeblich zu den ersten Integrationserfolgen beigetragen. 103 Personen leben heute in Wohnungen, 38 Geflüchtete fanden mit Hilfe der Awo einen Praktikumsplatz, 25 Erwachsene wurden in Arbeit vermittelt, und zwölf Jugendliche starteten eine Ausbildung.

Doch hinter diesen Zahlen steckt weitaus mehr: Menschen, die in ein fremdes Land geflüchtet sind, haben Ansprechpartner gefunden, mit deren Hilfe sie sich ein neues Leben aufbauen. Dazu haben Jutta van Amern und Robert Muellers ein breit aufgestelltes Netzwerk installiert, bei dem sich etliche Willicher Bürger ehrenamtlich einbringen und sich für die Flüchtlinge engagieren. "Wir wissen viel über die geflüchteten Familien und können anfallende Dinge aufgrund unserer guten Vernetzung schnell klären", sagt van Amern. Die enge Zusammenarbeit und das gute Miteinander mit den Ehrenamtlern, das von van Amern und Muellers gefördert wird, tun das übrige hinzu. "Inzwischen haben wir Flüchtlinge, die sich bereits ehrenamtlich einbringen und die Hilfe, die sie erhalten haben, an andere weitergeben", berichtet Muellers.

Doch nun überlegt die Stadt Willich, eine der halben Stellen möglicherweise zu kürzen. Das Ganze ist Thema im nächsten Sozialausschuss. "Es handelt sich um befristete Stellen, wobei die alte Beschlussfassung bereits die Option der Kürzung hatte. Mit einem entsprechenden Vorlauf kann die halbe Stelle gekündigt werden, wenn die Notwendigkeit besteht", sagt Susanne Kamp vom Geschäftsbereich Jugend und Soziales der Stadt Willich. Die Stadt Willich begründet die vorgeschlagene Kürzung mit dem Rückgang der geflüchteten Menschen.

Das sei zwar eine Tatsache, aber dennoch bräuchten die Flüchtlinge, die derzeit in Willich leben, weitere Unterstützung, sagen van Amern und Muellers. "Auf lange Sicht geht es um mehr, als die Menschen unterzubringen und zu versorgen. Es geht um gesellschaftliche Teilhabe und Integration in Bildung, Arbeit als auch Sozialraum", betont Henning Ehlers. Die Aufgaben änderten sich, würden aber nicht weniger, und es bestehe bereits jetzt eine mehr als volle Auslastung der beiden halben Stellen, fügt der Abteilungsleiter des Awo-Kreisverbandes Viersen an. Wie die bisherige Arbeit mit nur einer halben Stelle aussehen sollte, kann sich Ehlers nicht vorstellen. "Was passiert mit den Geflüchteten, wenn wir sie in der gewohnten Form nicht weiter betreuen können?", fragt sich Muellers. Dazu kommt, dass auch Menschen, die als Asylberechtigte Willich als Wohnort wählen, Ansprechpartner benötigen.

Die Awo sieht die bisher geleistete gute Arbeit als gefährdet an, sollte es zu der geplanten Kürzung kommen. Wobei erst im Mai vergangenen Jahres eine Aufstockung der ersten halben Stelle, die 2014 eingerichtet worden war, erfolgte. Nach van Amern kam im Mai 2016 Muellers hinzu. Die beiden teilen sich eine volle Stelle, wobei sie pro Monat durchschnittlich 220 persönliche Kontakte haben. Sie betreuen insgesamt über 315 Geflüchtete in den Einrichtungen am Bahnhof, an der Lerchenfeld- und der Kochstraße sowie in den einzelnen Wohnungen.

Quelle: RP
 
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