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Stadt Kempen
Awo sucht weiter nach einem Partner

Stadt Kempen: Awo sucht weiter nach einem Partner
Im Mai 2000 zogen die ersten Bewohner der Senioren-Residenz an der Kniebeler Straße in Vorst ein. Vor fünf Jahren wurde noch groß das zehnjährige Bestehen der Einrichtung gefeiert. Inzwischen hat der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt sein Haus an die Lebenshilfe verkauft. FOTO: Stefan Finger
Stadt Kempen. Der zuletzt finanziell schwer angeschlagene Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt blickt jetzt positiv nach vorne. Finanziell sei man fast über den Berg, so Kreisgeschäftsführer Bedronka bei der Delegiertenkonferenz in St. Hubert. Von Willi Schöfer

Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) scheint sich von seiner zeitweiligen finanziellen Schieflage erholt zu haben. "Wir sind aus der Gefahr einer direkten Insolvenz raus, stehen finanziell besser da als Ende 2013", sagte der stellvertretende Kreisvorsitzende Winfried Hüren aus Grefrath, als sich jetzt mehr als 70 Delegierte zur Awo-Kreiskonferenz im Forum in St. Hubert trafen. Allerdings gäbe es noch einige Risiken, sei man noch nicht über dem Berg. Und der hauptamtliche Awo-Kreisgeschäftsführer Bernd Bedronka ergänzte: "Wir haben jetzt aber den Gipfel klar im Blick."

Da der Awo-Kreisverband mit seinen rund 20 Einrichtungen im Kreis (220 hauptberufliche Mitarbeiter) in den vergangenen Jahren erhebliche finanzielle Probleme hatte, beauftragten die Delegierten den Kreis-Vorstand im Mai 2014, einen möglichen Verbund mit dem Awo-Kreisverband Mönchengladbach anzustreben. Dazu kam es aber nicht. Dazu nahm jetzt Winfried Hüren Stellung. Er zeigte sich erschüttert darüber, dass hauptsächlich die Korrespondenz von Gladbacher Seite über E-Mail und nicht in persönlichen Gesprächen erfolgt sei und dass der mögliche Verbundpartner erst sehr spät und nach mehrmaliger Aufforderung die Vertragsentwürfe herausrückte.

Unerklärlich blieb für Hüren, warum im Dezember vergangenen Jahres die Mönchengladbacher Seite die Gespräche für beendet erklärte und sich zurückzog. Ein Grund könnte gewesen sein, so wurde gemutmaßt, dass die Hausbank der Kreis Viersener Awo zunächst vom Bankgeheimnis befreit wurde, als eine Bewertungsgesellschaft Einblick in die Konten haben wollte. Und diese Befreiung wurde dann wieder zurückgenommen, als offenbar die Bewerter ihre Arbeit beendet hatten. Für Mönchengladbach war das wohl zu früh. Allein für eine "Fortbestehungs-Prognose" hatte die Kreis-Awo rund 150 000 Euro gezahlt.

Nach wie vor ist allerdings die Awo des Kreises Viersen auf der Suche nach einem starken Partner. "Dies braucht nicht die Awo zu sein, könnte zum Beispiel das DRK oder eine andere Einrichtung sein", meinte auch einer der vier Innen-Revisoren, Sigrid Deiters.

Als Glücksfall wurde sowohl von Hüren als auch von Bedronka der Verkauf der lange defizitären Vorster "Residenz" an die Lebenshilfe herausgestellt. In seinem Rückblick erinnerte der Geschäftsführer an die vielen organisatorischen, aber auch personellen Veränderungen in jüngster Zeit. Er sprach die Unsicherheiten einiger Mitarbeiter und die Fluktuationen an, da sich einige anders orientiert hatten. "Allerdings wurde hier viel mit Lügen und Halbwahrheiten gearbeitet", kritisierte der Geschäftsführer, der übrigens selbst auch im Fokus gestanden hatte. Dazu Hüren: "Wir wurden von der anderen Seite massiv bearbeitet, Bedronka aus der Verantwortung zu nehmen." Wie genau die Awo derzeit finanziell dasteht, konnte konkret nicht gesagt werden. So ist immer noch nicht der Jahresabschluss von 2012 genehmigt, wurden vom Kreis-Vorstand die Zahlen von 2013 erst im April dieses Jahres festgestellt und wird mit dem Abschlussergebnis 2014 erst in den nächsten Monaten gerechnet. Bedronka fasste lediglich zusammen, dass man wahrscheinlich im vergangenen Jahr eine schwarze Null geschrieben und dass die Liquidität der Awo vor wenigen Tagen rund 424 000 Euro betragen habe. Und der Geschäftsführer meinte weiter: "Wir haben nach vielen Einsparungen die Talsohle durchschritten und werden langfristig im schwarzen Bereich bleiben." Bedronka nannte ferner einige neue Projekte, die bereits angeschoben werden konnten. So zum Beispiel der ausgebaute Kindergarten "Lummerland" in Breyell oder das Tönisberger Beratungsbüro, in dem es rund um die Pflege geht.

Quelle: RP
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