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Stadt Kempen
Begeisterter Beifall für Wiener Klaviertrio

Stadt Kempen. Beim zweiten Kammerkonzert in der Paterskirche zeigten die drei Musiker des Wiener Klaviertrios, dass sie sich auf die Musik Wiener Komponisten ausgezeichnet verstehen. Zu hören waren Werke von Webern, Schubert und Brahms. Von Gert Holtmeyer

Auch wenn die Mitglieder des Wiener Klaviertrios ihre Meisterschüler in London, Sydney, Toronto und im neuseeländischen Wellington unterrichten: Auf Musik Wiener Komponisten verstehen sie sich ausgezeichnet. Davon durften sich die Zuhörer im gut besuchten zweiten Kammerkonzert in der Paterskirche überzeugen.

Zwei Einzelsätze für Klaviertrio schrieb Franz Schubert, beide waren im ersten Teil des Konzerts zu hören. Eröffnet wurde der Abend mit dem B-Dur-Trio (D28), einem Werk, das Schubert bereits mit 16 Jahren schrieb. Eventuelle Befürchtungen, aufgrund des weit geöffneten Klavierdeckels könnte das Klavier zu dominant klingen, erwiesen sich als grundlos. Stefan Mendl (Klavier), David McCaroll (Violine) und Matthias Gredler (Violoncello) hielten den Klang gut ausgewogen und spielten das Werk mit der Heiterkeit und der Schlackenlosigkeit, die ihm zukommt. Auch Schuberts Es-Dur Trio "Notturno" (D 897) war in einer mustergültigen Wiedergabe zu hören. Eine mit wunderbarem Ton vorgetragene Cello-Kantilene stand am Anfang. Zart klangen die Pianissimo-Stellen. Die nötige Süße war vorhanden, wurde aber nicht übertrieben.

Anton Webern gehört zu den bedeutenden Vertretern der zweiten Wiener Schule. Interessant war es, drei Kompositionen aus deutlich unterscheidbaren Schaffensperioden vergleichen zu können. Seine "Zwei Stücke für Violoncello und Klavier" schrieb der 1883 Geborene 1899. Da war noch nichts vom Einfluss Schönbergs zu spüren. Weit weg von Zwölftonmusik und Expressionismus wurzelte der damals 15-Jährige tief in der Romantik. Gesanglich, mit blühendem Ton brachte Gredler die beiden langsamen Sätze zum Klingen.

Eine ganz andere Aufgabe hatte David McCarrol auf der Geige zu erfüllen. Die Kompositionstechnik war 1910 eine andere geworden, und entsprechend anders war auch die Wirkung. In den vier Stücken für Violine und Klavier ging es unruhig und auch hektisch zu. Noch stärker bestimmten verfremdete und bewusst raue Klänge Weberns 1914 entstandene "drei kleinen Stücke für Violoncello und Klavier" (op. 11).

Der 1833 geborene Norddeutsche Johannes Brahms entschied sich 1872 für Wien als Wahl-Heimat. Von seinem Klaviertrio H-Dur (op. 89) fertigte er zwei recht unterschiedliche Fassungen an, die beide ihren Reiz haben. Zu hören war die erste, 1853/54 deutlich vor Brahms' Wiener Zeit entstandene. Das Wiener Klaviertrio spielte sie in einer gut durchdachten, sehr reifen Interpretation. Sorgfältig wurden die Stimmungsgegensätze voneinander abgehoben. Einschmeichelnden, elegant vorgetragenen Melodien standen sensibel wiedergegebene dunkle Passagen gegenüber.

Für den begeisterten Beifall bedankte sich das Trio nicht mit einem effektvollen Reißer, sondern mit einem anspruchsvollen langsamen Satz aus einem anderen, dem C-Dur Brahms-Trio.

Quelle: RP
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