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Stadt Willich
Berufe im Schnelldurchlauf kennengelernt

Stadt Willich. Für kurze Zeit spielte Nathalie Piepenbrink, die mit Kai Kasner die Willicher Jugendeinrichtung "KaRo 11" leitet, die Mitarbeiterin einer Kfz-Werkstatt, beriet Sozialarbeiterin Marion Tank in der Abteilung der Altenpflege oder war Ricarda Polnik, eine der vier für die kirchliche Jugendarbeit in der Region Kempen-Viersen zuständige Mitarbeiterin, im Jobcenter beschäftigt. Es war ein bemerkenswertes Planspiel, das gestern im Anrather Jugendheim "Titanic" und in der benachbarten Josefshalle ablief.

"Früher gab es zur Weiterbildung der jungen Leute einwöchige Orientierungstage, aber die griffen nicht mehr so richtig, wir wollen mal was Lebendigeres unternehmen", sagte Titanic-Leiterin Simone Benen-Heyer. Dazu gehörte in erster Linie der Fachbereich der Kirchlichen Jugendarbeit in der Region Kempen-Viersen, aber auch die Leiter der Jugendzentren "Titanic" und "KaRo11". Das Team hatte sich für Schüler, die sich auf den Beruf vorbereiten, etwas Besonderes ausgedacht: einen eintägigen Crash-Kurs, bei dem sie in acht Werkstätten beziehungsweise Arbeitsbereiche hineinschnuppern konnten.

Aus dem Nähraum der "Titanic" wurde eine Bank-Filiale, aus dem Raum "New York" eine Boutique, aus dem Werkraum die Schreinerei oder aus anderen Räumen ein Grafik-Studio, eine Kantine oder die Verwaltung einer Kita. "Ich war gerade beim Klempner und bei der Altenpflege, gehe jetzt noch zur Kfz-Werkstatt", sagte der 14-jährige Joshua. Er ist auf dem Weg zur Josefshalle, meldet sich dort genau in der vorgegebenen Zeit an und steht kurz danach neben dem Chef eines großen Anrather Autohauses, Kfz-Meister Willi Breuer. "Mach an dem Fahrzeug mal den Winter-Check, überprüfe, ob genug Öl, Wasser für die Scheibenwischanlage und Kühlflüssigkeit in den Behältern sind" - so lautete die erste Aufgabe.

55 Schüler der beiden Gesamtschulen nahmen teil. Bevor sie den Gang zu den Kurz-Praktika antraten, gab es Regeln und Tipps, was beidspielsweise Lebensläufen und Vorstellungsgespräche betrifft. Die Jugendlichen erhielten vorher einen "Stärke-Bogen", mussten sich selbst Punkte geben - etwa für Pünktlichkeit, respektvollen Umgang oder das Führen des Berichtsheftes. Dabei mussten sie auch bewerten, ob sie Aufgaben erledigen würden, die ihnen keinen Spaß machen.

In der Josefshalle gab unter anderem Stefanie Deutmarg vom Altenheim St. Josef Tipps, und die Jugendlichen mussten bei ihr Verbände anlegen und den Puls messen. Beim Anrather Installateur- und Heizungsbaumeister Christian Stoffers mussten die jungen Leute Rohrleitungen schneiden oder Rohrverbindungen herstellen. "Es wäre schön, wenn ich dadurch einen Auszubildenden bekommen würde", kommentierte der Unternehmer, der in jedem Jahr ein bis zwei Jugendliche ausbildet.

"Eine gute Sache, ich glaube, ich werde Kfz-Mechatroniker", sagten nicht nur mehrere Jungs. Auch die 13-jährige Melissa aus der 8b der Robert-Schuman-Gesamtschule war nicht abgeneigt. Viele andere, die gestern mehrmals die Praktikumsstellen wechseln konnten, wussten es hingegen noch nicht. "Vielleicht Schreiner, mal schauen", kommentierte kurz vor der Mittagspause ein 14-Jähriger.

(schö)
 
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