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Stadt Willich
Besonderes mit Alltagsmaterialien schaffen

Stadt Willich: Besonderes mit Alltagsmaterialien schaffen
Der in Neuss-Selikum lebende Künstler Michael Kortländer, Jahrgang 1953, studierte in den 1970er Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Prof. Gerhard Hoehme (1920-1989), dem deutschen Vertreter des Informel. FOTO: ANDREAS PROBST
Stadt Willich. Mit Objekten und Installationen eröffnet Michael Kortländer die Ausstellungsreihe "Lux" (Licht) in Schloss Neersen. Seit 1978 arbeitet der in Künstler kontinuierlich an "Raumbildern" vorwiegend aus Kartonagen. Von Angela Wilms-Adrians

Es geschieht nicht oft, dass ein Vernissagebesucher unfreiwillig in den Schaffensprozess eines Künstlers eingreift. Das ist aber nun in der Motte von Schloss Neersen passiert. Der Künstler Michael Kortländer hat mit seiner zentralen Installation "shelter" großflächig den Raum vereinnahmt. In Teilen lässt sich die Assoziation an ein Zeltlager, wie es der Titel nahelegt, immer noch ablesen, während zugleich manches durch einen unbeabsichtigten Stoß nun dahin gerafft am Boden liegt. Ein Wiederaufbau wäre möglich, doch Kortländer hat nach dem ersten Schock anders entschieden. "Da hat sich etwas verändert. Ich habe das als Faktum liegen lassen. Die Teile sind dramaturgisch nicht ungeschickt gefallen, so dass sie auch so zum Begriff shelter passen", erklärt er. Tatsächlich ist der Künstler insgesamt sehr zufrieden. "Es ist eine sehr intensive Ausstellung", sagt Kortländer über das Zusammenspiel von Werk und Raum. Die Entscheidung, bei der Installation auf eine Wiederherstellung der Ausgangssituation zu verzichten, passt irgendwie zu seinem Kunstverständnis, das auf vorgegebene Situationen reagiert und Varianten einkalkuliert.

Kortländer ist der erste, der zum diesjährigen Jahresthema "Lux" ausstellt. "Wenn ein Bildhauer wie Michael Kortländer Volumina in den realen Raum stellt, setzt er sie unweigerlich der Wirkung des Lichts aus. Körper werden modelliert, Plastizität herausgearbeitet, Oberflächenstrukturen und Farbtöne immer wieder neu herauspräpariert, denn der Charakter des Lichtes ist wandelbar", schreibt dazu Kuratorin Jutta Saum im begleitenden Katalog.

Kortländer spielt immer auch mit der Wahrnehmung. Er arbeitet mit Wellpappe und Kartonage. Mit Materialien also, die nicht allzu teuer sind und üblicherweise wertvolle Dinge schützen, die an sich leicht sind, bei Kortländer aber oft eine monumentale Körperlichkeit ausstrahlen. Für die Installation nutzt er klare Flächen und scheinbar schlichte Balken, die an den Seiten das feine Gerippe der polsternden Innenstruktur zeigen. Die Installation ist in der Farbgebung puristisch belassen, während die Wandobjekte schon allein über die Farbigkeit das Thema Licht variieren. Über die Bemalung entstehen farbliche Schattierungen, während sich in der Oberfläche innere Strukturen wie feine Raster abbilden. Durchweg präsent ist der Bezug zu architektonischen Elementen und Kuben, die im Widerstreit mit der Fragilität des Materials zu stehen scheinen. So strebt ein anthrazitfarbenes Wandobjekt mächtig in den Raum. Aufgesetzte Elemente wölben sich wie ein Keil oder Rundungen vor, die nach vorne gerichteten Kanten aber geben das fragile Innengeflecht der Kartonagen frei. Auffallend ist, dass der Künstler bei den Wandobjekten immer mit mehreren Teilen arbeitet. Saum verweist im Katalog explizit auf den "gewissen Abstand" der Elemente zueinander. Es sei, "als hielte sie eine unsichtbare Anziehungskraft für den Moment zusammen". Weitere Varianten und Zustände erscheinen möglich. Da ist es nicht verwunderlich, dass Kortländer die unerwartete Wendung in der Präsentation nach einer Bedenkzeit akzeptierte.

Quelle: RP
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