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Stadt Willich
Besseres Kennenlernen bei der Apfelernte

Stadt Willich: Besseres Kennenlernen bei der Apfelernte
Die gemeinsame Erntearbeit auf der Streuobstwiese, eine gemeinsame Aktion von Nabu und AKF, sorgte für eine gute, positive Stimmung bei allen Beteiligten. Aus den Äpfeln wird Apfelsaft gepresst. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Der Willicher Arbeitskreis Fremde und die Nabu Gruppe Willich starteten einen ersten gemeinsamen Einsatz. Asylsuchende und Nabu-Mitglieder ernteten auf einer der Streuobstwiesen Äpfel. Von Bianca Treffer

Ein kurzes Rütteln von Jack Sandrock an der Leiter. "Die steht sicher", lautet der Kommentar des Nabu-Mitglieds der Ortsgruppe Willich. Ein Nicken zu Arsen, auf das der junge Mann nur gewartet hat. Flink klettert er über die Leiter in den Apfelbaum hinein, wobei es ab Leiterende über die dicken Äste weiter nach oben geht. "Alle bitte etwas Abstand zum Baum halten", ordnet Jack Sandrock an. Warum das so ist, wird Sekunden später deutlich. Arsen schüttelt die Äste nämlich kräftig durch und es regnet Dutzende von Äpfel. "Das macht er gut und mit solch einer Technik, das hat er bestimmt schon daheim gemacht. Denn die richtige Rüttelmethode ist nicht einfach", kommentiert Günter Wessels, Leiter vom Arbeitskreis Obstwiesenschutz im Nabu, die Aktion.

Arsen, der aus Armenien stammt, lacht aus dem Geäst heraus. Während für ihn im Baum Pause angesagt ist, setzt unten auf der Grasfläche rege Betriebsamkeit ein. Nabu-Mitglieder und Asylsuchende sammeln Apfel für Apfel in ihren Körben auf. Ein Stückchen weiter sind Harry Abrahams, Heiner Duve und James damit beschäftigt, zwei große Planen rund um einen weiteren Apfelbaum zu legen. "Dann fällt das Aufsammeln leichter", erklärt Abrahams dem jungen Nigerianer. Duve greift spontan zu einem Apfel, der schon unten liegt und wirft ihn zu James hinüber.

Der fängt und lässt den Apfel zu Abrahams fliegen. Unter lautem Lachen macht der Apfel ein paar Mal die Runde, bevor es mit der Arbeit weitergeht. "Diese gemeinsame Arbeit ist eine tolle Aktion. Es macht Spaß, junge Menschen dabei zu haben, die sichtlich mit Engagement bei der Sache sind", freut sich Abrahams und fügt mit einem Augenzwinkern an, zum in die Bäume steigen sei man eigentlich schon zu alt. Ein Strahlen ist auch auf dem Gesicht von Jutta van Amern vom Arbeitskreis Fremde (AKF) zu sehen. "Solche Aktionen geben unseren Flüchtlingen ein Gesicht. Dazu kommt, dass das Arbeiten in der Natur unseren Flüchtlingen gut tut. Es ist etwas Vertrautes für sie", sagt Jutta van Amern.

Zum ersten Mal sind der AKF und die Nabu-Ortsgruppe Willich gemeinsam in den Einsatz gegangen. Die Idee dazu kam von Nabu-Mitglied Hans Thelen. "Ich besuche einen Konservationskursus in Französisch, den wiederum auch jemand vom AKF besucht. Wir kamen ins Gespräch, und ich hatte die Idee, auf dem Weg des gemeinsamen Arbeitens in der Natur einen Kontakt herzustellen", erinnert sich Thelen. Die Idee wurde von beiden Seiten mit großer Begeisterung aufgenommen. Da die Ernte auf den Streuobstwiesen ansteht, musste nicht lange überlegt werden, um welches Arbeitsprojekt es sich handeln sollte.

Auf der Streuobstwiese ist es inzwischen voll geworden. Weitere Asylsuchende sind mit dem Fahrrad eingetroffen, greifen zu den Körben und starten mit dem Aufsammeln der Äpfel. "Es ist schön, dass wir helfen dürfen", meint Manuel, der aus Angola geflohen ist und sich über die herzliche und unkomplizierte Begrüßung auf der Wiese unter den Apfelbäumen freut. Man habe direkt das Gefühl, dazu zu gehören, sagt er leise. Monica Sandrock startet indes die erste Versorgung und schenkt frischen Minze-Tee sowie Apfelsaft von Streuobstwiesen aus. Dazu gibt es Apfelkuchen und Striezel. "Zum Mittagessen dürfen sich alle auf eine Tomatensuppe mit Baguettebrot freuen", verrät Monica Sandrock.

Die ersten drei großen grünen Kisten auf dem Anhänger sind indes mit Äpfel gefüllt. "Das sind rund eine Tonne Äpfel, die nach Hamminkeln in die Presse gehen und unseren Apfelsaft von Streuobstwiesen ergeben", sagt Wessels und lobt die fleißigen Schüttler und Sammler vom AKF und der Nabu Gruppe Willich. Für beide Organisationen ist indes klar, dass es nicht der letzte gemeinsame Einsatz ist. Man möchte die Zusammenarbeit auf jeden Fall fortsetzen. "Wir würden uns freuen, wenn zum Beispiel beim Weidenschnitt, der in den kühleren Monaten ansteht, wieder alle zusammen mit anpacken", lautet der Tenor auf Nabu-Seite.

Quelle: RP
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