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Stadt Willich
Bienenschmaus, der die Umwelt schützt

Stadt Willich: Bienenschmaus, der die Umwelt schützt
Blühwiesen oder Blühstreifen, die die Landwirte im Rahmen der Greening-Vorschriften anlegen, bieten den Bienen Nahrung und Rückzugsflächen für das Niederwild, erklärt Benedikt Blum von der Brocker Gruppe. FOTO: djm
Stadt Willich. EU-Richtlinien sind nicht immer beliebt. Die seit Anfang 2015 geltenden Greening-Vorgaben sind vielen Bürgern nicht bewusst, aber sie bemerken die Umsetzungsergebnisse mit Freude. Von Nadia Joppen

Sie sind jetzt häufiger zu finden: Felder, die mitten in landwirtschaftlich genutzten Gebieten liegen, aber für den Laien so aussehen, als ob sich keiner um sie kümmert und dort die Blumen einfach wild vor sich hinwachsen. Blaue Kornblumen, gelb/orange Ringelblumen, weiß blühender Ölrettich und Bienenweide bieten dem Spaziergänger ein buntes Bild. Doch das scheinbar ungeordnet Wachsende entwickelt sich nach einem genauen Plan: "Diese Flächen schaffen die Landwirte im Rahmen des Greening-Konzeptes der EU für landwirtschaftliche Betriebe", erklärt Benedikt Blum von der Brocker Gruppe in Schiefbahn. Ein Beispiel: eine rund einen halben Hektar große Fläche zwischen dem Betrieb und der in Richtung Neersen angrenzenden Bebauung.

Greening ist - im Kern - eine Förder-Maßnahme der EU zur Verbesserung des Umwelt- und Naturschutzes und besteht aus drei möglichen Komponenten: Dauergrünlanderhalt (Wiesen und Weiden), Anbaudiversifizierung (Einhaltung einer Fruchtfolge, um die Artenvielfalt der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen zu erhalten) oder Ausweisung ökologischer Vorrangflächen. Wesentlich ist: Die seit Anfang 2015 geltende Greening-Richtlinie verlangt, dass die landwirtschaftlichen Betriebe fünf Prozent ihrer Fläche nicht mehr für den Ackerbau nutzen, also stilllegen, und diese stattdessen für Umweltschutzmaßnahmen nutzen. Bei der Schaffung ökologischer Vorrangflächen können die Landwirte auswählen: Entweder legen sie 5 Prozent der Fläche still, oder sie bauen in entsprechendem Umfang Zwischenfrüchte an. Außerdem sind die Anlage von Feldrand- oder Pufferstreifen oder der Anbau von Leguminosen (Hülsenfrüchte oder kleeartige Futterpflanzen) möglich.

"Wir haben uns für eine Mischung aus Stilllegung mit Gras und Blühwiesen und -streifen entlang der Felder entschieden", sagt Mario Brocker, der den landwirtschaftlichen Bereich leitet. Diese Blühwiesen wurden gezielt mit einer von der EU zugelassenen Blumensaat-Mischung eingesät: "Wir haben die Mischung Bienenschmaus gewählt. Der Name erklärt den Gedanken: Die Öko-Flächen bieten Bienen Nahrung, "dazu wachsen die Pflanzen so hoch, dass das Niederwild oder Bodenbrüter geschützte Räume finden", so Brocker. Dabei können die Landwirte auch Pflanzen anbauen, die Stickstoff aus dem Boden binden.

Damit Menschen einen Erholungseffekt haben, wählt er die Greening-Bereiche so, dass sie beispielsweise entlang der Spazierwege rund um den Betrieb liegen. Im Spätherbst werden die verblühten Wiesen oder Grünstreifen untergepflügt. Die Pflanzenreste ergeben einen guten Dünger für den Boden, und der kann nach dem Ruhejahr wieder landwirtschaftlich genutzt werden.

Die Brocker-Gruppe hatte schon in den Vorjahren auf eigene Initiative Blühstreifen als Umweltschutz-Maßnahmen eingerichtet, in diesem Jahr wurde das Projekt auf Basis der EU-Vorgabe systematisiert: "Betriebe, die ihre Greening-Auflagen erfüllen, werden von der EU mit 87 Euro pro Hektar pro Jahr für die gesamte Fläche gefördert. Die Brocker Gruppe fällt unter die Auflage, weil wir aus der EU-Flächenförderung für landwirtschaftliche Betriebe bezuschusst werden", so Blum.

Eine andere Variante, die viele Landwirte umsetzen, ist der Anbau von Zwischenfrüchten, "das wurde schon in starkem Maße durch Kooperation mit der Wasserwirtschaft in den Vorjahren gemacht. Jetzt wird eine vielseitige Mischung gemacht, die aber in die Fruchtfolge des jeweiligen Betriebes passen muss. Das bieten Handel und Saatgutzüchter an", erklärt Theo Heyes, der Willicher Ortslandwirt die Gesamtsituation.

Quelle: RP
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