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Stadt Willich
Bilder, die Geschichten erzählen

Stadt Willich: Bilder, die Geschichten erzählen
Die Fotojournalisten Insa Hagemann aus Hannover und Stefan Finger aus Willich zeigen das Bild, das das Kinderhilfswerk Unicef und das Magazin GEO im vergangenen Jahr zum Foto des Jahres gewählt haben. FOTO: Achim Hüskes
Stadt Willich. Morgen eröffnet Schauspieler Joe Bausch in Willich die Fotoausstellung "Wanna have Love?" von Insa Hagemann und Stefan Finger. Unter den 52 Bildern ist auch eines, das von Unicef als Foto des Jahres 2014 ausgezeichnet wurde. Von Stephanie Wickerath

Sie steht abseits von den anderen Kindern, die fröhlich miteinander spielen. Sie wirkt dabei nicht traurig. Sie ist erst ein Jahr alt und merkt noch nicht, dass die anderen sie ausschließen. Wenn sie älter wird, wird sie es spüren. Sie meiden sie, weil ihre Augen blau sind, ihre Haare blond, ihre Haut hell. Es ist das Erbe ihres Vaters, ein Australier, der als Sextourist auf die Philippinen kam und ihre Mutter für die Dauer seines Urlaubs drei Wochen lang mietete. Die Vaterschaft streitet er ab, finanzielle Unterstützung leistet er nicht.

Das Foto von Divine, so heißt das hellhäutige Mädchen, ist preisgekrönt. Das Kinderhilfswerk Unicef und das Magazin GEO haben es im vorigen Jahr zum Foto des Jahres gewählt, weil es ein Bild ist, das "die Persönlichkeit und Lebensumstände von Kindern auf herausragende Weise dokumentiert". Das Foto ist Teil einer Reportage, für die die Fotojournalisten Insa Hagemann aus Hannover und Stefan Finger aus Willich im April 2014 viereinhalb Wochen lang auf den Philippinen unterwegs waren. 52 Fotos aus dieser Serie zeigen die beiden 32-Jährigen jetzt in Willich.

"Das ist eine Premiere", sagt Stefan Finger. Noch nie seien die Bilder in einer Ausstellung gezeigt worden. Möglich gemacht haben das Ursula Preuß und Christel Holter von der Stadt. Im Rahmen von "Kunst im Kern" haben sie Ausstellungen, Musik und Literatur in den Willicher Ortskern geholt. Dank vieler Sponsoren, im Fall der Fotoausstellung von Finger und Hagemann ist Canon Deutschland der Hauptsponsor, steht die Kunst den Besuchern kostenlos zur Verfügung. "Wir nehmen keinen Eintritt, aber wir geben gerne die Kontoverbindung des Tatort-Vereins weiter", sagt Finger.

1998, nachdem das Kölner Tatort-Team um Dietmar Bär und Klaus Behrendt für Dreharbeiten in Manila war, haben die Darsteller den Verein gegründet. Seitdem sammeln sie Spenden für Entwicklungs- und Kinderrechtsprojekte auf den Philippinen. Einer der Schauspieler aus dem Kölner Tatort, Joe Bausch, im echten Leben Gefängnisarzt im Hochsicherheitstrakt in Werl, im Kölner Tatort Pathologe, wird morgen nach Willich kommen, um die Ausstellung zu eröffnen.

Er wird dann nicht nur Divine sehen. Gleich zu Anfang hängen sechs große Porträts von missbrauchten Mädchen. Ihre Geschichten stehen auf kleinen Schildern neben den Fotos. Eines der Mädchen heißt Jocelyn. Sie war zwei Jahre alt, als ihre Mutter starb, seitdem missbrauchte der Vater das Kind. Später reichte er Jocelyn gegen Geld an die Nachbarn weiter. Jocelyn lief weg und landete in einer Bar, wo sie an pädophile Urlauber vermietet wurde. Heute ist sie 14 Jahre alt und lebt in einem Heim von Preda, einer Organisation, die ebenfalls vom Tatort-Verein unterstützt wird.

"Wir haben zwei Schwerpunkte bei der Ausstellung", erklärt Insa Hagemann. Auf der einen Seite seien die Fotos zu sehen, die die Geschichten der diskriminierten Kinder erzählen, deren Väter Ausländer sind. Auf der anderen Seite des Raumes geht es um Kinder, die von Sextouristen missbraucht wurden.

Was auffällt: Männer sind auf all diesen Fotos nicht zu sehen. Im Mittelpunkt stehen die Opfer.

Quelle: RP
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