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Willich
Dank Ausbildung reif für die Insel

Willich: Dank Ausbildung reif für die Insel
Arbeitet mit rund 600 Jahre alten Mauersteinen an der Clörather Mühle in Viersen, packt aber bald die Koffer für eine knapp zwölfstündige Flugreise nach La Réunion: Die angehende Maurerin Sinje Dahmen wird in dem französischen Übersee-Département drei Wochen ausgebildet. FOTO: Busch
Willich. Die Dülkenerin Sinje Dahmen ist eine Exotin in ihrer Ausbildung: Sie lernt Maurerin. Exotisch wird's auch im nächsten Monat: Einen Teil ihrer Lehre verbringt die 22-Jährige auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean Von Bianca Treffer

Für Sinje Dahmen heißt es im nächsten Monat Koffer packen. Allerdings gehört zum Gepäck auch Arbeitsbekleidung, wobei die Maurerkelle samt Zollstock, Bleistift und Nagel nicht fehlen darf, denn diese Dinge sind unabdingbar bei dem Beruf, den die Dülkenerin im nunmehr zweiten Lehrjahr lernt. Dahmen wird Maurerin im Bereich der Denkmalpflege. Vom 24. November bis 15. Dezember führt sie ihr Ausbildungsberuf auf die Insel La Réunion im Indischen Ozean. Die 22-Jährige nimmt an der sogenannten Lehrlings-Mobilität teil, die über das Deutsch-Französische Sekretariat finanziert wird.

Der Austausch erfolgt über das Bildungszentrum des Baugewerbes (BZB), die auch einen Ausbilder sowie einen weiteren Betreuer mit auf die Reise schicken. Partner auf der Insel, die ein Übersee-Département Frankreichs ist und damit zur Europäischen Union gehört, ist die Berufsschule Le Horizon in St. Denis. Die zwölf teilnehmenden Lehrlinge der Berufsgruppen Maurer, Fliesenleger, Stuckateure, Zimmerer und Straßenbauer führen in der ersten Hälfte des Austausches eine Projektarbeit in der Schule durch. Die zweite Hälfte beinhaltet ein fachspezifisches Praktikum auf einer Baustelle. "Unser Meister im BZB hatte drei Maurerlehrlinge ausgesucht, wobei gute Noten und Sozialverhalten sowie keine Fehlzeiten ausschlaggebend waren", berichtet Dahmen. "Wir haben dann Bewerbungen geschrieben und ich hatte das Glück, einen Austauschplatz zu erhalten." Da sie in einem für Frauen immer noch äußerst seltenen Beruf arbeitet, ist die junge Frau die einzige weibliche Vertreterin in der Berufsschule. Bei der überbetrieblichen Ausbildung gibt es lediglich eine weitere junge Frau, die allerdings den Beruf des Zimmermannes erlernt. "Der Meister in der Schule sagt, er hat es schon seit Jahren nicht mehr erlebt, dass eine Frau den Maurerberuf ergreift", berichtet Dahmen. Schon während sie das Clara-Schumann-Gymnasium besuchte, wo sie ihr Abitur machte, war es ihr Wunsch, einmal in der Denkmalpflege zu arbeiten. Altes zu erhalten liegt ihr am Herzen. Den Weg dorthin hat sie nach einem Jahr in Australien mit der Lehre im Brüggener Unternehmen Kiwall & Söhne gestartet, das sich auf Arbeiten in der Denkmalpflege spezialisiert hat. Dahmen findet die Arbeit im Bereich der Denkmalpflege einzigartig, weil es nicht nur eine Frage des reinen Könnens ist. Es könne nicht nach irgendwelchen DIN-Normen gearbeitet werden. Es müssten individuelle Lösungen gefunden werden. "Was auf der einen Baustelle gilt, muss noch lange nicht für die nächste gelten. Es ist eine Herausforderung, sich mit den Materialien auszukennen. Man muss ein Gefühl für die Arbeit in der Denkmalpflege bekommen und auch bereit sein, quer zu denken", bestätigt Antonius Kiwall. Dass seine Auszubildende jetzt für drei Wochen an dem Austausch im Indischen Ozean teilnimmt, sieht der Maurermeister und geprüfte Restaurator im Maurerhandwerk als einmalige Chance an. "Die gönne ich ihr von ganzem Herzen." Bei den drei Wochen haben sich die beiden auf Hälfte Urlaub und Hälfte Arbeitszeit geeinigt.

Quelle: RP
 
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