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Serie Zu Gast . . . .beim Kempener Boxclub
Das ist nichts für schwache Muskeln

Willich. Die Serie entführt an ungewöhnliche Orte und stellt Themen und Menschen in den Mittelpunkt, die sonst wenig Beachtung finden. Heute geht es um den Box-Club Kempen 04 und ein Probetraining beim Fitness-Boxen. Von Stephanie Wickerath

kempen Schon nach zehn Minuten weiß ich: Das hier ist was für Kämpfernaturen, für Leute, die die Zähne zusammenbeißen und weitermachen, auch wenn es weh tut. Und es tut weh, schon währenddessen, und am nächsten Tag erst recht. 30 Minuten Aufwärmtraining mit der Gruppe Fitness-Boxen beim Box-Club 04 Kempen hält niemand beim ersten Mal durch. Ich auch nicht, obwohl ich die Zähne zusammen gebissen habe.

In Drei-Minuten-Einheiten wird 30 Minuten lang Seil gesprungen, werden Liegestütze gemacht, Hampelmänner, Sit-ups, heißt es auf der Stelle zu laufen und dabei die Fäuste nach vorn schnellen zu lassen, auf dem Boden liegend die Beine gestreckt hochzuhalten und ähnlich charmante Übungen zu absolvieren, die die Muskeln zittern lassen. Pausen gibt es nicht. "Weiter, weiter, weiter", peitscht Trainer Uli Rost der Gruppe ein. Schnelle, aggressive Musik gibt den Rhythmus vor.

Nach dem Aufwärmtraining ist das Schlimmste geschafft. Im Nebenraum werden jetzt Bandagen um Hände gewickelt und Boxhandschuhe angezogen. Woher die anderen die Kraft nehmen, jetzt noch eine Stunde lang gegen einen der 13 Sandsäcke zu boxen, die hier an der Decke hängen, ist mir schleierhaft. Tapfer mache ich mit, lerne etwas über Führhand und Schlaghand, über Deckung und Beinarbeit. Als der Fotograf endlich ein brauchbares Bild geschossen hat, reicht es mir für heute. Völlig entkräftet steige ich aus dem Probetraining aus.

Dieter Elser und Uli Rost, zwei der zertifizierten Trainer des Kempener Clubs, finden es lustig, dass mir der Schweiß in Strömen runterrinnt und ich alle Kraft, die je in mir war, verpulvert habe. Die beiden absolvieren das Programm täglich - und das seit Jahren. Uli Rost hat in den 1960ern aktiv geboxt. 18 Kämpfe hat er bestritten, aber schließlich aufgehört, weil er im Schichtdienst arbeitete. Noch heute, mit 67 Jahren, sieht man ihm den Boxer an. Nicht nur, weil er topfit ist, sondern auch, weil er diesen federnden Gang hat und eine Körperhaltung, die wirkt, als halte er immer die Deckung aufrecht.

Als Trainer ist der ehemalige Boxer, der 2004 zu den Neugründern des Clubs gehörte, unerbittlich. "Bei ihm ist der Ton schon etwas rauer", sagt Volker Rose, Pressesprecher des Vereins. Aber das passt. Disziplin spielt eine wichtige Rolle beim Boxen, Kraft und Kondition bauen sich nicht von allein auf. "Beim Fitness-Boxen werden nicht nur alle Muskeln trainiert", sagt Uli Rost, dessen Art die Gruppe anstachelt, weiterzumachen, auch wenn es weh tut, "auch Kondition, Koordination und Konzentration spielen eine große Rolle bei den Übungen."

Vielleicht ist das Training so beliebt, weil es Körper und Geist schult. Von montags bis donnerstags treffen sich um 18.30 Uhr rund 15 Leute in den Räumen des Clubs an der Otto-Schott-Straße. Für Menschen, die länger arbeiten, bietet Dieter Elser außerdem montags von 20 bis 21.30 Uhr eine Trainingseinheit an. Die Gruppen sind bunt gemischt, Frauen und Männer zwischen 20 und 50 sind dabei, alle Berufsstände sind vertreten. Fitness-Boxen ist nicht nur für die harten Jungs von der Straße.

Aber natürlich wird im Kempener Box-Club auch richtig, sprich Mann gegen Mann, geboxt. Werner Schäfer, siebenfacher Deutscher Meister in den 1970er-Jahren, Ernst Verhoeven und Andre Colella, der mehr als 90 Amateurkämpfe bestritten hat, steigen regelmäßig in den Ring (der nebenbei bemerkt eckig ist) und trainieren die Boxer, die den Club bei Kämpfen repräsentieren - und das erfolgreich. Mit Christian Eloundou haben die Kempener sogar den mehrfachen kamerunischen Meister im Amateurboxen und Kick-Boxing in ihren Reihen.

Quelle: RP
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