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Stadt Willich
Das Leben in einer grünen Oase

Stadt Willich: Das Leben in einer grünen Oase
Das begrünte Haus der Familie Hormes. FOTO: franz-heinrich busch
Stadt Willich. Udo Hormes hat vor Jahren sein Haus beranken lassen. Heute leben er und seine Familie in einer grünen Oase, die viele Vorteile mit sich bringt. Die Pflanzen sind ein Lebensraum für Vögel. Von Bianca Treffer

Wenn Udo Hormes über Hausbegrünung informiert, dann weiß der Mitarbeiter der Grünflächenplanung der Stadt Willich genau wovon er spricht. Seit nunmehr 23 Jahren leben er und seine Familie in einem Haus, das ein grünes Kleid trägt. An den Hauswänden rankt sich nämlich dreiblättriger Wilder Wein nach oben. "Viele lachen immer, wenn sie unser Haus sehen und vergleichen es mit einem Gesicht, da die oberen Fenster wie Nase und Augen wirken. Weil wir auf den unteren Fensterbänken Blumenkästen mit rötlich blühenden Pflanzen haben, sieht es hingegen aus wie ein Mund", berichtet Steffi Hormes.

Angefangen hat alles zwei Jahre nach dem Hauskauf. Das Ehepaar startete mit einer ersten Begrünungsecke mit Efeu und Wilden Wein. "Das Efeu wucherte hoch. Der wilde Wein wuchs und fiel aber ab einer gewissen Höhe wieder runter", erinnert sich Udo Hormes. Beide Varianten erschienen der Familie nicht optimal. Sie setzten sich intensiver mit dem Thema Begrünung auseinander und stellten fest, dass sie auf den falschen Wein gesetzt hatten. Der Fünfblättrige, den sie angepflanzt hatten, verfügt über wenig Haftfüße. Wogegen der Dreiblättrige viel mehr Haftscheiben hat und sich dementsprechend ohne irgendwelche Rankhilfen zu benötigen, auch in luftiger Höhe gut festhalten und entwickeln kann. Knöterich kam nicht infrage, weil er sehr schnell wächst, kaum zu bändigen ist und zudem eine Rankhilfe braucht.

Steffi und Udo Hormes tauschten ihre Pflanzen aus. Das Efeu wurde an den Carport umgesetzt und rund ums Haus kamen fünf Pflanzen des dreiblättrigen Weines. Und diesmal klappte alles nach Wunsch. Der Carport wurde dank der Überrankung durch das Efeu zum Zuhause einer ganzen Spatzenkolonie und der Wein ummantelte das Haus, wobei er pro Jahr rund zwei Meter nach oben wuchs. Argumente, die für eine Begrünung sprechen, gibt es reichlich. Der für die Familie Hormes wohl wichtigste Grund ist der ökologische Aspekt. Die Begrünung ist ein Lebensraum für Vögel und Insekten. Dazu kommt die Tatsache, dass es im Sommer angenehm kühl ist. "Wenn man unser Haus betritt, ist es selbst an heißen Sommertagen deutlich kühler als in den nicht begrünten Nachbarhäusern an unserer Straße", sagt Udo Hormes. Der Wein wirkt wie eine Wärmedämmung. Hormes lassen dabei das Grün sogar ein stückweit in die Fenster hängen und schneiden es in diesem Bereich nicht zurück. "Wir empfinden das etwas schummrige Licht im Sommer als angenehm", sagt Steffi Hormes. Im Winter erledigt sich die natürliche Beschattung der Fenster von selber. Der wilde Wein wirft sein Laub ab. Zuvor aber gibt es Jahr für Jahr im Herbst ein einmaliges Farbenspiel. Die Blätter verfärben sich in fantastische Rottöne. Neben dem Wärmeschutz gibt auch Lärmminderung, denn die Schallwellen werden in einem deutlich geringeren Maße reflektiert.

Die Bausubstanz als solche wird zudem durch das Grün vor UV-Einstrahlung, Schlagregen und Schmutzablagerungen geschützt. "Viele sorgen sich, dass Fugen angegriffen werden könnten, das ist aber nicht der Fall", berichtet Udo Hormes. Hausbegrünungen sorgen für eine Verbesserung des Mikroklimas. Kohlenstoffdioxid wird aus der Luft gebunden, Sauerstoff gebildet, Staubteilchen absorbiert und die Temperatur gesenkt. Alle ein bis zwei Jahre schneidet Udo Hormes den Sims an seinem Haus frei.

Der Laubfall im Herbst ist schnell beseitigt und findet als Mulch im Garten seinen Platz. Was Udo Hormes wohl vor der Hausbegrünung gemacht hat war ein Gespräch mit dem städtischen Tiefbauamt. "Unser Haus steht direkt am Bürgersteig und für die beiden dortigen Pflanzen haben wir jeweils eine Bürgersteigplatte herausgenommen und etwas Erde eingefüllt. Dafür haben wir um eine Genehmigung gebeten", berichtet Hormes. Das war kein Problem. Zeitgleich hat die Familie darauf geachtet, nicht in der Nähe des Hausanschlusses anzupflanzen, denn wenn dort einmal gearbeitet werden muss, würde wichtiges Wurzelwerk zerstört werden. Die Hormes und ihre drei Kinder möchten das Grün nicht mehr missen.

Quelle: RP
 
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