| 00.00 Uhr

Stadt Willich
Das Wasser als Naturkraft

Stadt Willich. Ansgar Skiba stellt Teile seine Werke zurzeit in der Galerie Schloss Neersen aus. Die Bilder haben eine raumgreifende Wirkung, die Landschaften sind menschenleer. Die Zeichnungen entstehend ausschließlich in der Natur. Von Angela Wilms-Adrians

Farbe ist der Stoff, aus dem Ansgar Skiba seine Bilder gestaltet. So beschrieb Kuratorin Jutta Saum zur Vernissage in der Motte von Schloss Neersen die Materialität in Skibas großformatigen Gemälden - und die Besucher dürften ihr angesichts der dynamischen Farbstrukturen Recht geben. Bis zum 3. April zeigt der Künstler aus seinem breit aufgestellten Schaffen ausschließlich Malerei und Zeichnung zum Thema Landschaft und Meer.

Die Präsentation hält in kleinen Mondbildern einige stillere Momente bereit. Doch dominierend ist die Präsenz einer energetischen Bewegung, die dem Betrachter entgegen zu kommen scheint und keine Distanz zulässt. Ein riesiges Format konzentriert sich auf auftürmende Wellen, die von einer siedenden weißen Gischt bekrönt scheinen - fast, als wollten sie sich im nächsten Augenblick über den Betrachter ergießen. Ein mittelgroßes Format ist ebenfalls ausschließlich dem Meer gewidmet. Motive von Gletschern, Wellen, Gebirgsseen und Meeresküsten thematisieren immer wieder auch das Wasser als eine Naturkraft. Duktus und Materialität scheinen ein Rauschen der Farben und Strukturen zu entfachen. Komposition und malerische Geste spiegeln in der dynamischen Ausstrahlung immer auch einen Prozess der Veränderung. Der Künstler gestaltet die pastos und temperamentvoll wirbelnden Farbaufträge mit den Händen nach, so das kaum noch von einer zweidimensionalen Bildfläche gesprochen werden kann. Der Betrachter staunt ob dieser raumgreifenden Wirkung und ist fast versucht, diese Materialität tatsächlich greifen zu wollen.

Ansgar Skiba wurde 1959 in Dresden geboren und hat dort auch an der Hochschule für Bildende Künste studiert. 1982 reiste er in den Westen aus und schloss ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf an. Er suche die Landschaft ohne menschlichen Bezug, sagt der Künstler. Ein Blick auf sein Werk genügt, um die Worte bestätigt zu sehen. Die Landschaften sind nicht nur menschenleer, es fehlt auch jeglicher Verweis auf menschliche Spuren, wie etwa eine Straße oder ein Gebäude. Mit Skibas Werk vertraut, berichtete Saum: Reale Landschaften böten die Inspiration, wären für den Künstler außerdem Ort der Zuflucht und der Selbstfindung, während die Gemälde nicht unmittelbar abbildend seien, sondern auch das spiegelten, was im Künstler geschehe. So sind Skibas Landschaften immer auch von einem aufgeladenen Rhythmus der emotionalen Bewegung durchdrungen. Der Künstler selbst bekennt, dass es ihn um die Bewegung von Naturkräften sowie die Bewegung von Farbe und Komposition gehe. Diese Bewegung hat denn auch etwas Packendes, das in den großen Arbeiten ungefiltert auf den Betrachter einstürzt.

Die Zeichnungen entstehen ausschließlich in der freien Natur. Sie sind keine Vorstudien für die großen Gemälde, klingen aber im Duktus verschiedener Arbeiten nach. Im Ausdruck sind die Zeichnungen ebenfalls sehr bewegt, hier nun aber ausschließlich über die Linienführung. Jutta Saum erinnerte bei dem in Dresden geborenen Künstler an die Romantik, deren Grundgedanke gewesen sei, dass die Natur alles zurückfordere. "Seine Bilder haben etwas davon", befand die Kunsthistorikerin. Skibas Landschaftsgemälde bieten keine Ruhepunkte, sondern Energie pur.

Umso erstaunlicher muten da die separat gehängten Nachtstücke in Tusche auf Holz an. Im Grün gegen Dunkel entfaltet sich ein sanftes Leuchten. Für sie hat der Künstler die Nacht zeichnend im Freien verbracht und mit weißer Tusche behutsam das Licht eingefangen. Diese Bilder wollen abseits ihrer temperamentvollen Nachbarn entdeckt werden.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Stadt Willich: Das Wasser als Naturkraft


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.