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Stadt Willich
Dem Katzenelend ein Ende setzen

Stadt Willich: Dem Katzenelend ein Ende setzen
Der kleine Kater Tom hatte Glück, sein Leben wurde gerettet. Nun lebt er bei Manuela Mihalic, der Zweiten Vorsitzenden des Vereins "Tierschutz für Willich". FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. In Willich und Umgebung steigt die Zahl der Katzen rapide. Der Verein "Tierschutz für Willich" plädiert für eine Kastrationspflicht von freilaufenden Tieren, um das Problem einzudämmen. Von Bianca Treffer

Tom hat einen Schutzengel. Dass der vier Wochen alte Kater vergnügt auf seinen Pfötchen durch das Wohnzimmer von Manuela Mihalic tapst und die Welt entdeckt, grenzt fast an ein Wunder. Sein Leben wäre vor vier Wochen beinahe am Kendelbach in St. Hubert geendet. Dort hatte nämlich jemand den kleinen Kater und seinen Bruder in einem fest verschlossenen Jutebeutel abgelegt. Eine Spaziergängerin wurde durch ihren Hund auf den Beutel aufmerksam, öffnete ihn und entdeckte die beiden wenigen Tage alten Katzenkinder. Sie alarmierte darauf hin den "Tierschutz für Willich", der die Katerchen aufnahm und päppelte. Tom hatte Glück, er überlebte. Sein Bruder hingegen schaffte es nicht.

"Hier wollten sich Bürger der ungewollten Katzenkinder entledigen. Das ist leider kein Einzelfall", weiß die zweite Vorsitzende des Vereins aus Erfahrung. In den vergangenen Wochen stieg die Zahl von Anrufen, bei denen Bürger Katzenkinder, in Pappkartons ausgesetzt, oder Muttertiere mit Babys entdeckten. Die Zahl der Katzen ist beim "Tierschutz für Willich" so innerhalb kürzester Zeit auf 60 Tiere gestiegen - Tendenz steigend. "Wir haben den Eindruck, dass es immer mehr werden. Die Leute schaffen sich die Tiere an, lassen sie frei herumlaufen, aber nicht kastrieren. Wenn es dann passiert, entsorgt man den ungewollten Nachwuchs irgendwo oder behauptet, man habe ihn gefunden", sagt Mihalic.

Der Verein wünscht sich daher eine Kastrationspflicht für Freigänger. Und hier sind Verwaltung und Politik gefragt, um diese Anregung umzusetzen. Doch was bislang in 86 Städten in NRW ungesetzt wurde, darunter auch in Düsseldorf und Neuss, scheint in Willich nicht zu funktionieren. "Ich habe mir bei einem meiner Besuche in der Stadtverwaltung sagen lassen müssen, dass es für das Problem der freilaufenden Katzen schließlich Jäger und Landwirte gebe", berichtet Mihalic. Sie kann diese Haltung nicht nachvollziehen. "Wir sind in Deutschland nicht weit von südländischen Verhältnissen entfernt. Aber das scheint niemand wahrhaben zu wollen", sagt die Anratherin.

Der "Tierschutz für Willich" versucht indes, Aufklärungsarbeit zu leisten, und hilft, Katzen zu kastrieren, wo immer es möglich ist. Von Bürgern auf Problemstellen aufmerksam gemacht, suchen die Mitglieder des Vereins landwirtschaftliche Betriebe und Privatpersonen auf. Vor Ort führen sie Gespräche mit dem Ziel, die Katzenbesitzer von einer Kastration zu überzeugen. Kein einfaches Unterfangen, das zudem für den Tierschutz für Willich auch teuer und nur mit Hilfe von Spenden finanzierbar ist. Denn die Wenigsten, die einer Kastration der hauseigenen Katzen zustimmen, kommen auch für die Kosten auf. Diese übernimmt dann der Tierschutzverein, damit kein weiteres Katzenelend entsteht.

Pro Jahr kommt der Tierschutz für Willich auf durchschnittlich 250 Kastrationen, wobei es rund 170 weibliche Tiere sind. "Oft erleben wir es aber auch, dass wir von einem Hof gejagt werden oder einzelne Personen völlig uneinsichtig sind. Wir haben dann keine Handhabe. Hätten wir eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen in Willich, sähe die ganze Sache anders aus", sagt Mihalic. Für die Stadt kämen bei der Einführung einer Kastrationspflicht für Freigänger dabei keine Kosten auf. Der Tierschutzverein würde sich um die Umsetzung kümmern und dank entsprechender rechtlicher Handhabe auch agieren.

Quelle: RP
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