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Stadt Willich
Dem Zünsler geht es an den Kragen

Stadt Willich: Dem Zünsler geht es an den Kragen
Das kleine Monster einmal im Detailbild: Der Buchsbaumzünsler in der Fressphase. FOTO: Hans-Peter Reichartz
Stadt Willich. Die Städte Willich und Tönisvorst kapitulieren vor dem Buchbaumszünsler. Beide Kommunen entfernen befallene Buchsbäume. Der Pflanzenfachmann Franz Beckers hat Tipps für den Kleingärtner. Von Bianca Treffer

Der Buchsbaum im Neersener Schlossgarten gehört der Vergangenheit an. Ob das Rondell im Eingangsbereich oder die zahlreichen Hecken - die Stadt entfernt die Pflanzen. "Vor dem Hintergrund des Befalls durch den Buchbaumzünsler haben wir uns für diese Maßnahme entschlossen. Das Spritzen mit dem Bacillus thuringiensis ist bei der Vielzahl der Pflanzen, die auf Friedhöfen und Anlagen stehen, logistisch schwierig umzusetzen, zumal es witterungsabhängig ist", berichtet Andreas Kublank vom Geschäftsbereich Landschaft und Straßen der Stadt Willich. Stattdessen pflanzt man nun Eibe und Ilex an - und zwar je nach Standortvoraussetzungen im Wechsel. Auf diesem Weg möchte die Stadt Willich einen möglicherweise weiteren flächenweiten Ausfall verhindern, sollte eine andere Schädlingsart Eibe und Ilex für sich entdecken.

Auch in Tönisvorst kreist die Säge. "Dass eine Pflanzengattung so befallen wird, haben unsere Fachleute in teilweise über 30-jähriger Tätigkeit noch nicht erlebt", sagt Pressesprecherin Catharina Perchthaler. Buchs wuchs bis dato auf den städtischen Friedhöfen und in Pflanz-kübeln an diversen Stellen in der Stadt. War es im vergangenen Jahr nur ein vereinzelter Befall, so ist der Buchsbaumzünsler nun flächendeckend anzutreffen. Daher fiel auch hier der Entschluss, zukünftig auf Buchs zu verzichten und stattdessen Ilex Crenata anzupflanzen, der buchsbaumähnlich ist und vergleichbare Eigenschaften hat, die bis zum Formschnitt reichen.

Während die beiden Städte aus Zeitgründen auf die drastische Maßnahme des Entfernens zurückgreifen, können Kleingärtner im privaten Bereich aber anders agieren. Wie es geht, weiß Pflanzenfachmann Franz Beckers. Vielen ist der ehemalige Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer von den Gartenmärkten im Freilichtmuseum in Grefrath bekannt, wo er kostenfrei Tipps rund den Garten gibt. "Buchs lässt sich gegen den Zünsler gut mit dem Bacillus thuringiensis behandeln", sagt Beckers.

Die erste Raupenwelle ist derzeit gerade vorüber. Die Raupen verwandeln sich in Puppen und fliegen teilweise schon aus. Ende Juni/Anfang Juli wird daher die Sommergeneration erwartet. Für den Gartenbesitzer heißt dies, den Buchs genau zu beobachten. In den Abendstunden sollte kräftig am Buchs gerüttelt werden. Fliegt der Falter, der aussieht wie eine hellgraue Motte mit einem braunen Saum an den Flügeln, auf, so kann davon ausgegangen werden, dass die Pflanze befallen ist und Eier abgelegt wurden. Im ersten Raupenstadium, insgesamt gibt es fünf Stadien, frisst die Raupe die Blätter nicht, sondern schabt das Blattgrün ab. "Das heißt: Tauchen Blätter mit einem hellen Schein und durchsichtigen Spitzen auf, sind die Raupen am Werk, und das Spritzmittel Bacillus thuringiensis kommt zum Einsatz", erklärt Beckers.

Besonders wichtig ist es, das für Menschen und Tiere ungiftige Präparat nicht nur von außen auf den Buchs zu sprühen, sondern auch in der Mitte der Pflanze zu verteilen. Denn erfährt der Buchs eine Berührung, so verkriechen sich die Raupen gern im Inneren und verstecken sich in den Gespinsten. In der Regel ist eine Behandlung ausreichend, da es sich um ein Fraßgift handelt. Ist das Wetter aber unbeständig, und es regnet, verdünnt der Regen das Bakterium, und es muss nochmals gespritzt werden. Wollen Gartenbesitzer generell auf Nummer sich gehen, kann drei bis sieben Tage nach dem ersten Spritzen eine Wiederholung erfolgen. Auch wer das erste Raupenstadium verpasst hat, braucht sich nicht zu grämen. Das Bakterium greift in den sich anschließenden vier Raupenstadien ebenso. Ein vorbeugendes Spritzen ist nicht möglich, so Beckers weiter. Die Raupe muss vor Ort sein, damit es wirkt. Ein kahler Buchs sollte übrigens nicht zurückgeschnitten werden. "Einfach stehen lassen, er treibt wieder aus", weiß der Pflanzenfachmann aus Erfahrung.

Quelle: RP
 
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