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Willich
Der Cent wandert zum Alteisen

Willich: Der Cent wandert zum Alteisen
Alfred Erren vom gleichnamigen Schreib- und Spielwarengeschäft ärgert sich über die zusätzlichen Gebühren. FOTO: Kaiser
Stadt Willich. Die Einzelhändler in Willich sind nicht begeistert, und auch viele Bürger zeigen wenig Verständnis für die Neuregelung der Sparkasse Krefeld. Für die Münzgeldannahme sind nämlich jetzt Gebühren zu zahlen. Von Bianca Treffer

Der Bürger zahlte schon länger, der Einzelhandel muss seit gestern in die Tasche greifen, wenn er Münzgeld zum Geldinstitut bringt. Die Ursache ist die neue Regelung der Sparkasse Krefeld. Wer bislang sein Kleingeld daheim in einem Sparschweinchen sammelte und dieses Geld dann zum Zählen und Einzahlen auf das eigene Konto zur Bank brachte, brauchte für diesen Service keine Gebühr zu bezahlen. Seit dem 1. März ist es aber anders. Der Kunde zahlt fünf Euro pro Vorgang, wenn es sich um mehr als 50 Münzen handelt. Bis zu 50 Münzen bleibt das Angebot kostenfrei.

"Das ist im Münzgesetz entsprechend geregelt und wird an der Kasse als Bareinzahlung verbucht. Die Münzen nehmen wir danach in den normalen Hartgeldbestand der Kasse auf", sagt Sparkassen-Pressesprecher Peter Bauland. Darüber hinaus ist ein Beitrag von fünf Euro je Zählvorgang fällig, wobei es sich maximal um 1700 Münzen handeln darf. Bei Beträgen bis zehn Euro fällt die Hälfte des gezählten Münzbetrages an. Wer also lediglich acht Euro in mehr als 50 Münzen abgibt, ist mit einer Gebühr von vier Euro dabei. Für den Einzelhandel greift die neue Regelung seit dem 1. April.

Vor dem Hintergrund, dass sich der Einzelhandelsverband NRW Kempen-Krefeld-Viersen eingeschaltet hat, kam es zu der einmonatigen Verschiebung. "Wir befinden uns mit der Sparkasse im Gespräch und eruieren gerade mit einer Umfrage bei unseren Mitgliedern, wie hoch der Gebührenaufwand bei den verschiedenen Geschäften sein wird, um eine weitere Gesprächsgrundlage zu haben", berichtet Markus Ottersbach vom Verband.

Bei den Einzelhändlern ist die Stimmung indes getrübt. "Der Geldverkehr als solcher ist schon teuer. Jetzt wird es noch teurer. Ich sehe die Gebühren sehr kritisch, denn sie werden sich für unser Geschäft im Laufe eines Jahres zu einer nicht unerheblichen Summe aufaddieren, da wir viel mit Kleingeld zu tun haben", sagt Alfred Erren vom gleichnamigen Schreib- und Spielwarengeschäft in Willich. Er würde die Centstücke demnächst am besten zum Alteisen bringen, da würden sie wahrscheinlich mehr bringen, fügt der Einzelhändler ironisch an.

Kleingeld spielt auch bei der Willicher Bäckerei Greis eine große Rolle. Wer Brötchen und Co. einkauft, zahlt in der Regel bar und nutzt oft Kleingeld. "Die neuen Gebühren sind natürlich nicht schön. Sie reihen sich nun in die generellen Gebühren für EC-Karte und Cash-System ein. Wir werden sie aber auf keinen Fall auf die Kunden umlegen. Das passiert im bargeldlosen Bereich schließlich auch nicht", sagt Claudia Greis.

Hintergrund der neuen Gebühren ist die vor einem Jahr in Kraft getretene EU-Verordnung zur Hartgeldprüfung. Laut der Sparkassen-Pressestelle sah sich die Sparkasse Krefeld gezwungen, aus organisatorischen und Kostengründen die Annahme und Bearbeitung mit Gebühren zu belegen. Aufgrund der Menge der Münzen lag die jährliche Kostenbelastung schon vor der EU-Verordnung bei über 1,3 Millionen Euro. Der nun vorgeschriebene Mehraufwand durch die Prüfung trieb die Kosten weiter nach oben, sodass sich die Sparkasse zu dem Gebührenschritt entschloss.

"Alle Münzen müssen in der Tresorkasse versandfähig gemacht werden. Selbst wenn Kunden ihre Münzen selbst rollen und abgeben, müssen diese Rollen wieder geöffnet und von unseren Mitarbeitern kontrolliert werden. Wir sind dazu verpflichtet, alle Münzeingänge auf Echtheit und Umlauffähigkeit zu kontrollieren", informiert Bauland über die Mehrarbeit. Die Bundesbank nimmt nur noch Münzrollen an, die nach den Vorgaben dieser EU-Verordnung erstellt wurden - also sortenrein gerollt und mit einer Prüfnummer versehen.

Es kommen Tonnen von Münzen zusammen. Allein an einem Tag im Februar summierten sich im Sparkassen-Einzugsbereich Kreis Viersen, Krefeld und Gelderland die Münzen auf acht Tonnen, die gezählt, geprüft und verarbeitet werden mussten. Dennoch erhebt die Volksbank keine Gebühren, solange es sich um die eigenen Kunden handelt. Beide Geldinstitute verlangen aber einheitlich 30 Cent pro Münzrolle, wenn Kunden Kleingeld holen kommen.

Quelle: RP
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