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Stadt Willich
Der Herr der Apfelbäume

Stadt Willich. Herbert Mertens hat als 14-Jähriger mit dem Obstanbau begonnen. Noch heute ist der 70-jährige Senior-Chef des Obsthofs Mertens täglich in den Obstplantagen in Willich unterwegs und pflegt mehr als 24 000 Bäume. Von Wolfgang Dille

Wenn Herbert Mertens von seinen Apfelbäumen erzählt, leuchten die Augen im braun gebrannten Gesicht des mittlerweile weißhaarigen Obstbauern. Angefangen hat alles auf dem Kohnenhof am Schiefbahner Hubertusplatz, direkt gegenüber dem Hauptportal der Pfarrkirche. "Wir waren mit fünf Jungens zu Hause und mein Vater Heinrich meinte damals zu mir, du sollst nicht Landwirt werden, sondern Obstbauer", erzählt der 70-jährige.

Starthilfe auf zehn Morgen

Mit 14 Jahren begann Herbert 1954 eine Obstbau-Lehre in Kempen. Anschließend war er in einem staatlichen Betrieb in Krefeld-Großhüttenhof. Parallel pflanzte sein Vater Heinrich vor 55 Jahren auf den ersten zehn Morgen Land (2,5 Hektar) an der Willicher Straße in Schiefbahn Apfelbäume – als Starthilfe für den Sohn, der so nach der Ausbildung mit der Anzucht und Vermarktung von Edelobst beginnen konnte. Pro Hektar waren es rund 1300 Apfelbäume, die gepflegt werden mussten. "Damals musste der Boden zwischen den Bäumen noch gepflügt und aufgelockert werden", erzählt Mertens: "Heute ist das einfacher, da wird Gras in den Fahrgassen eingesät."

Die erste Frucht der Apfelbäume wurde 1958 geerntet und auf dem eigenen Hof verkauft. "Von nun an ging es bergauf", meint Mertens. Als zweites Standbein schaffte sich der Jung-Obstbauer Hühner an und begann zusätzlich mit dem Verkauf von Eiern. Der Kohnenhof, schon damals einer der größten Bauernhöfe im Ortskern, musste um Hühnerställe erweitert werden. Dafür wurde der alte Kuhstall umgebaut.

Pferde-Unterstand der Feuerwehr

Der uralte "Conenhof" in seinem Ur-Zustand ist erstmals um 1500 urkundlich erwähnt. 1773 wird in einem Hofbuch ein "Chris Mertens" erwähnt, für den ein Pflug angefertigt werden musste. Ein weiterer Vorfahre des heutigen Besitzers war nach dem Ersten Weltkrieg lange Zeit Beigeordneter der Gemeinde Schiefbahn und Vorsitzender der Kreisbauernschaft. Und so diente der Hof auch als Pferde-Unterstand für die Brandspritze der Feuerwehr.

Bei den Kämpfen um Schiefbahn im Zweiten Weltkrieg brannte der Hof 1945 bis auf die Grundmauern nieder. "Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern", berichtet Herbert Mertens: "Wir mussten mit der ganzen Familie aus den Flammen flüchten. Mein Vater hat den Hof nachher mit Steinen vom Krefelder Westwall wieder aufgebaut." Im Laufe der Jahre reichte der Platz trotz Wiederaufbau nicht mehr aus, denn Anfang der 70er Jahre begann der Schiefbahner mit dem Anbau von Erdbeeren. Es folgten Himbeeren, Kirschen, Pflaumen und Birnen.

So baute Herbert Mertens 1986 im heutigen Wekeln seine erste Halle. 1992 entstand der moderne neue Obsthof an der Landstraße kurz vor Wekeln. Heute wird er von Sohn Frank und Schwiegertochter Nadine bewirtschaftet – und nach wie vor sind Äpfel die Hauptprodukte des Betriebes. In den Plantagen reifen auf zehn Hektar, an etwa 24 000 Bäumen, jährlich rund 250 Tonnen Früchte heran. Herbert Mertens pflegt sie immer noch und ist täglich bei "seinen Apfelbäumen".

Quelle: RP
 
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