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Stadt Willich
Der Landrat auf dem Prüfstand

Stadt Willich. Dr. Andreas Coenen musste sich beim Deutsch-Lettischen Freundeskreis um einen Platz in der Wohngemeinschaft bewerben - so wie in der Fernsehsendung "Zimmer frei". Dabei musste er auch Bleistifte anspitzen und Äpfel schälen. Von Willi Schöfer

Götz Alsmann war etwas ergraut, auch Christine Westermann hatte sich etwas verändert. Bei genauerem Hinsehen waren es nicht die zwei Moderatoren der WDR-Fernsehshow "Zimmer frei", sondern Wolfgang Brock und Hildegard Herber-Spahn vom deutsch-lettischen Freundeskreis. Und die Zwei hatten noch einen "Sessel frei": diesmal für den neuen Landrat des Kreises Viersen, Dr. Andreas Coenen.

Entsprechend der Kultserie im WDR präsentierte sich in der WG des Begegnungszentrums "Kudl" der 41-jährige Coenen einmal ganz anders, frei von der Politik. "Wir wollen ihn mal als einen ganz normalen Menschen kennenlernen", stimmte Hildegard Herber-Spahn auf die Info- und Spaßveranstaltung ein. Per Video-Botschaft schaltete sich im Laufe des Abends sein früherer Studienkollege Lars Hettich ein und nannte einige seiner Vorlieben: den Wein, die Nuss-Nougat-Creme und das Bergsteigen. Hettich bedauerte, "dass es im Kreis Viersen keinen Dreitausender gibt, den würde Andreas sofort erklimmen".

Man erfuhr unter anderem, dass der Kreispolitiker Klavier spielt, auch schon einmal bei Gottesdiensten an der Orgel gesessen hat, gern in Südtirol auf die Berge klettert und vor allem jede freie Minute mit seiner Familie und seinen Söhnen Leonhard (5) und Ludwig (19 Monate alt) verbringt. Wenig Zeit hat der Viersener für die Gartenpflege: "Ich mähe aber so alle zwei Wochen den Rasen, damit ich darauf mit meinen Kindern besser spielen kann." Wenig Zeit habe er derzeit für andere Hobbys. Sein Vorsatz: mal wieder öfter zu joggen oder schwimmen zu gehen.

"Ich habe Zimmer frei immer gerne geguckt", sagte Ulrike Krüger, auch ihr Ehemann Bernd wollte Andreas Coenen mal näher kennenlernen. Die Beiden waren aus Vorst gekommen. Etwa eine halbe Stunde saßen sich Schreinermeister Bernd Krüger und der Landrat gegenüber, mussten bei einem Spiel auf Zeit Bleistifte spitzen. Das Spiel ging unentschieden aus. Auch kurz darauf, als Coenen und Birgit Schmitz Apfelschalen möglichst dünn und lang von der Frucht schälten, gab es keinen eindeutigen Gewinner.

Die Gäste in der WG erfuhren, dass Andreas Coenen in Viersen-Bockert aufgewachsen ist, dort auch dieselbe Grundschule besuchte, in der bald auch sein Sohn Leonhard eingeschult wird. Da sein Vater bereits Jura studierte und zuletzt Generalstaatsanwalt in Köln war, machte er es ihm nach. Coenen: "Eigentlich wollte ich danach öffentliches Recht an einer Uni lehren, aber dann bin ich zur Verwaltung gekommen, ich habe es nie bereut." Vor seiner Wahl zum Landrat war Coenen Kulturdezernent beim Kreis Viersen. Und dass er schon früh ein Faible für die öffentliche Verwaltung hatte, beweist der Titel seiner Doktorarbeit im Jahr 1999: "Die Strafbarkeit von Verstößen gegen das Haushaltsrecht bei der Bewirtschaftung öffentlicher Mittel."

Und der neue Landrat kannte sich im Kreis aus. Er erkannte größtenteils bestimmte Wahrzeichen schon aus kleinsten Foto-Ausschnitten, probierte auch seine geliebte Nuss-Nougat-Creme. Zuvor hatte ihm Agnes Brock Grünkohl mit Mettwurst gereicht. "Das ist doch stark, dass Sie in Ihrer Heimat auch arbeiten können" - die Äußerung der 87-jährigen Marianne Meiendresch konnte Andreas Coenen nur bestätigen. Was er auf einem Foto nicht gleich erkannte, war die Neersener Kapelle Klein-Jerusalem. "Sie können Neersen zu jeder Zeit besser kennenlernen, sind hier immer herzlich willkommen", sagte Wolfgang Brock zum Abschluss.

Als nächste Veranstaltung wird im "Kudl" (Neersen, Hauptstraße 81) am Donnerstag, 28. Januar, 18.30 Uhr, der Kinofilm "Der Glöckner von Notre Dame" gezeigt. Der Eintritt beträgt fünf Euro.

Quelle: RP
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