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Stadt Willich
Der Reifenwechsel ist in vollem Gange

Stadt Willich: Der Reifenwechsel ist in vollem Gange
Michael Bossmann, Filialleiter von Premio in St. Tönis, sieht Allwetterreifen nur bei unter 12.000 Kilometer Laufleistung im Jahr als Zwischenlösung. FOTO: ACHIM HÜSKES
Stadt Willich. Die Autohäuser haben mächtig zu tun, weil viele Autofahrer offenbar einen schnellen Wintereinbruch fürchten. Gestern gab es einen kleinen Vorgeschmack. Der große Reifen-Run kommt aber wohl erst Anfang November. Von Willi Schöfer

Die Deutschen sind für ihre Gründlichkeit bekannt. Schon fallen die ersten Blätter von den Bäumen und gehen die Temperaturen etwas zurück, wird der Reifenhandel angefahren. Die Umrüstung von Sommer- auf die Winterreifen hat bereits begonnen. Der Trend geht hin zu den insgesamt nicht so teuren Allwetterreifen. Die Rheinische Post hat sich mal umgehört.

So geht bei den "Profil-Profis" an der St. Töniser Straße in Alt-Willich oder beim Premio Reifen- und Auto-Service an den Hohenhöfen 20 in St. Tönis der Run jetzt so langsam los. Premio-Filialleiter Michael Bossmanns bestätigte, dass immer mehr Altwetterreifen gekauft würden. Seine Einschätzung ist, dass dieser Reifen nur für Jahresleistungen von etwa 10.000 bis höchstens 12.000 Kilometer eine Zwischenlösung sei. Ein normaler Reifenwechsel koste bei ihm pro Satz 23,80 Euro, so viel wie die Einlagerung pro Saison. Eine komplette Ummontage der vier Reifen auf neue Felgen schlage mit 59 Euro zu Buche. Um die Fahrsicherheit und den Fahrkomfort zu erhalten, empfiehlt er generell, Sommerreifen bei einer Profiltiefe von 3 mm und Winterreifen bei 4 mm auszuwechseln.

Bislang waren die Kunden auch immer gut bei Reifen Scholl an der Benrader Straße in St. Tönis bedient worden. Telefonisch war dieser Betrieb in den letzten Tagen nicht zu erreichen, man hörte stets nur ein Freizeichen. Aus gutem Grund: Der Handel ist vorübergehend geschlossen. Die beiden Gesellschafter Joachim Witte und Andreas Nellessen haben kürzlich ein Insolvenzeröffnungsverfahren beantragt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde bereits am 9. September der Düsseldorfer Rechtsanwalt Peter Houben bestellt. Dies wurde jetzt von seinem Büro bestätigt. Noch ungeklärt ist, wie die Kunden an ihre dort zwischengelagerten Reifensätze kommen. Eine Mitarbeiterin von Peter Houben kommentierte: "Das ist nicht geklärt, auch zu dieser Frage wird gerade noch ein Gutachten erstellt."

"Vielleicht glauben die Kunden, wir bekommen einen besonders strengen Winter, denn die Auftragsbücher sind jetzt schon sehr gut gefüllt und etwa hundert Fahrzeuge haben wir schon umgerüstet", sagte vor wenigen Tagen Ralf Klopsch, der mit seinem Vater Ludwig seit 2006 den Reifenhandel und -service an der Hülser Straße 130 in Kempen führt. Die Umrüstung auf die Winterreifen hat dort schon längst begonnen. Darum kümmern sich nach Aussagen des Junior-Chefs dreieinhalb Mitarbeiter. Dreieinhalb? "Der halbe Mitarbeiter bin ich, ich packe auch oft mit an", sagt schmunzelnd Ralf Klopsch.

Sollte nicht vorher der Forst kommen, dürfte der große Run Anfang November losgehen. Und was ebenfalls Ralf Klopsch festgestellt hat, dass der Trend zu den Allwetter- und Jahresreifen immer mehr zunimmt. Er weist darauf hin, dass diese Reifen keine "Heilsbringer" seien, aufgrund ihrer Beschaffenheit auch im Sommer bei trockenem Wetter für längere Bremswege sorgen. Dieser Reifen käme nur dann in Betracht, wenn man kleine und relativ leichte Autos fahre und im Jahr in der Region nur zwischen 8.000 und 10.000 Kilometer fahre. Wovon Klopsch gar nichts hält: von so manchen Internet-Angeboten, bei denen diese Jahresreifen für bestimmte Größen schon ab 30 Euro zu haben sind. Klopsch dazu: "Da kann was nicht stimmen, müssen Angaben, so das Alter, fehlen oder gefakt sein." Auch einige seiner Kunden würden sich billige Jahresreifen wünschen; Klopsch: "Aber die können doch nicht preiswerter sein, als die speziellen Sommer- oder Winterreifen." Er weist ferner auf die Fachberatung vor Ort hin und unter anderem auf die Möglichkeit des Einlagerns der Sommer- oder Winterreifen hin. Die reine Einlagerung kostet dort 23,80 Euro. Ein normaler Reifenwechsel koste dort komplett 15 Euro, eine komplette Ummontage, also mit einem Austausch der Felge, je nach Größe zwischen 40 und 60 Euro.

Eine gute Adresse ist unter anderem auch das Tendyck-Autohaus an der Hülser Straße 69 in Kempen. Das Autohaus hat weitere Betriebsstätten in Nettetal und Dormagen. Die Gesamtleitung hat der 56-jährige Obermeister der Viersener KFZ-Innung Richard Tendyk. "Auch bei uns geht es jetzt so langsam mit dem Reifenwechsel los", sagt Tendyck, der einen guten Jahresreifen bei geringer jährlich Kilometerzahl ("unter zehntausend) als Kompromiss bezeichnet. Dort gibt es sogar ein "Reifenhotel", das bis zu 1.200 Sätze fasst, und wo die Gummis bis zur nächsten Umrüstung zwischengelagert werden können. Bei Tendyck kostet der einfache Umtausch komplett 20 Euro. Müssen auch die Reifen auf neue Felgen gezogen werden, zahlt man dafür mit Reinigung und Auswuchtung ab 55 Euro. Pro Saison und Reifensatz zahlt man für Montage und Lagerung je nach Reifengröße zwischen 39 und 59 Euro.

Quelle: RP
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