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Stadt Willich
Der Schlosspark: Kleinod voller Abwechslung

Stadt Willich: Der Schlosspark: Kleinod voller Abwechslung
FOTO: Hüskes Achim
Stadt Willich. Gartenkunst, Skulpturen, Kulinarisches, Ökologie, Abenteuer und ganz viel Natur - all das vereint der Schlosspark Neersen. Hinter dem Virmondschen Schloss liegen 23 Hektar Fläche, die entdeckt werden wollen. Von Bianca Treffer

Aus den Bäumen erklingt Vogelgezwitscher, und von der zum Schlossgraben abfallenden Rasenseite ist Entengeschnatter zu hören. Ein Eichhörnchen flitzt einen Baum hinauf, Insekten umbrummen einen blühenden Strauch. Leises Gemurmel dringt aus Richtung Schlossbühne herüber, wo gerade eine Vorstellung der Neersener Festspiele läuft, ansonsten ist es still. Der Blick fällt über eine der vielen Sichtachsen in den Park hinein. Gepflegte Rasenflächen, mächtige alte Bäume, dazwischen weitere Sträucher. Inmitten des Grüns blitzt es immer wieder metallisch auf, selbst im Wassergraben. Diverse Skulpturen unterschiedlicher Künstler sind zu sehen. Willi Brüll ist genauso vertreten wie Georg Ettl und El Loko. Wer den Neersener Schlosspark betritt, muss erst einmal staunen.

Keine barocke Gartenanlage erwartet den Besucher, sondern eine neun Hektar große Fläche, angelegt nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten, wobei Graf Virmond schon seinerzeit exotische Bäume mit nach Neersen brachte. Ein Werk, entstanden um 1899 und bis heute erhalten. Doch die Anlage an sich ist es nicht allein, die den Park ausmacht: Der große klassische Park und seine 14 Hektar große Erweiterungsfläche zeichnen sich durch eine einmalige Konstellation aus. Hier treffen verschiedene Bereiche aufeinander und machen die Anlage für kleine und große Besucher gleichermaßen interessant und abwechslungsreich.

Auch für die Kunst gibt es reichlich Platz im Schlosspark. FOTO: Hüskes Achim

Der Park kann mit allen Sinnen erlebt werden. Wer die Kunst liebt, erfreut sich an der Skulpturensammlung, die den klassischen Teil ziert. Ein wunderschöner Anblick ist die direkt hinter dem Schloss liegende Blumenparterre, eingerahmt von Werken Ettls und der sich anschließenden Wassertreppe in den Schlossgraben. Dieser zieht sich komplett um das als Verwaltungssitz genutzte Schloss, das seinerseits als sogenannte Motte vor rund 800 Jahren entstand. Insgesamt 25 Kunstwerke sind verstreut im Grün zu finden.

Besuchernasen kommen im Rosarium auf ihre Kosten. 25 Edelrosen, begleitet von Lavendel, verströmen ihren Duft und laden ein, auf einer der Bänke Platz zunehmen und das Szenario zu genießen. Nicht minder schön, aber doch eher praktisch geht es ein Stückchen weiter im Bürgergarten zu. Der Haus- und Nutzgarten, etwas versteckt hinter der Orangerie gelegen, wird von den Bürgern bewirtschaftet, wobei das Jugendfreizeitzentrum No.7 die Patenschaft übernommen hat. In der Orangerie selbst kommen Naschkatzen auf ihre Kosten, denn hier ist in den Sommermonaten eine Eisdiele zu finden. Apropos Essen: Im Vorwerk des Schlosses gibt es eine Pizzeria. Aber natürlich kann auch auf den Parkwiesen gepicknickt werden.

Schautafeln sollen den kleinen und großen Besuchern die Zusammenhänge in der Natur näherbringen. FOTO: Hüskes Achim

Entlang der gewaltigen Kübel mit den Zitronenbäumchen, die die Wiesen teilweise einrahmen, geht es am Brunnen vorbei in Richtung Wasser. Den Graben um das Schloss speist nämlich die Cloer, und die wurde mittels eines langen Grabens direkt in den Park verlegt. "Der Schlossgraben, früher von der Niers gefüllt, die direkt am Schloss vorbeifloss, war trockengefallen. Im Zuge der Euroga im Jahr 2002 haben wir den Graben wieder aktiviert, einen Nebenarm der Cloer geschaffen und so auch Wasser in den Schlossgarten gebracht", informiert Franz-Carl Hübner von der Stadtplanung. Vom Graben plätschert es in einen Teich, wobei eine Hebeanlage hilft, das Wasser aus dem tiefer gelegenen Graben hochlaufen zu lassen. Mehrere kleine Brücken queren die inmitten des Parks liegenden Wasserbereiche.

Kurz bevor es in den Erweiterungsteil geht, trifft der Besucher auf den Spielplatz. Dieser lockt unter anderem mit Nestschaukel, zahlreichen Wipptieren, einem Feuerwehrauto, einer großen Holzkletterlandschaft und einem ebenso gewaltigen Holzhaus. Über eine der besagten Brücken geht es in den zweiten, naturnah gestalteten Parkbereich. "In diesem Part haben wir viel zusammen mit dem Nabu, Ortsgruppe Willich, umgesetzt", berichtet Hübner. Dort gibt es die Eva-Lorenz-Umweltstation mit dem Naturerlebnisgarten samt Backhaus und Nistkastenwand, die Spielwiese der Station, den Sträucherlehrpfad, den Barfußpfad sowie den Waldsaumgarten. "Die Cloer, die hinter der Station einen kleinen See gibt, war einst das Freibad der Neersener. Der Tümpel verlandete allerdings. Im Zuge der Reaktivierung des Schlossgrabens erweckten wir diesen Bereich wassertechnisch wieder zum Leben", sagt Hübner.

Nicht nur fürs Auge, sondern auch für die Nase ist der liebevoll gestaltete Rosengarten ein wahrer Genuss. FOTO: Hüskes Achim

Auf dem eigens gestalteten Waldlehrpfad kann der Besucher indes den Wald auf vielfältige Art und Weise erleben. Totholzmauer, Holzartenbestimmung, Weidenobjekte, Infotafeln zum Waldkreislauf und das gerade neu angelegte Formicarium vermitteln praxisnah und spannend Waldwissen. Ein Spaß für die ganze Familie ist die Tierweitsprung-Station des Waldlehrpfads.

Der zweite Part des Schlossgartens hat aber noch mehr zu bieten: Hier liegen der Mitte der 80er-Jahre angelegte Hochzeitswald, die Wildblumenwiesen, das Heckenlabyrinth mit der klingenden Überraschung in der Mitte und die sich im Aufbau befindliche Schmetterlingsinsel. Den Kopf in den Summstein stecken, auf Rollen laufen, die Balancierscheibe ins Gleichgewicht bringen oder sich per Gigantenschaukel in Richtung der Baumwipfel bewegen - entlang der Wege reihen sich zudem die unterschiedlichsten Spiel- und Sinnesstationen aneinander. Langweilig wird es im Schlosspark nie.

"Das schönste Lob für eine Stadt ist es, wenn der Park in Anspruch genommen wird", sagt Franz-Carl Hübner. Auf den Neersener Schlosspark trifft dies auf der ganzen Linie zu. Aber auch die Pflanzen und Tiere haben ihren eigenen Bereich: Für Besucher nicht zugänglich ist der eigens geschaffene Retentionsraum.

Quelle: RP
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