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Stadt Willich
Der tiefere Sinn ist heiter

Stadt Willich: Der tiefere Sinn ist heiter
Intendant Jan Bodinus (mit Hut) empfiehlt, nicht nur auf die Hauptrollen (als Dorfrichter Adam: Michael Schanze (6.v.r.)) zu achten, sondern auch auf die vielen Nebenrollen. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Mit "Der zerbrochene Krug" feiert das dritte große Stück der Neersener Schlossfestspiele am 29. Juli Premiere. Der Intendant verspricht anspruchsvolles, feinsinniges Theater. Die Hauptrolle hat Michael Schanze übernommen. Von Stephanie Wickerath

Intendant Jan Bodinus kommt aus dem Schwärmen nicht heraus. "Der zerbrochene Krug" von Heinrich von Kleist sei ein tolles Stück, und die Neersener Freilicht-Bühne vor dem Schloss rufe geradezu nach diesem Klassiker. "Es geht um Macht und Standesunterschiede, und das lässt sich natürlich mit den Treppen unserer Bühne wunderbar symbolisieren", sagt der Intendant, der die Regie übernommen hat. Auch zeitlich passen Kulisse und Stück zusammen: "Der zerbrochene Krug" spielt 1685, die Neersener Burg wurde 1661 zum heutigen Schloss umgebaut.

Bodinus empfiehlt den Zuschauern, neben Kulisse und Bühnenbild, auf die Nebenrollen zu achten, denn die Inszenierung sei wie ein Wimmelbild, es lohne sich, überall hinzuschauen. Auch die Sprache, diese ganz besondere Kleist-Sprache mit ihren Blankversen, bringt den 54-Jährigen zum Schwärmen. "Es ist ein wirklich anspruchsvolles Stück", sagt der Intendant, der ausdrücklich das Ensemble lobt, das es verstehe, den Klassiker mit Feinsinn umzusetzen.

Tatsächlich sind die Rollen hochkarätig besetzt. Den Dorfrichter Adam, der über das Vergehen richten soll, in das er selbst verwickelt ist, spielt Michael Schanze. Der 70-Jährige hat sich eigens für diese Rolle eine Glatze rasieren lassen. Er betont, dass bei aller Ernsthaftigkeit, die in dem Werk stecke, der tiefere Sinn heiter sei. "Der Krug hat nicht all die Jahre Erfolge gefeiert, weil das Thema Machtmissbrauch immer aktuell ist, sondern, weil das Stück lustig ist, eine wirklich lustige Komödie, bei der trotz der ernsten Basis Leichtigkeit mitschwingt."

Sein Gegenspieler ist Heinz-Hermann Hoff, ein Neersener Urgestein. Er spielt den Gerichtsrat Walter, der als neutraler Beobachter kommt und "die Steine ins Rollen bringt, unter denen der Dorfrichter schließlich begraben wird", wie Hoff es selbst formuliert. Der Gerichtsrat steht für einen Umbruch. Er will kein Bauernopfer, er will den wahren Täter überführen und verkörpert damit die moderne Gerechtigkeit, nach der vor dem Gericht jeder Mensch gleich ist.

Außerdem steht Gideon Rapp auf der Bühne, ebenfalls ein großartiger Darsteller, der diesmal in einer für ihn untypischen Rolle zu sehen ist. Der 34-Jährige spielt den Gerichtsschreiber Licht, einen Mann der leisen und intriganten Töne. "Zur Abwechslung hüpfe ich mal nicht wie ein überdrehtes Kind über die Bühne", sagt Rapp zu seiner Rolle, die bei aller Zurückhaltung sehr vielschichtig ist.

Holger Stolz, ebenfalls bestens bekannt in Neersen, spielt Ruprecht, das vermeintliche Bauernopfer, das beschuldigt wird, den Krug zerbrochen zu haben, aber zu Protokoll gibt, einen Einbrecher beobachtet zu haben, bei dessen Flucht der Krug zu Bruch gegangen sei. Und auch die anderen Rollen sind mit Maria Arnold (Eve), Verena Wüstkamp (Frau Marthe), Jennifer Tilesi Silke, Kay Szacknys, Sylvia Schitter, Sven Post und Reinhild Köhncke gut besetzt und sollten nicht aus den Augen gelassen werden.

Im Gegensatz zu "Michel aus Lönneberga" und "Honig im Kopf", die anderen beiden großen Stücke der Saison, gibt es für "Der zerbrochene Krug" noch Karten im Vorverkauf. Jan Bodinus weiß aus jahrelanger Theatererfahrung, dass Klassiker nie so viel Zuspruch bekommen wie moderne Stücke, aber: "Es lohnt sich, wir locken das Publikum mit Qualität", verspricht der Intendant.

Quelle: RP
 
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