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Gemeinde Grefrath
Die alten Bräuche lebendig erhalten

Gemeinde Grefrath. Das Freilichtmuseum feiert eine Filmpremiere. Das Museumsteam produzierte mit fachlicher Unterstützung einen Film, der sich um Winterbräuche am Niederrhein dreht. Am 5. November ist die Premiere von "Kalte Tage, raue Nächte". Von Bianca Treffer

Was haben der Dülkener Martinszug, der Nikolaustag in Mönchengladbach-Hardt, das Weihnachtsfest einer Familie aus Neukirchen-Vluyn, das Neujahrsfest im Raum Viersen und das Sternsingen in der Gemeinde Grefrath gemeinsam? Es sind gleich zwei Sachen. Es handelt sich allesamt um Bräuche und sie finden sich alle im ersten Film, den das Team des Niederrheinischen Freilichtmuseums, allen voran Kevin Gröwig, der stellvertretende Museumsleiter, produziert hat. "Wenn Bräuche nicht gepflegt werden, sterben sie. Wir als Museum bewahren sie. Unser neues Filmprojekt ist ein Beitrag, sie für die Zukunft zu erhalten", sagt Gröwig.

Weil Bräuche lebendig sind und von den Menschen leben, die sie ausüben, entschied sich das Museumsteam, das Medium Film zu nutzen. Mit Unterstützung des Kreismedienzentrums und des Mönchengladbacher Medienbüros Müller-Bringmann entstand auf diesem Weg der halbstündige Film "Kalte Tag, raue Nächte - Winterbräuche am Niederrhein". Aus der über das Jahr verteilten Vielzahl der Bräuche entschied man sich für die Winterbräuche, weil diese in einem relativ kurzem Zeitrahmen dicht beieinander liegen.

So startet der Film mit dem 11. November. Bertram Hoogen erzählt über den Dülkener Martinszug und seine Besonderheiten wie die große Narrenmühle als Fackel oder das Martinsfeuer in Form einer brennenden Strohmühle. Was es am 6. Dezember mit den Hardter Nikoläusen auf sich hat, verrät die Nikolaus-Bruderschaft Mönchengladbach-Hardt. Weihnachtlich wird es, wenn bei einer Familie in Neukirchen-Vlyun die Tür zum Weihnachtszimmer aufgeht. Die Tradition des Baumschmückens als auch das Fest an sich finden sich wieder. Dass das Milchkannenböllern früher ein Brauch zu Neujahr war und das alte Jahr tot geschossen wurde, wissen heute nur noch die wenigsten. Prof. Dr. Helena Siemes und Silvia Busch lassen es wieder aufleben und erzählen vom Brezelteigschlagen und dem Glücksrad.

Am 6. Januar schließlich geht es mit den Heiligen Drei Königen auf zum Sternsingen. Kinder berichten von ihrem Zug durch die Gemeinde, bei dem Spenden für notleidende Kinder gesammelt werden. Jeder Beitrag ist ein bunter Mix aus Interviews, Filmaufnahmen und eingeblendeten Fotos sowie einem kurzen Filmbeitrag aus Österreich. "Wir haben die Sternsinger bei Eiseskälte zwei Tage mit der Kamera begleitet, haben Hausbesuche gemacht und sind mit dem Nikolaus in Hardt mitgezogen", sagt Gröwig, der zusammen mit einem Kameramann auf Tour war. Ein Drehbuch als solches gab es nicht, lediglich die Bräuche standen fest. "Wir haben die Menschen einfach reden lassen. Das eigentliche Filmkonstrukt entstand beim Schnitt", erklärt der stellvertretende Museumsleiter. Material sei für gut 20 Stunden da gewesen, fügt er schmunzelnd an. Herausgekommen sind genau 29 Minuten und 49 Sekunden, die auf einfühlsame und unterhaltsame Art wunderschöne Geschichten vom Niederrhein erzählen, bei denen auch mal herzlich geschmunzelt werden kann. Wenn die Verwandlung in einen Nikolaus ansteht oder das in Österreich stattfindende Milchkannenböllern zu sehen ist, ist Lachen angesagt. Insgesamt arbeitete das Team von der Idee bis zum fertigen Produkt ein Jahr an dem Werk, in dem unterschiedlichste Menschen, vom Kind bis zur Professorin, zu Wort kommen. "Bräuche sind ein strukturgebendes Element. Sie geben Halt und Struktur im Leben", sagt Kreiskulturdezernent Ingo Schabrich und verdeutlicht damit deren immense Bedeutung. Passend zum Film, der ab dem 7. November im Halbstundentakt im museumspädagogischen Raum des Freilichtmuseums läuft, gibt es eine Studioausstellung zum Thema. Statt Ausstellungstafeln arbeitet das Museum mit einem Begleitkalender.

Die ganze Aktion im Museum ist ein Teil der Ausstellungsreihe "Himmelwärts" des Kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerkes Niederrhein.

Quelle: RP
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