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Stadt Kempen
Die atemraubende Virtuosität von Natalia Anchutina

Stadt Kempen. Beim gemütlichen Spätnachmittagskonzert im gut gefüllten Vortragsraum des Hauses "Wiesengrund" lernten die Besucher mittels schöner Musik ein Instrument kennen, von dem sie bis dahin vermutlich nicht einmal den Namen kannten: Die Domra.

Dabei handelt es sich um ein mandolinenartiges, mit drei Stahlsaiten bespanntes Instrument, das ursprünglich aus dem 11. Jahrhundert stammt, als Vorläufer der Balaleika gilt, lange vergessen war und erst im 19. Jahrhundert von einem Geigenbauer wiederentdeckt wurde. Inzwischen gilt es in Russland als Konzertinstrument.

Die Moskauerin Natalia Anchutina, die in ihrem Heimatland als eine der besten Domra-Spielerinnen gilt und dort mehrfach ausgezeichnet wurde, ist zur Zeit mit ihrem aus Aschaffenburg stammenden Klavierbegleiter wieder einmal auf großer Tournee. Jährlich ist das Duo etwa vier Monate lang unterwegs - und glücklicherweise machte es jetzt auch in Kempen Station.

Die beiden außergewöhnlichen Künstler zu erleben, ist schon etwas Besonderes. Neben dem kultivierten, punktgenau und sehr musikantisch auf seine Partnerin zugeschnittenen Klavierspiel von Lothar Freund war es vor allem die oft atemberaubende Virtuosität der hübschen und sehr sympathischen Russin, die faszinierte.

Dabei verstand sie es, auf ihrem mit Plastikplättchen gespielten Instrument nicht nur rassige Rhythmen, sondern auch ausdrucksvolle Melodien zu zaubern. Die Gäste stellten - neben einigen Originalwerken russischer Komponisten - überwiegend Bearbeitungen vor. Dabei erlebten die aufmerksam mitgehenden Zuhörer teils hoch anspruchsvolle Werke - beispielsweise die bekannte "Passacaglia" von Johan Halvorsen, einen spanischen Tanz von Pablo de Sarasate, eine Kostprobe aus den "Polowetzer Tänzen" von Alexander Borodin und sogar den Finalsatz aus dem e-Moll Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Nach schwungvollen Rhythmen im zweiten Teil, gewürzt mit humorvoller Moderation von Lothar Freund, verabschiedeten sich die Künstler - nach sehr viel Applaus - mit der stilsicher interpretierten, ganz ruhigen "Air" von Johann Sebastian Bach.

(OEH)
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