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Stadt Willich
Die Bauern stehen in den Startlöchern

Stadt Willich: Die Bauern stehen in den Startlöchern
Mit Folien versuchen viele Landwirte, dem bisher kaltem Frühjahrswetter ein Schnippchen zu schlagen und früher zu ernten. Das Foto entstand in St. Tönis von der Straße Biwak Richtung Norden. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Die Willicher und Tönisvorster Landwirte möchten mit der Aussaat beginnen. Viele Felder sind aber zu nass, Grund zur Sorge gibt es noch nicht. Schweinezüchter und Milchbauern haben andere Sorgen: Sie klagen über Tiefstpreise. Von Willi Schöfer

"Hört Waltraud nicht den Kuckuck schreien, dann muss er wohl erfroren sein", so heißt eine alte Bauernregel für den April. So schlimm ist es zwar derzeit nicht, aber es könnte jetzt doch etwas wärmer und beständiger mit mehr Sonnenlicht sein. Denn viele Kartoffel- und Gemüsebauer warten darauf, mit der großen Aussaat beginnen zu können. Schweinemastbetriebe oder Milchbauern haben andere Sorgen: Sie klagen über die Tiefstpreise. Die RP hat sich mal umgehört.

Einige meiner Kollegen haben schon mit dem Pflanzen der Frühkartoffeln begonnen", sagt gelassen der Willicher Ortslandwirt Theo Heyes (65). Er sei gerade bei der Düngung und hofft, ebenfalls die Aussaat von Zuckerrüben und Kartoffeln im April erledigen zu können. Natürlich habe er sich etwas bessere Voraussetzungen gewünscht. So seien die Monate Januar und Februar zu warm, der März zu nass gewesen.

Bei Hans Leo Sieben (63) vom Clörather Kartoffelhof mit seiner Anbaufläche von etwa 45 Hektar steckt bereits etwa ein Viertel seiner Aussaat von Vlies und Folien abgedeckt im Boden. Die erste Ernte erwarte er bereits im Mai, wohl wenige Wochen später als üblich. Lagerkartoffel habe er noch von der letzten Ernte im vergangenen Jahr. Hans Leo und sein Sohn Andre (34) beliefern unter anderem zahlreiche Real-Märkte und Hofläden. Und da es im vergangenen Jahr große Trockenheits-Perioden gab und daher anderenorts das Angebot zurückgegangen war, seien die Preise für die noch gelagerten Kartoffeln derzeit gut. So müsse der Endverbraucher für die 2,5 Kilo-Tüte derzeit zwischen 2,50 und drei Euro zahlen. Voraussichtlich im Herbst wollen Vater und Sohn die neue Sorte "Vitalotte" auf den Markt bringen. Einen Erdapfel mit lilafarbenem Kartoffelfleisch, das einen leichten Trüffelgeschmack haben soll.

"Klar ist es derzeit auf den Feldern zu nass, aber noch gibt es keinen Grund zur Sorge", sagt Christian Küskens, der im 5. Jahr Kreislandwirt und schon etwas länger Vorsitzender der Kreis-Bauernschaft ist. Der 56-Jährige baut in diesem Jahr größtenteils Futtermais, den eiweißhaltigen Futterklee und Gras an, will damit in den nächsten Wochen beginnen. Einige seiner Kollegen sind bereits mit der Zuckerrüben-Einsaat gestartet. "Wir brauchen jetzt einige trockene Tage, damit wir mit unseren Fahrzeugen auf die Felder können und Temperaturen um die 15 Grad wären dann optimal", ergänzt der Landwirt aus Niederkrüchten.

Was Christian Küskens wirklich Sorgen macht, ist der weiter fortschreitende Strukturwandel. So sei es schon fast normal, dass es jährlich zu einem Rückgang von zwei bis drei Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe komme. Als Gründe nennt er die Probleme der kleineren Höfe aber vor allem auch: "Dass jeden Tag in NRW etwa 12 Hektar Ackerland verlorengehen." Und die Aussichten seien, gerade für die Schweinehalter und Milchbauern alles andere als rosig. "Wir wollen keine Subventionen, sondern faire Preise und uns nicht weiter von Großabnehmern erpressen lassen", sagt er.

"So langsam hört der Spaß auf, denn schon längst sind die Milchpreise nicht mehr kostendeckend", klagt Martin Dahmen (61) vom Großklaushof in Vorst. Seine 200 Milchkühe geben am Tag etwa 5.000 Liter. Derzeit liegt der Abnahmepreis ohne etwaige Qualitätszuschläge bei netto 25 Cent. "Bei einer schwarzen Null müsste es mindestens 30 Cent sein, der Gewinn fängt bei etwa 35 an", ergänzt Dahmen, der bei diesen Voraussetzungen davon ausgeht, dass das Schrumpfen der Betriebe weitergehe. Dahmen pflanzt außerdem Zuckerrüben, Kartoffeln und Getreide an. Etwa 80 Prozent der Saat seiner Frühkartoffeln stecken bereits im Boden. Auch er wünscht sich jetzt eine Schönwetterperiode.

Ähnlich wie Dahmen klagt auch Milchwirt Christoph Tenhaef, Vorsitzender der Ortsbauernschaft Grefrath und Ortslandwirt, über die derzeitigen Tiefstpreise. Mit der Zeit gegangen ist übrigens sein Vinkrather Kollege Toni Hübecker. Der 60-Jährige bewirtschaftet mit seinen Söhnen Sebastian und Fabian nicht nur den großen Schweinemastbetrieb mit derzeit etwa 1.800 Stück. Die Drei hatten als weiteres wichtiges Standbein, den Kartoffelanbau, in den vergangenen Jahren von einst 30 auf mittlerweile bis zu 80 Hektar immer weiter ausgebaut; sie beliefern vor allem die niederländische Fritten-Industrie.

Hübecker spricht bei den Preisen, die er für die Schweine vom Schlachthof bekommen, in dieser Woche sind es 1,31 Euro das Kilo, von einem Tief, das schon seit November 2015 anhalte. Vor etwa drei Wochen lag der Kilopreis sogar beim historischen Tiefstwert von 1,24. Um kostendeckend und mit gleicher Qualität zu arbeiten brauche er mindestens 1,35 Euro. Auch Hübecker kritisiert, dass wenige große Schlachthöfe beziehungsweise Erzeugergemeinschaften auf dem Markt seien und diese den Preis diktieren würden. Für den Kempener Ortslandwirt Peter Josef Coenen, der unter anderem Kartoffeln, Zuckerrüben und Salate anbaut, sei das derzeitige Wetter normal. Auch er erhofft sich jetzt Trockenheit und Sonne. Ab der nächsten Woche würden die Kartoffeln und Zuckerrüben gesät, im Mai käme dann der Kohl an die Reihe, meint Coenen.

Quelle: RP
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