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Stadt Willich
Die Comedian Harmonists der "Schmachtigallen"

Stadt Willich. "Veronika, der Lenz ist da", "Wochenend' und Sonnenschein", "Liebling, mein Herz lässt dich grüßen" - diese und kaum zu zählende weitere eingängige Lieder sind untrennbar mit der unvergessenen Gruppe verbunden, die sie einst berühmt machte und die durch sie berühmt wurde: die "Comedian Harmonists". An sie erinnerten jetzt die "Schmachtigallen", das bei den Neersener Schlossfestspielen immer wieder gern gesehene und gehörte Vokalquartett. Von Gert Holtmeyer

Es sind ja vielleicht gar nicht mal so sehr die Lieder selbst, die die Erinnerung an die Comedian Harmonists wach halten. Es sind zum einen die äußerst raffinierten Arrangements und die abenteuerliche Virtuosität der Darbietungen. Und zum zweiten die immer wieder faszinierende und dann erschütternde Geschichte der Gruppe - in zuerst schwierigen (Weimarer Republik) und dann fürchterlichen politischen Verhältnissen (unter den Nazis).

Das alles wurde im ausverkauften Ratsaal von Schloss Neersen wieder zum Leben erweckt. In einer auf alle Ensemblemitglieder verteilten informativen Moderation wurde daran erinnert, wie 1927 eine Annonce des mittellosen jungen Berliners Harry Frommermann fünf Sänger und einen Pianisten zusammenbrachte. Nach einem Start unter größten Entbehrungen und härtester Probearbeit führte der Weg steil nach oben, zu internationalem Ruhm und märchenhaft hohen Einnahmen. Der Konzertveranstalter in Kopenhagen sparte sich die Kosten für Plakate: Das Konzert war schon vor Druckbeginn ausverkauft.

Jan Hoffmann und Martin Ludwig (Tenor), Roland Furch und Severin Geissler (Bass) sowie Andreas Sommer am Klavier dürften beim Proben gemerkt haben, wie schwer das so leicht Klingende zu singen und zu spielen ist. Allerdings: davon war bei der Aufführung nichts mehr zu merken. Mit einer bewundernswerten Lockerheit präsentierten sie ihr Programm. Musikalisch lief es hervorragend, auch Zungenbrecher in den Texten und Instrumenten-Imitationen wie in Rossini-Ouvertüren wurden souverän gemeistert. Dazu waren die Ensemblemitglieder stets Bewegung, auf der Bühne und gelegentlich auch mitten im Publikum.

Ein Titel jagte den anderen: "Mein kleiner grüner Kaktus", "Ein Freund, ein guter Freund", "Marie, ich bin verliebt in Sie", "Schöne Isabella aus Kastilien", "Ich hab für dich nen Blumentopp bestellt". Und mit rührender Schlichtheit wurden Volkslieder zum Klingen gebracht: "Guter Mond, du gehst so stille", "In einem kühlen Grunde".

Die Nazis erteilten den drei jüdischen Mitgliedern Auftrittsverbot, das Ensemble teilte sich in zwei Nachfolgegruppen. Beide Gruppen, die in Deutschland bleibende und die emigrierte, schafften nicht die Integration von alten und neuen Mitgliedern. Das von den Nazis erzwungene Ende der Comedian Harmonists untermalten die Schmachtigallen schließlich mit den traurigen und sentimentalen Liedern der Gruppe: "Lebe wohl, gute Reise", "Gib mir den letzten Abschiedskuss".

Durch den nicht enden wollenden begeistertem Beifall ließen sich die "Schmachtigallen" noch drei Zugaben entlocken. Zwei wurden mit herrlicher Komik und Virtuosität vorgetragen, die "Bar zum Krokodil" und Mozarts "Türkischer Marsch". Und als Gute-Nacht-Wunsch folgte schließlich noch der "Abendsegen" aus Engelbert Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel": "Abends, will ich schlafen gehn".

Die Mitglieder der die originalen Comedian Harmonists waren: Arie Leschnikow, Erich Collin und Harry Frommermann (Tenor), Roman Cycowski (Bariton), Roland Biberti (Bass) und Erwin Bootz (Klavier). Auftrittsverbot erteilten die Nazis Collin, Frommermann und Cycowski.

Quelle: RP
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