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Stadt Willich
Die Festspiele - vom Winde verweht

Stadt Willich: Die Festspiele - vom Winde verweht
Gebannt lauschten die 100 Zuschauer in der Gartenlesung die Darbietungen der sechs Mitwirkenden aus dem Ensemble der Schlossfestspiele Neersen. Und auch das Wetter spielte mit, so dass die Gartenlesung wirklich im Garten stattfand. FOTO: ACHU
Stadt Willich. Bei der ausverkauften Gartenlesung "Wohin der Wind uns trägt" hat Christine Csar eine literarisch-musikalische Reise präsentiert, bei der es ernst und leidenschaftlich, aber auch humorvoll-heiter zuging. Von Eva Scheuss

Es ist ein schöner, privater, fast intimer Charakter, der diese Veranstaltung auszeichnet. Die so genannte Gartenlesung im Rahmen der Schlossfestspiele Neersen hat bereits eine große Tradition. Ort dafür ist der idyllische Innenhof des im Schlosspark gelegenen, aus Backstein gemauerten Vorwerks, wohl Teil der ehemaligen Befestigungsanlage. Dicht sind die Stühle um den zentralen Brunnen mit seinen Buchsbaumbepflanzungen herangerückt. Ein Gingkobaum, der einst Goethe inspirierte, steht im Hintergrund, wie passend für eine literarische Veranstaltung, die am Sonntag mit rund 100 Zuhörern ausverkauft ist.

Die Hauptperson rauscht draußen in den hohen Bäumen, die hinter den Gebäudeteilen aufragen. Denn er steht thematisch im Mittelpunkt: der Wind. Eine literarisch-musikalische Reise hat Christine Csar den Zuhörern versprochen, ganz nach dem Motto: "Wohin der Wind uns trägt." Die Regieassistentin, seit langem Mitglied des Neersener Schlossfestspielensembles, zeichnet für diese Veranstaltung verantwortlich. Sie hat aus einem reichen literarischen Fundus geschöpft, aus der großen Vielfalt ein buntes Gewebe gesponnen, das sie mit Hilfe von Ensemblemitgliedern den Gästen unterhaltsam und spannend präsentiert. Der Wind, jenes Element, das nur in seinen Auswirkungen sichtbar wird, hat Künstler aller Zeiten inspiriert. Gedichte, Balladen, Erzählungen, Lieder beschäftigen sich mit dem Wind, mit seiner Gegensätzlichkeit vom sanften Säuseln bis zum furchterregenden und zerstörerischen Sturmesbrausen. Er steht als Synonym für die Freiheit des Geistes und der Kunst. Als unkontrolliert entwichener "Leibeswind" kann er so unangenehme Nebenwirkungen hervorrufen, wie das abrupte Ende einer Liebesbeziehung. Auch in Liedern ist er vielfältiger Akteur. Die Seemannslieder, vorgetragen mit passender Kopfbedeckung und begleitet vom Akkordeon, lassen die Gäste mitsummen und singen. Bei "La Paloma", im Stil von Hans Albers gesungen, schwingen auch die Arme im Takt.

Ernst, dramatisch, besinnlich und leidenschaftlich, aber auch humorvoll-heiter reihen sich die szenisch aufbereiteten Sequenzen aneinander. Etwa wenn aus den Chroniken der Festspiele zitiert wird. Wann und wie der Wind hier eine Aufführung durcheinander wirbelte, Requisiten umwehte und künstliche Nebel auflöste. Und zum Schluss trägt es mit dem "Fliegenden Robert" aus dem Struwwelpeter die Zuhörer gleichsam hinaus in den frühen Sonntagabend. Der Wind selbst hatte diesmal ein Einsehen: Er vertrieb alle bedrohlichen Wolkenansammlungen, so dass die Veranstaltung trockenen Fußes durchgeführt werden konnte. Der erste Durchlauf eine Woche zuvor hatte wegen Regens noch in die Innenräume des Schlosses verlegt werden müssen. Die Mitwirkenden waren Christine Csar (Zusammenstellung und Regie), Reinhild Köhncke, Carole Schmitt, Heinz-Hermann Hoff, Sven Post und Sebastian Teichner.

Quelle: RP
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