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Stadt Willich
Die Frühlingsboten aus dem Himmel

Stadt Willich: Die Frühlingsboten aus dem Himmel
Heinz-Peter Grütters hat in seinem Gewächshaus 30.000 Primeln stehen. Das Wort "Primula", wie die Pflanze mit lateinischem Namen heißt, heißt ins Deutsche übersetzt "Die Erste". FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Heinz-Peter Grütters hat einen guten Draht zum Himmel. In seiner Anrather Gärtnerei wachsen Tausende von Primeln. Sie tragen im Volksmund auch die Bezeichnung Himmelsschlüssel. Von Bianca Treffer

Es leuchtet intensiv lila, rosa, gelb, weiß und rot. Teilweise sind sogar zwei Farben in einer Pflanze vereint. Es wirkt wie eine einzige große, bunte Wiese. Bei dem Farbenwunder, das in der Sonne leuchtet, handelt es sich um Primeln. Im großen Treibhaus des Anrather Blumenhauses Grütters ist der Frühling eingezogen. "Primeln sind die Frühjahrsboten schlechthin, denn sie sind die Ersten, die wirklich Farbe mitbringen", informiert Heinz-Peter Grütters.

Bei ihm gibt es gleich 30.000 Farbtupfer, denn so viele Primeln stehen in ihren Töpfen auf den Pflanztischen. Wobei das Wörtchen Primula, wie die Pflanze mit lateinischem Namen heißt, es schon verrät. Übersetzt heißt es nämlich "Die Erste". Die Primel ist aber nicht nur ein Vorbote des Frühlings, sondern auch ein Himmelsschlüssel. Diesen Namen trägt sie im Volksmund. Verursacher ist der Heilige Petrus. Wäre dem Heiligen nicht irgendwann ein Missgeschick mit seinem Schlüsse lzur Himmelspforte passiert, könnte sich heute niemand an den bunten Farbklecksen, die den Frühling einläuten, erfreuen.

Als nämlich sein Schlüsselbund, so sagt es die Legende, aus dem Himmel herunterfiel und auf den weltlichen Boden aufschlug, wuchsen an dieser Stelle Blumen, deren ganzer Blütenstand einem Schlüsselbund ähnelte. Wobei die Blüten den Schlüsselbart und die Stängel das Blütenrohr darstellen. Fest steht: Seit vielen Jahrhunderten tragt die Primula veris, also die echte Schlüsselblume, den Beinamen Himmelsschlüssel. Daraus hat sich die artenreiche Pflanzengattung der Primeln entwickelt. Von ihr gibt es inzwischen über 400 Arten, und sie wächst durch Kreuzungen immer weiter.

"Jede Jungpflanzenfirma hat ihre eigenen Züchtungen", sagt Grütters und schlägt einen der aktuellen Kataloge auf. Ganze 17 Seiten hat die Firma den Primeln gewidmet. Neben den kräftigen Farben, die diese Pflanzen auszeichnen, können die Kunden zudem zwischen verschiedenen Blütengrößen wählen. Wobei hier gilt: Je größer die Blüte, umso anfälliger ist sie. Die Kunden können sogar auf gefüllte Varianten zurückgreifen, deren Blüten wie kleine Röschen aussehen.

Bei den Primeln gibt es die frühen, die mittelfrühen und die späten Sorten, sodass die Farbenpracht durchgängig von Dezember bis April genossen werden kann. Die Jungzüchterfirmen beginnen je nach Sorte Ende Juli bis Anfang August mit der Aussaat. Grütters, der sowohl mittelfrühe als auch späte Primeln in seinen Gewächshäusern stehen hat, erhält die kleinen Jungpflanzen in der zweiten Septemberwoche. Sie werden einmal umgetopft und dürfen dann in den Gewächshäusern wachsen.

Primeln mögen keine Wärme. Sie werden kalt kultiviert. Wichtig ist nur, dass die Temperaturen nicht unter die Frostgrenze rutschen. Der große Vorteil: Sie wachsen bei Temperaturen, die keinen Pflanzenschutz von Nöten machen, weil es Läusen und Co. einfach zu kalt ist. Von der Aussaat bis zur fertigen Pflanze beträgt die Kulturzeit bei den Primeln sechs bis sieben Monate.

"Zu den Zimmerpflanzen gehören die Primula opconica und die Primula malacoides", berichtet Grütters. Die anderen Sorten sind für draußen gedacht. In Balkon- und Terrassenkästen oder direkt in die Erde gepflanzt, sorgen sie für bunte Farbtupfer in der ansonsten eher noch unscheinbaren Natur. Primeln sind pflegeleicht. Sie mögen allerdings keine Wärme, keine Staunässe und sollten immer von unten gegossen werden. Kommt es zu stärkeren Frosteinbrüchen mit Minustemperaturen im zweistelligen Bereich, kann sie auf Balkon oder Terrasse Schaden nehmen. Sind solche Temperaturen angesagt, bietet es sich an, die Kästen über Nacht in einem frostsicheren Raum zu stellen. So kann die Farbenpracht über Wochen gehalten werden.

Die Gärtnerei Grütters, Weberstraße 200 in Anrath, lädt für den 28. und 29. April zu einem Tag der offenen Tür ein. Von 9 bis 18 Uhr bzw. am zweiten Tag von 11 bis 16 Uhr können Besucher den Betrieb besichtigen.

Quelle: RP
 
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