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Gemeinde Grefrath
Die Krimi-Autorin aus dem Niers-Express

Gemeinde Grefrath: Die Krimi-Autorin aus dem Niers-Express
Die Trailer für "Toxisch", kurze Sequenzen in schwarz-weiß gedreht, hat Katharina Wix selbst entworfen. Der Krimi entstand während ihres Studiums. Die 28-jährige Grefratherin lebt heute mit ihrem Violoncello in Essen. FOTO: PRIVAT
Gemeinde Grefrath. Katharina Wix wuchs in Vinkrath auf. Jetzt hat das Multitalent ihr erstes Buch herausgebracht. Die Werbung einschließend Trailer dafür hat sie selber gedreht. Heute arbeitet sie als Grafikerin in einer Werbeagentur. Von Heribert Brinkmann

Als Katharina Wix 13 Jahre alt war, wusste sie bereits, dass sie als Grafik-Designerin in die Werbung gehen will. Damals lebte sie mit ihrer Familie in Vinkrath und besuchte die Realschule in Süchteln. Wie sie auf diese Idee kam, weiß sie heute nicht mehr. "Vermutlich habe ich das in einem Film gesehen und gut gefunden", sagt die heute 28-Jährige. Katharina Wix studierte Kommunikationsdesign in Düsseldorf und arbeitet dort heute als Art Director, Illustratorin und Texterin.

Schon während ihres Studiums begann sie zu schreiben, allerdings zuerst mehr Sachtexte für ihre Designprojekte. So entstand ein Buch über den Absturz des Zeppelins "Hindenburg", mit dem sie den renommierten Designpreis red dot award, und zwar sogar in der Kategorie "best of the best" gewann. Ihr Debütroman "toxisch" entstand im Anschluss an die "Hindenburg" und wurde Teil ihrer Diplomarbeit - das Diplom bestand sie natürlich mit Glanz und Gloria.

Nach dem Hindenburg-Unglück in Lakehurst springt Katharina Wix für "toxisch" wieder über den Atlantik. Auch wenn sie persönlich noch nie in den USA war, wählte sie für ihren Krimi eine reale Kleinstadt: Bellington in North Carolina. Da ihre Geschichte rein fiktiv ist, suchte sie eine Stadt, die für uns weit weg und ein unbeschriebenes Blatt ist. Auf keinen Fall wollte sie einen dieser Heimatkrimis schreiben, bei denen die Leichen in Nachbars Garten liegen. Die beiden Polizisten, die in ihrem Krimi gemeinsam auf Verbrecherjagd gehen, heißen Jack Logan und Kate Booth. Wenn man diese Namen googelt, ist Logan ein Singer-Songwriter aus Mississippi, und Kate Booth kann man als britische Offizierin der Heilsarmee finden. Doch damit hat das Pärchen aus dem Buch nun wirklich nichts zu tun. Kate ist bei der Polizei und nicht bei der Heilsarmee, und Jack kann vor lauter Herzschmerzen bestimmt nicht singen. Denn der Polizist wurde aus Rache vergiftet.

Gleich auf den ersten Seiten gerät der Leser in einen Sog. Jack bricht bei einer Festnahme zusammen. Doch er ist nicht angeschossen und verletzt, sondern Herz und Lunge haben schlapp gemacht. Der Beginn des Buches liest es sich wie ein Krankenhausroman, und es entwickelt sich eine Romanze zwischen den Kollegen. Katharina Wix bezeichnet sich selber als Filmjunkie. Als sie einen Film von Darren Aronofsky sah, in dem die Hauptfigur ein Buch schrieb, hatte sie Blut geleckt und dachte "Das kann ich auch". Sie setzte die Idee in die Tat um. Doch ihre Elan reichte anfangs nur bis Seite 20. Erst eine Freundin überredete sie weiterzumachen.

Wix ist mit einer blühenden Fantasie gesegnet. Für ihr Buch entwarf sie keinen Plan, keinen Ablauf, keine Geschichte - gibt sie zu Protokoll. Sie schreibe einfach drauflos, und es fließe ihr von Seite zu Seite einfach zu. Dabei schreibt sie chronologisch, von Anfang bis Ende. Sie hatte von ihren Charakteren nur einen groben Umriss im Kopf, und im Laufe des Romans wurden die Figuren immer klarer. Oft habe sie nicht gewusst, was auf der nächsten Seite passiert. "So bleibt es auch für mich spannend", sagt sie mit einem Lächeln. Und erlebt beim Schreiben immer wieder Überraschungen. Sie schreibt, um sich selbst zu unterhalten, und macht in ihrem Buch eine Reise in eine Gegend, in der sie noch nie gewesen ist.

Wie der Titel verrät, geht es im Buch um Gift. Das Herz von Jack Logan ist durch eine Vergiftung lebensgefährlich angegriffen. Und er bleibt nicht das einzige Opfer im Buch. Es geht aber nicht nur um Gift im Körper, sondern auch im übertragenen Sinne, wie die Psychen ihrer Figuren von der Vergangenheit und ihren eigenen Gedanken regelrecht vergiftet werden - um eine Grenze zu überschreiten und einen Menschen umzubringen.

Als wäre das nicht alles allein schon bemerkenswert, hat sie in ihrem Krimi zum Schluss zwei Enden geschrieben: einen hollywoodmäßigen mit einem guten Ende - und einem weniger guten Ende. Und damit ist klar, dass zwei weitere Bücher mit Kate Booth als Hauptfigur entstehen werden. Denn die beiden Enden müssen weitergesponnen werden. Der zweite Band (600 Seiten) ist nahezu abgeschlossen.

Der erste Band wurde übrigens in einem Zug geschrieben - im Niers-Express. Jeden Tag zweimal 38 Minuten. So lange dauert die Strecke zwischen Kempen und Düsseldorf, die sie während ihres Studiums zurücklegte. Mal schrieb sie auch einen ganzen Tag durch, oder jede freie Minute, die übrig blieb. Neun Monate brauchte sie für das erste Manuskript. Sie hat das Buch aber nicht nur geschrieben, sondern auch gestaltet. Und auch die Werbung übernahm sie gleich mit. So drehte sie zwei Trailer, kurze Schwarz-weiß-Sequenzen, und stellte sie in Youtube.

Wenn sie nicht schreibt, nicht in einer Agentur für Immobilienmarketing oder ihrem eigenen Büro "Frau Wix" arbeitet, spielt sie Cello. Sie hat 2009 damit angefangen und spielt heute im ESO, dem Essener Studenten Orchester. Das Cello ist nah an der menschlichen Stimme - und auch das einzige Instrument, das man umarmen darf - so beschreibt sie ihre Wahl. Oder sie fotografiert auf Reisen. Sonne und Strand sind nicht ihr Ding, sie liebt kühlere Regionen wie die Highlands in Schottland. Demnächst geht es nach Island.

Quelle: RP
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