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Stadt Willich
Die Kunst des zivilisierten Miteinanders

Stadt Willich: Die Kunst des zivilisierten Miteinanders
Mit dem "Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza brachte der Literaturkurs des St.-Bernhard-Gymnasiums anspruchsvollen Stoff auf die Bühne. FOTO: Kaiser
Stadt Willich. Bühne frei hieß es jetzt für den Literaturkurs des St.-Bernhard-Gymnasiums. Mit dem Kammerspiel "Der Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza brachte er einen bekannten und anspruchsvollen Stoff auf die Bühne. Der Anlass für das weitere Geschehen findet bereits vor dem Einsetzen der eigentlichen Handlung statt. Es beginnt mit einem Streit zweier Elfjähriger: Ferdinand schlägt seinem Mitschüler Bruno mit einem Stock zwei Schneidezähne heraus. Daraufhin treffen sich die Eltern, um das Geschehene sowie die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Daraus entwickelt sich im weiteren Verlauf des Abends ein zu Beginn unvorstellbarer Streit. Von Eva-Maria Geef

Die Eltern des Schlägers Ferdinand, die Vermögensberaterin Annette und Anwalt Alain, geben sich schuldbewusst. Autorin Véronique und ihr Ehemann Michel, ein Eisenwarengroßhändler, scheinen gewillt, den Anschlag auf ihren Sohn Bruno zu vergeben. "Die Kunst des zivilisierten Miteinanders" solle gewahrt werden, so Véronique alias Marie Constanze Müller (17), die perfekt die sozialkritische Schriftstellerin gibt, die immer wieder gegen ihre Besucher stichelt. Bei Kaffee und Kuchen wird ein harmloses Gespräch begonnen, immer wieder unterbrochen durch Anrufe an den Anwalt Alain, der versucht, einen Pharmazie-Skandal seines Kunden abzuwenden. Doch nachdem zunächst auf beiden Seiten versucht wird, das Vorgefallene zu bereinigen, kochen die Emotionen im weiteren Verlauf hoch. Die Eltern von Ferdinand stellen die Frage, wer das Opfer und wer der Täter sei, nachdem herauskommt, dass der bis daher eher weich wirkende Michel am Morgen den Hamster der Tochter ausgesetzt und damit dem sicheren Tod ausgeliefert hat. Grund für die Schlägerei sei schließlich die Tatsache gewesen, dass Bruno ihren Sohn nicht habe in seine Bande aufnehmen wollen und ihn eine Petze genannt habe. Schließlich serviert Michel alias Niclas Cissewski (17) einen hervorragenden Rum, der die Situation eskalieren lässt: Annette übergibt sich auf einen unersetzlichen Bildband von Véronique und zerstört das Handy ihres Mannes.

Das Stück zeigt anschaulich, wie vier Erwachsene im Laufe eines Nachmittags ihre Masken fallen lassen, das andere Paar oder den eigenen Ehepartner angreifen und sich zwischenzeitlich paarübergreifend koalieren. Nur Alain fühlt sich in seiner Ansicht bestätigt, er habe schließlich immer an den namensgebenden "Gott des Gemetzels" geglaubt. Nina Jossifoff (17) spielt die Annette: "Ich fand das Stück am Anfang sehr langweilig, doch nachdem wir uns mehr und mehr in die Rollen hinein versetzt haben, fand ich die Handlung sehr interessant." Ihr Bühnen-Ehemann Adrian Kirbach (17) fand das Stück von Beginn an gut: "Die Stücke von Yasmina Reza sind immer Dramen und haben ein hohes Niveau." Die Situation ist bizarr, doch die vier Schüler spielen ihre Rollen sehr überzeugend und ernten viel Applaus.

Quelle: RP
 
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